Borkenkäfer: Holzpreis schrumpft auf ein Drittel

Situation in den Wäldern der Region hat sich weiter zugespitzt

Oelsnitz/Klingenthal.

Aufgrund der dramatischen Schäden durch den Borkenkäfer stehen Waldbesitzer vor einem Desaster. Statt 80-jähriger Fichten ernten sie geschädigtes, oft nicht einmal 30 Jahre altes Holz. Die Folge: Preise fallen in den Keller. Nur noch ein Drittel des üblichen Preises erhalten Waldbesitzer derzeit. "Viele fahren Verluste ein. Es fehlt Geld für die Aufforstung", so Bert Schmieder, Leiter des Forstbezirks Plauen. Seit Jahrhunderten galt die Fichte wegen ihres vergleichsweise schnellen Wachstums als Brotbaum des Waldbesitzers. Unter den jetzigen Bedingungen kann Schmieder jedoch nur davon abraten, wieder reine Fichtenbestände anzupflanzen. "Das ist nur für Höhenlagen ab 700 Meter ratsam", so der Forstamtsleiter. Er empfiehlt Laub-Mischwälder.

Kein einziger Mitarbeiter der Forstwirtschaft hat je eine solche Borkenkäferinvasion erlebt, wie sie sich derzeit abspielt. Auch für Laien ist das Fichtensterben inzwischen sichtbar - und wird bald noch deutlicher zu sehen sein: In den nächsten Wochen sterben die von Käfern befallenen Bäume ab und werden braun. Forstbetriebe und Sägewerke arbeiten auf Hochtouren. Die Lagerplätze quellen über. Was zurück bleibt, sind abgeholzte und kahle Flächen.


"Es dauert 30 Jahre, bevor auf solchen kahlen Flächen wieder ein Wald steht", sagt Benno von Römer aus Neumark, stellvertretender Vorsitzender des Sächsischen Waldbesitzerverbandes. Er kritisiert: "Verbal sprechen wir inzwischen von einer Katastrophe, aber nicht im behördlichen, offiziellen Sinne. Dann würden ganz andere Mechanismen greifen." Einen Notbrief hat der Wald- besitzerverband an den sächsischen Ministerpräsidenten dieser Tage geschrieben. Was fehle, seien vor allem die schon im vorigen Jahr vom Waldbesitzerverband geforderten Nasslagerplätze, um das geborgene Holz unterzubringen. Die Einrichtung solcher Lagerplätze sei an der schlechten Zusammenarbeit einzelner Behörden und Verwaltungen gescheitert, so von Römer.

Besonders hart vom Borkenkäferbefall getroffen ist der Raum Plauen. In Unterlosa steht eine überwachte Käferfalle mit einem Lockstoff. Forstamtsleiter Schmieder erläutert: "3000 gefangene Käfer pro Woche gelten als kritischer Wert. Ab dieser Zahl gehen wir von starkem Befall aus." Ende Mai zählten die Forst- mitarbeiter mehr als 14.000 Tiere in einer Woche, also fast das Fünffache. Auch die Gesamtzahlen schockieren die Forstfachleute: "Im gesamten Vorjahr, das auch schon ein schlimmes Borkenkäferjahr war, hatten wir über die gesamte Saison 32.000 Tiere in dieser Falle. Jetzt haben wir Ende Juli schon über 64.000 Käfer."

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