Brückenschlag auf den Spuren von Kaiser Karl IV.

Traditionell mit einem Feuerwerk am 1. Januar startete die Klingenthaler Partnerstadt Graslitz/ Kraslice ins Festjahr "650 Jahre Stadtrecht". Es ist aber nicht das einzige Jubiläum, das im Jahr 2020 ansteht.

Graslitz/Kraslice.

Das Feuerwerk am Abend des 1. Januar in Klingenthals Partnerstadt Graslitz/Kraslice ist schon zu einer Tradition geworden. Auch diesmal lockte das Spektakel wieder viele Gäste aus dem Vogtland an. Und es war der Auftakt für ein Jahr mit mehreren Jubiläen.

Im August werden es 650 Jahre, dass der böhmische Kaiser Karl IV. der Siedlung unter dem Hausberg das Stadtrecht verlieh. Damals verlief der sogenannte Königsweg von Prag nach Erfurt durch das Vogtland - von Elbogen/Loket über Graslitz/ Kraslice und Schöneck nach Plauen. Gefeiert wird das Jubiläum im August - parallel mit dem vogtländischen Schöneck, das am 15. August dazu extra den Tag der Vogtländer ausrichtet. Ob man in der Vogtlandstadt auch auf 650 Jahre Stadtrecht blicken kann, oder ob Schöneck schon früher Stadtrecht hatte und 1370 nur besondere Privilegien von Karl IV. erhielt, darüber gehen die Meinungen auseinander.

Heute könnte der Kaiser bequem den Zug nutzen, wenn er von Böhmen aus nach Schöneck wollte. Am 28. Mai werden es 20 Jahre, dass in Klingenthal wieder Züge über die Grenze fahren. Inzwischen gibt es durchgehende Verbindungen zwischen Zwickau und Mehltheuer bis Sokolov/Falkenau. Die Wiederaufnahme des grenzüberschreitenden Zugverkehrs in Klingenthal im Mai 2000 nach einer Pause von 55 Jahren war auch der Startschuss für das grenzüberschreitende Verkehrsprojekt mit Namen Egronet.

Mit dem Egronet-Ticket können Tagestouristen mit öffentlichen Verkehrsmitteln die Region zwischen Gera, Zwickau, Karlsbad/Karlovy Vary und Bayreuth erkunden. Die Tschechische Bahn hat die Gültigkeit dieses Tickets sogar bis Komotau/Chomutov erweitert.

Die Idee, dass das vogtländische Verkehrskonzept den Anforderungen eines Projekts für die Weltausstellung "Expo 2000" in Hannover gerecht werden könnte, hatte im August 1996 Brigitte Wunderlich, damals Referatsleiterin Verkehr im Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit. Unter Tassilo Lenk, dem Landrat des 1996 gegründeten Vogtlandkreises, wurde ab 1997 die Erweiterung des Verkehrsprojekts auf das Gebiet der Euregio Egrensis vorangetrieben.

Der Begriff Egronet stammt von Lucie Gregorova aus dem westböhmischen Habersbirk/Habartov. Sie gewann damit einen Wettbewerb, der unter der Schirmherrschaft von Thomas Thomaschke stand, dem langjährigen Intendanten des Festivals Mitte Europa. Das Egronet-Logo entwarf Kathrin Wetzig aus Selb.

Für das Vogtland umfasste das Egronet-Vorhaben sechs Projekte: Kauf neue Schienenfahrzeuge, Umbau von Bahnhöfen zu Schnittstellen Bus/Bahn, Schaffung von Tourismus- und Verkehrszentralen, Bau eines Betriebshofes für die Vogtlandbahn in Neumark, Einfahrt in die Innenstadt von Zwickau und grenzüberschreitender Lückenschluss in Klingenthal.

Rund 9,5 Millionen Mark kostete der Bau der Eisenbahnbrücke, die seither wieder Klingenthal und Graslitz/Kraslice per Schiene verbindet - wie schon einmal zwischen 1886 und 1945. Beide Städte sind seit Jahrhunderten mehr oder weniger verbunden. Seit 1971 besteht eine Städtepartnerschaft. Diese wurde 2016 bei einer Zeremonie im Klingenthaler Rathaus mit den Unterschriften der Stadtoberhäupter Thomas Hennig und Roman Kotilínek erneuert. Seit 2018 erscheint unter dem Titel "Dialog" halbjährig ein gemeinsames Kulturangebot beider Grenzstädte.

Wichtige Termine 2020 in Graslitz/Kraslice: 2. bis 4. April: Vorführungen der Oster- eier-Maler im Kulturhaus; 15. April: Konzert von Nicole Zuraitis (USA) im Kulturhaus; 13.Juni: Treffen aus Hausberg; 14./15. August: Jubiläumsfeier "650 Jahre Stadtrecht"; 29. August: Traditioneller Jahrmarkt.

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