Cellistin von Weltruf: Markneukirchen überrascht

Die gefeierte Musikerin Maria Kliegel ist erstmals im Vogtland und kurzfristig Vorsitzende der Fachjury des 54. Internationalen Instrumentalwettbewerbs.

Markneukirchen.

Am heutigen Freitagabend steht fest, wer die Preise im Fach Violoncello beim 54. Internationalen Instrumentalwettbewerb Markneukirchen erhält. Doch nicht nur für vieler der jungen Musiker ist das Vogtland Neuland. Auch die Leiterin der Fachjury hat in diesen Maitagen eine Premiere. Maria Kliegel, die weltweit gefeierte deutsche Cellistin, entdeckt Markneukirchen. Dass sie einen Tag vor ihrer Anreise erst die Leitung der Fachjury übernahm, kommt hinzu. Die Entdeckung hat sich gelohnt, sagt sie im Gespräch mit "Freie Presse".

"Die "beste Cellistin, die ich seit Jacqueline du Pré gehört habe", sagte Mstislaw Rostropowitsch über Maria Kliegel, als "La Cellissima" wurde die 1952 im hessischen Dillenburg geborene Musikerin gehuldigt. Als Weltspitze gilt die Zahl ihrer verkauften CDs in mehr als 30 Jahren beim Label Naxos. Als Siegerin bedeutender Wettbewerbe, mit Einsatz für zeitgenössische Musik und als Leiterin einer Meisterklasse für Musik in Köln seit 1986 erwarb sich Maria Kliegel einen hervorragenden Ruf. Natürlich sagt ihr der Name Markneukirchen etwas - genauso wie Klingenthal. Doch auf der Landkarte hat sie es deshalb nicht gesucht und war überrascht, dass die beiden bedeutenden Musikstädte quasi nebeneinander liegen. "Ich bin auch nicht mit Neugierde hergefahren", gibt die Cellistin zu, "die Gegend ist mir völlig fremd gewesen".


Die neue Erfahrung oberes Vogtland ist angenehm. "Ich bin sehr überrascht, wie schön es hier ist, wie herzlich - ich fühle mich willkommen. Die Region hält unheimlich zusammen, die Bevölkerung macht mit, die Instrumentenbauer genauso", erzählt Maria Kliegel von Eindrücken unter anderem vom Eröffnungsabend am 9. Mai oder einem Stadtbummel am Montag. Ja, Markneukirchen sei anders als andere Städte mit bedeutenden Musikwettbewerben - aber das mache auch den Reiz aus. Der Instrumentalwettbewerb in der Stadt genieße in der Musikwelt einen sehr guten Ruf. "Sehr gut organisiert, viel Erfahrung, bis ins kleinste Detail - professionell, zugleich persönlich und familiär", schätzt Maria Kliegel ein.

Da der japanische Jury-Vorsitzende Danjulo Ishizaka kurzfristig ausfiel, übernahm sie auf Bitten von Wettbewerbspräsident Thomas Selditz den Leitungspart. Dem 2019-er Cello-Jahrgang in Markneukirchen bescheinigt Maria Kliegel ein sehr hohes Niveau. Das könnte auch daran liegen, dass mancher Teilnehmer den Auftritt im Vogtland als Sprungbrett für bedeutende Konkurrenzen dieses Jahr wie ARD-Musikwettbewerb oder Tschaikowski-Wettbewerb betrachte, meint sie. "Die jungen Musiker sind sehr offen für Meinungen, kommen mit Selbstbewusstsein, sind aber zugleich bescheiden", so die Jurychefin. Sie setzen sich einem Urteil aus, dass nicht messbar sei, einer Tageseinschätzung, die morgen ganz anders ausfallen könnte, betont sie und rät "nicht zu früh zufrieden zu sein. Aus Niederlagen lernt man mehr". Eigene Wege zu finden, sei wichtig. "Richtig oder falsch gibt es nicht. Ganz viele Wege führen nach Rom."

Den eigenen Weg beschreitet Maria Kliegel in diesem Frühjahr auch als Große ihres Fachs. Nach mehr als 40 Einspielungen für Naxos ist ihre mit dem Pianisten Oliver Triendl eingespielte CD "Voyages Sonores" beim Leipziger Label Genuin erschienen. Der französisch-spanische Kolorit, der sich auch in der Lebensart ausdrückt, hat Maria Kliegel gereizt. Mit Werken, die in kein Raster passen: Das Auf und Ab bei Francois Poulenc, Debussy-Stücke die fast unbekannt sind. "Alle richtig schwer - aber man darf nicht hören, dass es schwer ist." Das Poulenc-Konzert steht auch bei Wettbewerben oft als Werk zur Auswahl, wird aber nach Maria Kliegels Erfahrung nur sehr selten von Teilnehmern gewählt.

Ab 19 Uhr (Musikhalle, Eintritt 3 Euro) stellen sich mit Yeong-Kwang Lee (Südkorea), Daniel Thorell (Schweden) und Friedrich Thiele (Deutschland) die drei Erstplatzierten des Wettbewerbs der Jury. Sie spielen Robert Schumanns Cello-Konzert a-Moll im Orchesterfinale mit der Philharmonie Plauen-Zwickau. Maria Kliegel wird mit ihren Kollegen nochmals genau hinhören. In der Musikhalle übrigens kein Problem, sagt sie, "Die Halle ist sehr groß, die Akustik sehr trocken. Für uns Zuhörer ist das sehr gut. Es ist sehr ehrlich, es gibt keinen Nachhall, man kann nicht schummeln. Der Ort ist ideal, denn er ist auch nicht zu dunkel", kann sie auch dem Blick durch die große Glasfassade hinaus in den grünenden Mai viel abgewinnen. Das Preisträgerkonzert am Samstag kann Maria Kliegel indes nicht mehr erleben. Sie muss an dem Tag nach München. Tags darauf ist sie wieder Jurorin, bewertet in der Videoauswahl für den ARD-Musikwettbewerb im September 160 Cello-Anmeldungen. Markneukirchen aber, lässt sie durchblicken, wird sie in sehr guter Erinnerung behalten.

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