Das schätzen die Zuhörer: Gregor Gysi in Plauderlaune

Der bekannte Linken- Politiker hat am Montagabend die Zuhörer im Theater Bad Elster beeindruckt. Im ausverkauften Haus erzählte er die Geschichte seines Lebens.

Bad Elster.

Zum Abschluss der Gedenktage zu 30 Jahren friedliche Revolution und Mauerfall stellte sich Linken-Politiker Gregor Gysi am Montagabend im König-Albert-Theater Bad Elster den Fragen von Hans-Dieter Schütt, Ex-Chefredakteur der Tageszeitung "Junge Welt".

Vieles von dem, was die 70-jährige Politik-Ikone in zwei Stunden zum Besten gab, worüber er mit Wortwitz und Hintersinn, politischer Schärfe und Altersweisheit erzählte und parlierte, war keine Überraschung. "Ich will im Bundestag Alterspräsident werden, weil die CDU dann vor mir aufstehen muss und ich unbegrenzte Redezeit habe" - solche Frotzeleien sind Gysi-typisch. Der Reiz der Veranstaltung in Bad Elster bestand darin, ihn auf der Bühne leibhaftig zu erleben. Gysi, den Sohn eines DDR-Funktionärs, Anwalt, Kopf der PDS, Linken-Fraktionschef, seit 2017 Träger des Ordens Wider den tierischen Ernst und seine erfrischende, humorvolle Art, Einblick in sein wechselvolles Leben zu geben. Mit so manchem Wortwitz: Das soziale Denken von Gregor Gysi ist in seinem Stammbaum verankert. So verriet er, dass einer seiner Vorfahren, der Kaufmann Karl Robert Oettel (1798-1884) aus Görlitz, die Rassegeflügelzucht in Deutschland begründete. Er importierte erstmals Hühner aus Asien, weil die Tiere fleischreicher waren als die herkömmlichen und auch im Winter Eier legten - eine nicht unwichtige Lebensgrundlage.

Nein, Gregor Gysi schwelgte nicht in Ostalgie und will keinen Rückfall in alte Zeiten. Er verhehlte aber ebenso wenig, dass er vieles als bedauerlich und nicht nachvollziehbar ansieht, wie die politische Wende 1989 und in den Jahren danach verlief und durchgezogen wurde. Darin sah er sich eins mit dem Publikum, das mit zustimmendem Beifall nicht sparte. Etwa dafür, warum soziale Vorzüge wie Kindergärten, Schule und Polikliniken missachtet wurden. Gysi kritisierte unter anderem als Fehler, bei der Vereinigung nichts an der Symbolik der BRD geändert zu haben, und die Vorgehensweise der Treuhand. Die bedeute bis heute eine Demütigung der Menschen in Ostdeutschland.

Gysi nahm sich danach ausreichend Zeit, um im Foyer des Theaters seine Autobiografie zu signieren. Obgleich er einen kurzen Nachnamen trägt, dauerte es eine Weile, bis alle Wünsche erfüllt waren.

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