DDR-Flüchtling als Herr der Bergkristalle

Der gebürtige Markneukirchener Frank Woldert ist Spezialist für die Schätze aus den Schweizer Bergen. Sein unbedingter Wille, auch dort Mineralien zu suchen, waren auch ein Grund für eine dramatische Flucht aus der DDR.

Oelsnitz/Markneukirchen.

Bergkristalle und Rauchquarze erzeugen ein Funkeln in seinen Augen. Ein Funkeln, das mit starken Glücksgefühlen verbunden ist. Die Schönheit jedes einzelnen Gesteins ist es, weshalb sich Frank Woldert jedes Jahr in die Berge der Zentralschweiz begibt. Im Göschenertal im Kanton Uri gräbt er seit 20 Jahren nach Mineralien. Der gebürtige Markneukirchener, der in Bayreuth lebt, war mit seinen Funden am Sonntag auf der Mineralienbörse in der Oelsnitzer Vogtlandsporthalle der Star.

Die Funde von Frank Woldert sind spektakulär. Dieses Jahr hat er einen ganz besonderen Treffer gelandet. Einen 130 Kilogramm schweren und ein Meter großen Rauchquarzstein, der mit einem Hubschrauber abtransportiert werden musste. "Von all den Steinen, die ich in den letzten 15 Jahren gefunden hatte, war dies die Krönung", berichtet er. Laut seinen Worten haben solche Steine, ohne genaue Zahlen zu nennen, einen großen finanziellen Wert. Denn die Besonderheit liege darin, dass Rauchquarze seltener sind als Bergkristalle und durch natürliche elektromagnetische Strahlung eine bräunlich bis schwarze Farbgebung aufweisen. Solche Funde bedeuten den 59-Jährigen sehr viel. "Für mich sind sie aber eher ein emotionaler Wert und lassen sich mit keinem Geld der Welt aufwiegen", erklärt er. Neben seinen Mineralien, die er verkauft, stellt er solche Rauchquarzsteine nur zur Schau aus. Nach dem Motto: "Anschauen ja, anfassen nein".

Schon in jungen Jahren, als er in Markneukirchen lebte, haben ihm blinkende und glitzernde Steine gefallen. Die Faszination dafür war so groß, dass er damals immer in die Alpen wollte, um dort nach Gesteinen zu suchen. "Das war einer der Gründe, warum ich am 1. November 1983 aus der DDR meinen Fluchtversuch startete. Aber auch in beruflicher Hinsicht hatte ich hier keine Perspektive mehr gesehen", erzählt er. "Hinzu kommt, dass ich kurz vor meiner Einberufung in die Nationale Volksarmee stand. Dahin wollte ich auch nicht. Also entschloss ich mich, zu Fuß über die deutsch/tschechische Grenze bei Marienbad zu fliehen", erzählt Frank Woldert. Wie er berichtet, wurde er dort nach einem Schusswechsel festgenommen. Es folgten elf Monate Gefängnis, unter anderem in Justizvollzugsanstalten in Prag, Eger und Berlin. Wegen Republikflucht wurde er zu 22 Monaten Gefängnis verurteilt. Doch im September 1984 wurde er freigekauft. Nach vier Wochen Auslieferungshaft folgte der Abtransport in das hessische Gießen. Dadurch konnte er zu seinem Onkel nach Bayreuth gelangen. Dort lebt Frank Woldert heute noch.

Als Kristallsammler folgten Jahre des Reisens. Im afrikanischen Namibia, in Nordspanien, Kasachstan oder Portugal hat er sich auf die Suche nach Steinen begeben. Bis er Ende der 1980er Jahre die Schweiz für sich entdeckte und dort bis heute nach alpinen Mineralien gräbt. Vor 15 Jahren entdeckte er einen sogenannten Kristallhohlraum. Der Aufstieg zu dem Hohlraum, in dem er sich mit Bohrmaschine und Meißel immer tiefer hineingearbeitet hat, ist waghalsig und mit gefährlichen Steinschlagrinnen und steilen Felswänden gespickt. Doch die Chancen, dort immer wieder neue Rauchquarzgesteine zu entdecken, zieht ihn magisch an. Der Elektriker verbringt seinen gesamten Jahresurlaub mit der Mineraliensuche.

Laut Steffen Pestel von der veranstaltenden Interessengemeinschaft Mineralienbörse, war Wolderts Sonderschau am Sonntag zum Thema Rauchquarz und Bergkristalle ein großer Besuchermagnet. "Wir haben 920 Besucher gezählt, viele von ihnen waren von Frank Woldert fasziniert. Das, was er in der Schweiz bisher gefunden hat, hat noch kein Einheimischer vor ihm entdeckt. Der Mann ist einfach grandios", schwärmt Steffen Pestel.

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