Der ganz andere Olaf Schubert

Der Kunsthandwerkermarkt im Freilichtmuseum Landwüst lockte am Wochenende viele Gäste an. Bei einem Gewerk fand sich ein bekannter Name.

Landwüst.

Es gibt sie noch, die schönen Sachen, die in keinem Ramschladen, 0815-Geschäft oder Supermarkt zu haben sind. Schön, kunstvoll und vor allem von Hand gemacht. Sachen, denen anzusehen ist, wie viel Arbeit in ihnen steckt, die heute noch so gefertigt wie früher und deshalb auch einen stolzen Preis haben. Liebhaber scheuen ihn nicht, greifen dafür in die Tasche. Für Heumilchkäse, rattenscharfe Messer, Seifen mit exquisiten Düften wie Mango und Flieder, Holzknöpfe, Geschmiedetes, Gedrechseltes oder gesponnene Wolle. Gründe, weshalb die Resonanz am Wochenende in Landwüst beim Kunsthandwerkermarkt so rege war, wie Organisator Andreas Wolf aus Zickra in Thüringen zufrieden konstatierte.

Stecklinge müssen im Februar geschnitten werden. Dann trocknen sie ein Jahr und werden eine Woche gewässert, bevor sie zum Verarbeiten geeignet sind. Marion Thonfeld aus Dresden weiß das genau. Sie ist zertifizierte Flechtwerkgestalterin. "Eigentlich komme ich aus dem Sozialbereich, aber wegen einer Krankheit musste ich mich neu orientieren. Ein Freund hat mich inspiriert, Korbflechterin zu werden. Also habe ich umgeschult und kann mir jetzt nichts anderes mehr vorstellen. Flechten ist kreativ und ursprünglich. Am Abend weiß ich, was ich tagsüber mit den Händen gemacht haben", sagt sie und geht wieder ans begonnene Werk: ein rustikales Behältnis für Blumenschmuck.

Was Britta Esser aus Dresden unter den Händen hat, ist kein Kunstwerk, sondern ein Gebrauchsgegenstand, wie er bei Wikingern zum Alltag gehörte: das Horn eines Hochlandrindes als Trinkgefäß für Met. So groß für eine Person, passt doch mehr als ein halber Litern hinein? "Nein, nein. Das wird sozusagen ein Gruppenhorn. Es hatte früher die Bedeutung wie die Friedenspfeife bei den Indianern. Alle saßen im Kreis, das Horn wurde herumgereicht und daraus getrunken, um die Gemeinschaft zu bekräftigen", sagte Britta Esser, während sie das Horn außen mit einem Schaber glättete, innen mit Leinöl und außen mit Bienenwachs bestrich.

Olaf Schubert, Muldenhauer aus Grünlichtenberg, muss sich oft den Vergleich mit seinem Namensvetter, der in Plauen geborenen Ulknudel, gefallen lassen. Dabei können sie kaum unterschiedlicher im Aussehen und Wesen sein: Schubert II mit gelb-grünen Pullunder und von hagerer Statur, Schubert I in weißem Hemd und mit einem Schlapphut. So stand er da, schlug für eine Mulde in gleichförmigen Takt Span um Span aus einem Pappelstamm. "Weichholz eignet sich, also auch Birke oder Linde. Eiche nicht, die reißt", erklärte er in einer Pause und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Olaf Schubert I ist von Hause aus Zimmermann, arbeitete viele Jahre auf dem Bau, bis der Körper ein Stoppzeichen setzte. Jetzt haut er Mulden, Schalen, Stühle, Bänke aus Holz, schleift sie fein ab, ölt sie ein oder lässt sie roh. "Das Hauen von Mulden, also Trögen, war früher die Arbeit von den Zimmerleuten im Winter. Damit haben sie sich etwas hinzuverdient." Heute bestreitet er damit seinen Lebensunterhalt.

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