Ein Gebirge und seine Menschen

Ein Filmteam aus Thüringen hat Deutsche und Tschechen im Erzgebirge porträtiert. Begonnen wurde in Klingenthal. Dafür gab es gute Gründe.

Klingenthal.

Petr Rojík und seine Schwester Sonja haben es noch gut in Erinnerung, wie der von ihrer Mutter Edeltraud geleitete Graslitzer Frauenchor in Klingenthal auftrat. Es war vor gut einem Vierteljahrhundert, als die Grenze zwischen Sachsen und der Tschechischen Republik an vielen Stellen passiert werden konnte, der Beginn eines regen kulturellen Austausches. Da wurde wieder bewusst, dass auch auf tschechischer Seite noch viele Deutsche leben.

Jörg-Peter Schilling und Viola Scheler-Eckstein vom Filmstudio Sirius aus Meura/Thüringen haben sich zwischen Graslitz/Kraslice und dem Keilberg/Klinovec auf die Spur des Zusammenlebens von Deutschen und Tschechen begeben. Entstanden ist eine zweiteilige Dokumentation von fast zwei Stunden Länge. Zur Premiere am Donnerstagabend im Kino in Neudek/ Nejdek waren dazu auch mehrere Dutzend Vogtländer und Erzgebirger gekommen.


Viele der im Protagonisten, die im Film zu Wort kommen, kennt man längst beiderseits der Grenze. Wenn der Geologe Petr Rojík einen Vortrag hält, und dabei auch noch Musik macht, ist der Saal meist brechend voll. Gerhard Krakl dürften inzwischen viele Besucher des Handschuhmuseums in Abertham/ Abertamy kennengelernte haben. Er spricht noch die Mundart des Erzgebirges. Das war auch der Grund, warum der Klingenthaler Claus Dunsch bereits 2017 einen Film für die Vogtländischen Mundarttage drehte, in dem auch Krakl zu erleben war. Ein Film über das Erzgebirge ohne Anton Günther geht nicht. Dass mit Anton Günther Lehmann sein Enkel in Klingenthal lebt und das Erbe seine Großvaters in Erinnerung hält, ist ebenso interessant wie die Lebensgeschichten der Zitherspielerin Berta Růžičková aus Neudek/Nejdek oder des Harmonikaspielers Franz Severa aus Trinksaifen/Rudné.

Die beiden Tschechen Petr Holeček und Michal Kratochvil haben in Sauersack/Rolava ein kleines Museum eingerichtet, das die Geschichte des Dorfes erzählt. Michal Urban erzählt, was es mit dem Plattener Kunstgraben - zwischen Gottesgab/Boží Dar und Platten/Horní Blatná - auf sich hat.

Es sind viele Menschen beiderseits der Grenze, die in dem Film zu Wort kommen. Was seit eint, ist der Wille, gemeinsam die Zukunft des Erzgebirges zu gestalten - dunkle Kapitel hält die Geschichte schließlich viele bereit. Der Film spart sie nicht aus.

Was dabei auffällt - es ist die ältere Generation, die zu Wort kommt. Die Frage, wie die junge Generation ihre Zukunft im Erzgebirge sieht, und ob die Traditionen ihrer Eltern und Großeltern dabei noch eine Rolle spielen, lässt der Film offen.

Zwei Jahre dauerten nach den Worten von Viola Scheler-Eckstein Vorbereitung und Dreharbeiten für das Filmprojekt. Unterstützung gab es neben dem Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds vor allem durch die Stadt Neudek/Nejdek und den dortigen Verein JoN mit dem Historiker Pavel Andrš.

Produziert wurden die "Grenzgeschichten" in deutscher und tschechischer Fassung. Bei beiden Premieren dankte am Ende das Publikum mit viel Beifall.

Erhältlich ist die Dokumentation im Online-Shop des Filmstudios Sirius. www.filmstudio-sirius.de

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