Erhöhte Radon-Konzentration in vogtländischen Schulen gemessen

Erste Auswertungen haben zum Teil bedenklich hohe Werte in der Region ergeben. Aktuell laufen weitere Messungen, auch in Kindergärten.

Bad Elster/Oelsnitz.

Die Radonkonzentration in der Raumluft ist in einzelnen Schulen der Region um ein Vielfaches zu hoch. Das haben aktuelle Messungen der Sächsischen Betriebsgesellschaft für Umwelt und Landwirtschaft an elf Schulen im Vogtland ergeben. Teilweise übersteigen die Werte das Vierfache des seit Januar geltenden Grenzwerts von 300 Becquerel pro Kubikmeter.

Sachsenweit läuft das Messprogramm seit 2015. Bis Ende 2020 muss der Freistaat ermitteln, in welchen Gebieten mit einer hohen Radon-Konzentration in Gebäuden zu rechnen ist. Im Vogtland sind derzeit in neun weiteren Einrichtungen Überprüfungen geplant oder laufen bereits, auch in Kindertagesstätten. Die Träger der Schulen und Kitas schoben Messungen selbst an. Verpflichtend sind sie trotz Einführung des neuen Referenzwertes nicht.


Auf Anfrage der "Freien Presse" gab das sächsische Umweltministerium die bislang ausgewerteten Daten jetzt heraus. Ergebnis: An mehr als der Hälfte der untersuchten Einrichtungen im Vogtland ist die Belastung durch Radon zu hoch. Das Gas kann durch Schächte und Rohre sowie mögliche Spalten oder Risse in Bodenplatten in die Gebäude eindringen. Die höchsten Konzentrationen werden in Kellerräumen erreicht. Ein Spitzenwert wurde in Bad Elster gemessen: 1300 Becquerel im Jahresmittel. Die Werte im Plauener Berufsschulzentrum e.o.plauen sind ähnlich hoch.

Die Verantwortlichen in Bad Elster prüfen noch, wie sie mit dem unsichtbaren Problem in ihrer Grundschule umgehen. "Wir nehmen es ernst", sagte Bürgermeister Olaf Schlott (Unabhängige Bürgerschaft). Die hohen Werte entstanden bei Messungen im Untergeschoss. Dort wird die ehemalige Schulküche für die Essensausgabe genutzt. "Im ersten Moment waren wir sehr erschrocken", sagte Schlott. "Wir haben die Messung früh angeschoben, um uns Klarheit zu verschaffen." Die Auswertung liegt der Stadtverwaltung seit Februar vor. Lüften steht als Sofortmaßnahme an. Was folgt, ist noch unklar.

Fördergelder für eine Sanierung beim Thema Radon gibt es aktuell für Kommunen nicht. Ist das Problem aber erkannt, stehen die Träger der öffentlichen Einrichtungen in der Pflicht. "Unverzüglich", wie das Umweltministerium auf Anfrage betont, müssten Wissende basierend auf dem Strahlenschutzgesetz vom Juni 2017 Maßnahmen zur Reduzierung der Radonkonzentration ergreifen. Es geht auch um den Arbeitsschutz. "Entscheidend ist ein Bewusstsein für das Problem", sagt Sprecher Frank Meyer. Schon ein geändertes Lüftungsverhalten, etwa nach Ferienzeiten oder dem Wochenende, trage oft zur Verbesserung der Situation bei.

Das Problem: Mit steigender Radonkonzentration in Aufenthaltsräumen nimmt das Risiko einer Lungenkrebserkrankung zu. Dies belegte bereits 2005 eine europaweite Studie, an der auch das Bundesamt für Strahlenschutz beteiligt war. Die Forscher stellten damals fest, dass Personen, die Räume mit Radonkonzentrationen zwischen 100 und 200 Becquerel pro Kubikmeter Raumluft bewohnen, ein um 20 Prozent erhöhtes Lungenkrebsrisiko haben. Das radioaktive Edelgas ist geruchs- und geschmacksneutral. Über Jahre eingeatmet, lagert sich durch Zerfallsprozesse Schwermetal im Körper ab. Am Ende der Kette steht Blei.

Der Plauener Baubiologe Rüdiger Weis informiert in Vorträgen über das Problem Radon, berät Betroffene, wie sie bauliche Mängel beheben. Zuletzt sprach er vor Interessierten in der Oelsnitzer Stadtbibliothek. "Radon war schon immer da. Doch heute sind unsere Häuser isoliert, kein Luftzug geht raus. Das kann zum Problem werden", sagt er. Weis rät zu Messungen - aber auch zur Besonnenheit. "Der neue Referenzwert ist ein politischer Wert", sagt er. "Streng genommen müsste er sogar niedriger liegen. Aber dann würden die Sanierungskosten für die öffentliche Hand ausufern."

Noch voriges Jahr antwortete Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) auf eine Anfrage der Grünen-Landtagsabgeordneten Petra Zais, dass die jeweiligen Träger der Einrichtungen nach den Messungen selbst entscheiden könnten, wer über die Ergebnisse informiert wird - oder eben nicht. Es ging um Messreihen von 2001 bis 2015 - vom Erzgebirge bis nach Görlitz. Laut jener Auflistung fand nur eine Messung im Vogtland statt. Demnach waren 2003 erhöhte Werte in der Kita "Nesthäkchen" in Treuen festgestellt worden. Eine Anfrage der "Freien Presse" an die Stadtverwaltung, wie die Stadt in der Folge mit dem Wissen um das Problem umging, blieb bislang unbeantwortet.

Das Umweltministerium rät Eltern, die Messungen in Schulen und Kitas bei den zuständigen Kommunen und Trägern einzufordern.


Radon als Heilmittel

In Bad Brambach kommt das Edelgas Radon als natürliches Heilmittel in Form von Bädern und Trinkkuren zum Einsatz. Radon zeigt nachweislich Wirksamkeit bei entzündlichen Krankheiten des Bewegungsapparates, aber auch bei Lungenleiden. Das ist kein Widerspruch. Patienten sind während ihrer Kur nur für einen kurzen Zeitraum und in gezielten Dosen dem Gas ausgesetzt. Problematisch wird es, wenn das Edelgas unbemerkt über Jahre in hoher Konzentration eingeatmet wird. (nij)

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