Evi und Gerd gehen in Rente

Ende des Monats wird der Imbiss an der Untermarxgrüner Straße in Oelsnitz zugesperrt. Nach fast 28 Jahren ist Schluss.

Oelsnitz/Adorf.

Eigentlich wollten sie es ja gar nicht so an die große Glocke hängen. Aber da auch zwei "Freie Presse"-Mitarbeiter zu den Stammkunden gehören, wird es nun auch öffentlich: Eva-Maria und Gerd Schwericke sperren Ende des Monats ihren Imbisswagen an der Untermarxgrüner Straße in Oelsnitz zu. Für immer.

Generationen von Kunden wurden von den beiden Adorfern mit Kaffee, Würstchen oder Nudeln in fast 28 Jahren versorgt. Begonnen hatte alles in ihrer Heimatstadt. "Am 13. November 1990 haben wir aus unserem Wagen an der Adorfer Tankstelle heraus das erste Würstchen verkauft", erinnert sich Eva-Maria Schwericke. Treibende Kraft war allerdings ihr Mann. "Das war schon immer mein Traum, so etwas zu machen", verrät Gerd Schwericke. Was viele vielleicht gar nicht wissen: Nicht seine Frau, sondern er war stets der Koch, bereitete die Speisen zuhause schon vor, brutzelte und grillte.

Kurios: Ausgerechnet in ihrer Heimatstadt wollte man die beiden damals nicht. "Wir waren in Adorf im Rathaus, aber man mochte uns partout keinen Standplatz in der Stadt geben. Eine Begründung dafür gab es nie", ärgert sich die "Evi" noch heute so ein klein wenig. "Da sind wir dann nach Oelsnitz gefahren, da klappte das wunderbar."

So stand das Wägelchen der Schwerickes erst mal für drei Monate auf dem Oelsnitzer Marktplatz, bevor es im Februar 1991 für zehn Jahre seinen Platz gegenüber der "Goldenen Sonne" fand. Danach erfolgte der Umzug zum jetzigen Standort. Zwischendurch existierte fünf Jahre lang sogar ein zweiter Wagen an der damaligen Baywa in Voigtsberg, wo Gerd Schwericke Hunger und Durst seiner Kundschaft stillte, während die Gattin den anderen betreute.

"Evi's Imbiss", wie das Ganze offiziell heißt, war in all der Zeit nicht nur ein Ort zur Nahrungsaufnahme, sondern zugleich Treffpunkt und Nachrichtenbörse. Nicht wenige Kunden, auch aus dem Plauener Raum und aus Oberfranken, kamen einfach mal nur auf einen Kaffee und natürlich um zu quatschen oder zuzuhören. Politische Themen wurden genauso diskutiert wie die Dummheiten oder Sorgen von Nachbar X und dem Bekannten Y, wobei speziell die große Politik meist ganz schlecht wegkam.

Und irgendwie bildeten Evi und Gerd auch ein kongeniales Duo. Sie übernahm den mütterlich-fürsorglichen Part, er den schnodderig-urigen Teil. Da bekam die Stammkundschaft auch schon mal ihr Fett weg. Da wurde auch der Journalist als Schmierfink oder der Fotograf als Paparazzi begrüßt, was aber niemand jemals krumm nahm.

"Alles in allem war es eine sehr schöne Zeit, in der sich auch die Essgewohnheiten geändert haben", zieht die "Evi" Bilanz "In den 90-er Jahren waren Hamburger oder Pommes der Renner, nun sind es eher Currywurst oder Nudeln. Die Leute, die früher als Kinder bei uns Pommes gekauft haben, kommen jetzt mit ihren Kindern vorbei und holen Nudeln." Apropos Nudeln: "Die Nudeln, die wir in den ganzen Jahren verkauft haben, würde ich gerne mal auf einem Haufen sehen", lacht die Chefin.

Doch mit dem 31. August wird dieser imaginäre Haufen nicht mehr größer. "Dass wir aufhören, hat gesundheitliche Gründe. Und auch die Hitze der letzten Monate hat sicher ein klein wenig zu dem Entschluss beigetragen", sagt Gerd Schwericke. Der ist schließlich mittlerweile 65 Jahre alt, die Gattin ein Jahr jünger. Und: "Wir sind jetzt auch in einem Alter, in dem man sich nicht mehr unbedingt Tag für Tag bei sengender Hitze oder klirrender Kälte für wenig Geld in einen offenen Blechkasten stellen muss."

So verabschieden sich die beiden, für die es übrigens keine Nachfolger gibt, in den wohlverdienten Ruhestand. Natürlich nicht ohne "einen ganz großen Dank an alle, die uns in den vielen Jahren die Treue gehalten haben!"

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1Kommentare
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  • 1
    0
    Omel
    22.08.2018

    Sehr schade, aber natürlich verdient. Wie sind die Öffnungszeiten für die letzten Tage? Vielleicht schaffen wir es nochmal :)



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