Fachkräfte: So läuft das Vogtland-Modell

Auf Rückkehrer oder fremde Fachleute wartet der Datenanalyse-Spezialist Simba n³ nicht. Er sucht die Mitarbeiter von morgen lieber in der Schule.

Oelsnitz.

Beim Wort Fachkräftemangel sind schon viele Appelle an Politik, Jugendliche, Eltern oder wen auch immer gerichtet worden. In den Chor will Matthes Nagel gar nicht erst einstimmen. Der Geschäftsführer des Oelsnitzer Datenanalyse-Spezialisten Simba n³ berichtet lieber davon, wie das Familienunternehmen mit 20 Mitarbeitern seine Zukunft sichert - mit einem über die Region ausgeworfenen Netzwerk. Aufmerksamer Zuhörer in Oelsnitz war Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU).

Die Zukunft saß mit am Tisch: Daniel Mata Cruz aus der Nähe von Barcelona, der Oberfranke Michael Sommermann und Julius Hartung aus Plauen lernen in der Oelsnitzer Firma, Christopher Roßbach aus Unterwürschnitz und Jonas Stöhr aus Weischlitz sind Werksstudenten. Auf verschiedenen Wegen haben sie zu Simba n³ gefunden. Wenn sich die Datenanalyse-Firma auf Studienabsolventen verlassen würde, wäre sie verlassen. Nagel wirft eine Grafik an die Wand. Die Studierendenzahl in Mathematik, Technik, Naturwissenschaften in Deutschland ist eklatant geschrumpft, "Ein Trauerspiel", sagt der Geschäftsführer. Es fehle die Lobby dafür. Was lag also näher, als die Lobby dafür selbst aufzubauen?


Da das nicht allein geht, sind der Kreis, Schulen und die Initiative Südwestsachsen Digital, ein Zusammenschluss von 38 Firmen, im Boot. "Angefüttert" wird nicht als Muss, sondern durch Spiel und Begeisterung. "Früher wurde viel mehr programmiert. Jonas und Christoph haben damit im Grundschulalter begonnen. Damit sind sie heute aber statistische Ausreißer", sagt Nagel. Die Faszination, die ein Robotron KC 87 auf den jugendlichen Christian Piwarz ausstrahlte, stammt dann doch aus einer eher fernen Zeit.

Den Start ins Programmieren lernen zehn Sechstklässler des Oelsnitzer Julius-Mosen-Gymnasiums seit Herbst spielerisch - in regulärem Unterricht aller zwei Wochen bei Simba n³. Die Werksstudenten leiten sie an. Mit Programmier-Sets des Bauklötzchen-Herstellers Lego tuckert der am Laptop oder Tablet programmierte Roboter vorwärts. Ein Jahr voraus, seit 2017 dabei, sind Markneukirchner Gymnasiasten, die mit ihren Konstruktionen Silber beim Robocup in Berlin abräumten.

An der Grundschule Adorf läuft ein Ganztagsangebot mit viel Spielanteil, geleitet von Elisabeth Blüml, Referentin von Südwestsachsen Digital und Matthias Stock von der Adorfer Firma Innosaxess. Ab nächstem Schuljahr übernehmen das Schüler des Gymnasiums Markneukirchen. Im Herbst startet das Angebot an beiden Oelsnitzer Grundschulen, so Nagel. Dann sei die Kapazität der Firma aber erschöpft.

Dass der Einsatz Früchte trägt, davon ist er überzeugt. Zwei Drittel der Mitarbeiter von Simba n³ hat die Firma selbst ausgebildet. Was sagt Piwarz dazu? "Ich habe viel gelernt. Mit Lego werde ich mal einen Termin machen. Mir geht es darum, dass andere dies sich hier mal ansehen, ob sie es so übernehmen oder nicht. Mit Zwangsbeglückungen kommen wir nicht weit", ist er kein Freund vorgegebener Lösungswege.

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