Figuren helfen Sehbehinderten

Wie erleben Menschen mit Handicap das Freilicht- museum Landwüst? Die Einrichtung bietet jetzt ganz neue Möglichkeiten.

Landwüst.

Wenn im Freilichtmuseum bestimmte Thementage auf dem Programm stehen, locken sie zumeist viele Besucher an. Dass dies am Samstag nicht der Fall war, lag nur daran: Die Diakonie Auerbach hatte wegen der Corona-Hygienebestimmungen ausschließlich an Partner des Netzwerkes Inklusion im Vogtland Einladungen verschickt. Wer sich darüber außerhalb des Kreises trotzdem hätte informieren wollen, wäre natürlich nicht abgewiesen worden.

Dass für die Vorstellung des Netzwerkes als Ort gerade das Freiluftmuseum ausgewählt wurde, lag daran: Hier ist Inklusion keine Worthülse, sondern wird mit Leben erfüllt, obwohl das wegen des Denkmalsschutzes der historischen Gebäude gar nicht so einfach ist. Dazu gehört unter anderem eine an für sich selbstverständliche Voraussetzung und Erleichterung wie eine barrierefreie Zufahrt zur Toilette. Das Team um Museumsleiterin Uta Karrer geht seit kurzem einige Schritte weiter, um Menschen mit körperlicher oder geistiger Einschränkung den Besuch der Einrichtung zu einem Erlebnis werden zu lassen: "Schüler des Gymnasiums und des Förderschulzentrums Markneukirchen haben gemeinsam leicht zu lesende und verständliche Texte erstellt, auf denen ausgewählte Aspekte erläutert werden. Beispielsweise zu Tieren und ihre Lebensweise oder wie Landmaschinen funktionieren. Vom Verein Brücke in Plauen wurden dazu entsprechende Tastobjekte gebaut. Dabei soll es aber nicht bleiben. Wir haben vor, dass diese Museumsteile demnächst zusätzlich auch akustisch und filmisch vorgestellt werden."

Das Netzwerk Inklusion im Vogtland konnte vor drei Jahren ins Leben gerufen werden, nicht zuletzt dank 300.000 Euro von der Aktion Mensch. Wie der Leiter Sascha Theile sagte, kann es bis Mai 2022 weiter geknüpft und mit Leben erfüllt werden: Dann wird es Wege geben, um es fortzusetzen." Mit dem Ziel: Nicht nur räumliche Barrieren abbauen, sondern auch solche in den Köpfen. Wissen darüber und Hilfereichung dazu für Eltern, Erzieher, Lehrer und Behörden bietet ein jüngst erschienener "Wegweiser für inklusive Bildung im Vogtland".

Am Samstag wurde in Landwüst darüber hinaus auch vorgestellt und darüber informiert, wie das mittlerweile vogtlandweit rund 100 Partner aus allen Bereichen der Gesellschaft einschließende Netzwerk arbeitet und wirkt. So gab es unter anderem einen Auftritt des Theaterprojektes "Voll-normal" und einer Tanzgruppe. Veröffentlicht wurden Ergebnisse von 80 Barriere-Tests, bei denen Menschen mit Beeinträchtigung Einrichtungen in der Region in puncto Barrierefreiheit kritisch unter die Lupe nahmen.

Über den Samstag hinaus bleibt im Freilichtmuseum Landwüst das wichtige Thema Inklusion auch noch anderweitig aktuell. Bis zum Oktober wird eine Ausstellung von Elisabeth Persch aus Plauen gezeigt. Die 34-Jährige entführt Besucher mit ausdrucksstarker und farbenfreudiger Malerei in ihre Welt der Phantasie und Weltsicht.

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