Furioses Rosenmüller-Konzert und eine verpasste Chance

Musikalisches Ereignis in Oelsnitz: In St. Jakobikirche spielten das Ensemble 1684 zusammen mit der Kantorei, Musikschule sowie Bläsern und Chor des Julius-Mosen-Gymnasiums die Musik des Oelsnitzer Komponisten. Geplant war ursprünglich aber noch viel mehr.

Oelsnitz.

Es war ein Kraftakt, der bewältigt werden musste, um das zweite Festkonzert nach 2017 zu Ehren des Oelsnitzer Komponisten Johann Rosenmüller über die Bühne zu bekommen. Denn das Musikprojekt drohte aus finanziellen Gründen zu scheitern.

Wie Markus Berger, Kulturmanager vom Leipziger Ensemble 1684 berichtet, habe man Fördergelder beim Kulturraum Vogtland/Zwickau beantragt - nicht nur für das Konzert. Geplant war, eine gesamte Projektwoche mit den Profimusikern vom Ensemble und den Schülern des Julius-Mosen-Gymnasiums durchzuführen. Das Konzert am Samstag, in der sehr gut besuchten Jakobikirche, sollte den krönenden Abschluss bilden. Doch aus der Projektwoche wurde nichts. "Letztendlich war der Kulturraum nur bereit, das Konzert zu fördern, aber keine Proben und damit verbundene Projekte", so Berger. Der Kulturmanager und Sänger war deshalb am Samstag nach dem Konzert immer noch stark frustriert. "Am Gymnasium wird so eine tolle Arbeit geleistet. Der Schulchor und die Bläserklassen haben musikalisch grandiose Voraussetzungen geschaffen, an denen es gilt anzuknüpfen. Es lohnt sich, die Barock- und Kirchenmusik den Schülern näherzubringen und tiefer in diese mit ihnen einzutauchen", so Berger. Dabei ginge es auch darum, kulturelle Nachhaltigkeit zu fördern. Insbesondere wenn es sich dabei, wie in diesem Fall, um Werke des bedeutendsten Sohnes der Stadt handelt. Selbst in der Region Wolfenbüttel (Niedersachsen), dem Sterbeort von Johann Rosenmüller, gebe es eine Stiftung, die kulturelle Projekte unterstützt und sich beim Thema Rosenmüller besonders engagiere. Deshalb war die Frustration, ob der mangelnden finanziellen Unterstützung im Vogtland groß. Besonders hier, wo Rosenmüller geboren wurde, würde man sich mehr Engagement von Seiten des Kulturraums wünschen.

Neben den Geldern vom Kulturraum mussten sich die Veranstalter zusätzlich auch um andere finanzielle Unterstützung für das Konzert kümmern. Hier zeigte sich, wie wichtig den Oelsnitzern das musikalische Erbe ihres Komponisten ist und wie groß der Einsatz für die Veranstaltung am Samstag war. Christoph Apitz vom Kirchenvorstand hat sich selbst in die Spur gemacht, um Geld zu sammeln. "Ich war Betteln gewesen", sagte er. Die Stadt selbst war einer der größten Unterstützer und hat 4000 Euro locker gemacht. "Hier müssen wir uns ausdrücklich bei Oberbürgermeister Mario Horn bedanken, der sich dafür eingesetzt hat. Es ist eine beachtliche Summe. Das zeigt den kulturellen Stellenwert, den Rosenmüllers Musik bei den Verantwortlichen im Rathaus hat", sagte Markus Berger.

Auf künstlerischer Seite haben sich die einzelnen Ensemble-Leiter in das Projekt voll reingekniet. Torsten Trommer studierte den Part der Musikschule mit seinen Streichern ein, Alexander Fischer und seine Tochter Marie-Luise waren für den Schulchor verantwortlich, Ralf Fengler für die Bläser des Gymnasiums. Die Kantorei beteiligte sich unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Ronald Gruschwitz. Alle Proben hatten frühzeitig begonnen, nachdem schon im Frühjahr feststand, zum wiederholten Male ein Konzert zu Ehren Johann Rosenmüllers durchführen zu wollen. Mehr als 100 Mitwirkende aller beteiligten Ensembles wurden unter der Gesamtleitung des Leipziger Gewandhaus-Chorleiters Gregor Meyer zusammengefügt. Im Mittelpunkt des Programms standen venezianische Werke Rosenmüllers. Geht es nach den Wünschen aller Beteiligten, soll aus der Veranstaltung eine Tradition werden, sofern es finanziell tragbar sei.

Laut Berger war es das 480. Rosenmüller-Konzert, welches das Ensemble 1684 präsentierte. Die Leipziger Formation widmet sich vorrangig Barockmusik und den Werken Rosenmüllers, mit denen die Musiker deutschlandweit auftreten.

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