Gemeinsam statt einsam: So läuft Tagespflege im Ausnahmezustand

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Tagespflegeeinrichtungen für Senioren sind für viele Menschen eine wichtige Stütze im Alltag. Wie läuft es im Lockdown? Ein Beispiel aus Klingenthal.

Klingenthal.

Am Anfang ist ein Wattestäbchen. Désirée Rothe-Beutner führt es ein, nimmt aus dem Rachen oder der Nase einen Abstrich. Eine Viertelstunde dauert es, dann liegt das Ergebnis des Schnelltestes vor: zwei Striche positiv, ein Strich negativ. Ein Strich muss sein, sonst wird der Zutritt zur Tagespflege verwehrt.

"Wir unterliegen hier wegen Corona strengen Vorschriften, sonst könnten wir die Tagespflege auch nicht realisieren. Wir testen jeden, der zu uns kommt und auch uns selbst dreimal in der Woche", berichtet Désirée Rothe-Beutner, Leiterin der vor viereinhalb Jahren eröffneten Einrichtung der Volkssolidarität Klingenthal/Auerbach.

"Als Corona noch nicht unser Leben bestimmte, waren wir immer ausgebucht", sagt Désirée Rothe-Beutner. Nicht nur sie bedauerte, dass die Einrichtung wegen des Lockdowns im April, Mai und Dezember vergangenen Jahres geschlossen werden musste. "Da hat man besonders gemerkt, wie wichtig wir für die Senioren sind. Wir haben ihnen gefehlt und sie fehlten uns auch. Viele haben gefragt, ob es uns überhaupt noch gibt. Das ist wohl auch ein Grund dafür, dass wir zurzeit noch Plätze frei haben, denn manch einer kommt nicht mehr, weil er Angst hat, sich mit dem Coronavirus anzustecken. Das ist aber wegen des regelmäßigen und kostenlosen Schnelltestes unbegründet. Allein im Januar waren es 75. Bisher hatten wir noch keinen positiven Fall. Alle Mitarbeiter tragen eine Nase-Mund-Maske, und der Sicherheitsabstand wird eingehalten." Laut Désirée Rothe-Beutner trägt die Volkssolidarität die Kosten für die Tests, bekommt aber einen Teil vom Vogtlandkreis rückerstattet.

Die Schließzeit wurde genutzt, um die Küche zu renovieren und neu behindertengerecht einzurichten. Außerdem sind Raumlüfter angeschafft und das Gemeinschaftszimmer umgestaltet worden. Der Name "Goldener Herbst" ist ein Symbol, steht für eine Zeit, in der buntes Laub die Tage verschönert und die Landschaft verändert. Eine Zeit, um Ruhe zu finden. So soll es auch für jene Menschen sein, die in die Tagespflege kommen: das Leben im Alter genießen, nicht allein sein, sich umsorgt fühlen können, sich vom Fahrdienst abholen und wieder nach Hause bringen zu lassen. "Es sind schwierige Zeiten, in denen wir leben, aber wir lassen uns trotz der Einschränkungen von der Corona-Pandemie nicht unterkriegen", bekräftigt Désirée Rothe-Beutner nicht nur für sich. Zum Programm gehören Gesellschaftsspiele, gemeinsames Musizieren, Malen, Lesenachmittage, Spaziergänge, Gedächtnistraining, Basteln, Kochen und Backen im Rahmen der Möglichkeiten und nach Lust und Laune.

Besonders beliebt sind die Hutzn-Nachmittage, der Kaffeeklatsch. Auf dem Tisch steht zum Beispiel Aschkuchen, den sich die Senioren schmecken lassen. Geschichten und Erlebnisse von früher machen die Runde - bestimmt schon etliche Male erzählt, dennoch sorgen sie stets für Schmunzeln. Wie etwa die von einer Seniorin, als sie als kleines Mädchen einen Schokohasen in der Sonne vergaß und dann die Süßigkeit vom Papier abschlecken musste.

Mit der Etablierung der Tagespflege wurde in Klingenthal eine Versorgungslücke zwischen ambulantem Pflegedienst und Seniorenheim geschlossen. Die Nachfrage dafür war gestiegen, weil dadurch Angehörige entlastet werden und die Gäste einen unbeschwerten Tag in der Gemeinschaft erleben. Für die Einrichtung wurden seinerzeit 30.000 Euro in die Hand genommen, sie bietet zwölf Personen Platz. Geschaffen wurden ein Gruppenraum, ein Ruheraum mit kleiner Bibliothek, ein Gymnastikraum, eine Küche und Toiletten. Betreut werden die Senioren von Désirée Rothe-Beutner, ihrer Stellvertreterin Nicole Pätz sowie zwei Wirtschaftskräften.

Die Tagespflege "Goldener Herbst" befindet sich in Klingenthal, Markneukirchener Straße 79. Geöffnet ist Montag bis Freitag 8 bis 16.30 Uhr. Kontakt: 037467 22347 (Büro) oder 0176 43413242 (Désirée Rothe-Beutner).

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