Gettengrün glänzt mit großer Gemeinschaft

Dorfbesuch: In einer Serie widmet sich die "Freie Presse" den kleinen Ortschaften der Region. Heute: Gettengrün. Am Samstag wurde dort Sommerfest gefeiert.

Gettengrün.

Es gibt nicht viele Orte, die einen berühmten "Sohn" wie den Zeichner und Karikaturisten Erich Ohser - bekannt als e.o. plauen - haben und sogar eine eigene Hymne. Gettengrün hat. Wer den Text dafür schrieb und wann, liegt im Dunklen. Unterzeichnet ist er nur mit "BC Onkel". Jürgen Schreiner, Vorsitzender des Dorf- und Heimatvereins, vermutet: "Wahrscheinlich steckt der Bettschoner-Club dahinter. So nannten sich früher die Männer, wenn sie sich zum Frühschoppen trafen statt zu Hause zu bleiben." Dass die Zeilen keine Schnapsidee waren, sondern tiefe Verbundenheit und Stolz nicht nur der Männer zum Ort ausdrückten und bis heute ausdrücken, lässt sich daran ablesen: "Zinnbachtal, Tetterweintal,/ Wandrer finden Ruh nach der Arbeit Plag./Zinnbachtal, Tetterweintal/ich grüße dich viel tausend Mal./Waldumrauschte Höhen laden ein./Schwamme such, oh, wie fein./Wer hier wohnt, der möcht gar nimmer fort./Gettengrün, mein Heimatort."

Gettengrün ist eine Streusiedlung. Was meint: Zwar gibt es eine durchgängige Dorfstraße, aber mehrfach zweigen von ihr nach rechts und links Wege und Straßen zu weiteren Häusern oder Gehöften ab. Da kann es schon passieren, dass sich die rund 170 Einwohner oft nicht häufig sehen und miteinander ins Latschen kommen können. Das Dorffest ist deshalb eine willkommene Gelegenheit. Wie am Samstag, trotz des im Gegensatz zu Vorjahren nicht optimalen Wetters. Bei aller Zerstreutheit ist eines in Gettengrün Trumpf: Gemeinschaft. Viele Hände, komplette Familien rührten sich bei der Vorbereitung und Durchführung, aber einer muss bekanntlich den Hut aufhaben - und das ist der Dorf- und Heimatverein.


Seit er 2003 gegründet wurde, sorgen die anfangs 30 und aktuell 60 Mitglieder für ein reges Leben in Gettengrün. Sie übernahmen quasi das Erbe der Feuerwehr. Jürgen Schreiner, von Anbeginn der Vereinsvorsitzende: "Aber man kann beide nicht voneinander trennen. Wir arbeiten bis heute eng zusammen." Unter anderem wurde die Alte Schule zum dörflichen Begegnungszentrum hergerichtet und auch beim Bau des neuen Gerätehauses packten alle gemeinsam kräftig mit an. In Planung ist, ein Nebengebäude zum großen Teil in Eigeninitiative umzubauen und mit Sanitäreineinrichtungen auszustatten. Zwar ist das Fest im Sommer der jährliche Höhepunkt, aber auch in den anderen Monaten legen die Mitglieder des Vereins nicht die Hände in den Schoß: Besenbrennen, Himmelfahrt, Kinderfest, Herbstfest, Seniorenweihnachtsfeier und anderes - da kommt stets Stimmung auf.

Das Sommerfest: Es begann am Vormittag nicht - abgesehen von Regenschauern - mit einem gemächlichen Dahinplätschern, sondern unter Volldampf. Und das im wahrsten Sinne des Wortes: Rund zwei Dutzend Bulldog, Pionier, Farmer, Famulus, Deutz, Hanomag oder andere "Stahlbrüder" kamen auf die Wiese gerollt und reihten sich zu einer Parade von Oldtimer-Traktoren auf. Massenandrang herrschte in Gettengrün auch am Nachmittag, als die Hits der Traktoren von Blasmusik-Hits abgelöst wurden. Im Festzelt ließen die Adorfer Blasmusikanten, die Straßberger Musikanten und das Handwerker-Blasorchester Migma das Thermometer zumindest ein wenig ansteigen. Natürlich durfte auch ein Auftritt des Gettengrüner Chores nicht fehlen. 2003 wurde er von Siegfried Lenk gegründet, später von Lothar Rank und seit letztem Jahr vom Mittzwanziger Pascal Fläschendräger geleitet. Immer wieder ist es eine Freude, den Männern und Frauen zu lauschen . Zwar fehlte am Samstag die Gettengrün-Hymne im Programm, aber auch mit "Vogtlandheimat" oder "Eine Seefahrt die ist lustig" bewies die Gesangsgemeinschaft, was sie auf dem Kasten hat. Motto des Tages: "Ob Jung, ob Alt, ob Klein, ob Groß - hier ist für alle etwas los!". Während die ältere und mittlere Generation sich im Festzelt unterhalten ließ, tummelte sich der Nachwuchs im Kinderparadies: Hüpfburg, Basteltisch, oder "Hau den Lukas". Den Schlusspunkt setzte die Kapelle Karo.

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