Gitarrenbau: Gewichtiges Werk schließt eine Forschungslücke

Nach 15 Jahren Arbeit ist eine Dokumentation über Gitarrenbauer in Sachsen und Thüringen bis 1850 fertig. Ihr Autor ist Professor an der Fachhochschule in Markneukirchen.

Markneukirchen.

Eine Punktlandung zum 30. Geburtstag: Der Studiengang Musikinstrumentenbau in der Villa Merz Markneukirchen hat das dritte Jahrzehnt vollgemacht, und pünktlich dazu erscheint eine Forschungsarbeit, die es in sich hat. Und das nicht nur, weil das Buch exakt 1957 Gramm auf die Waage bringt. Die Dokumentation über "Gitarren in Sachsen und Thüringen bis 1850" ist die Frucht eines seit 2003 laufenden Projekts von Studiengang und Musicon Valley. Im Internet war der Fortgang dieser Forschungen seit Jahren schon zu verfolgen. Nun liegt das Ergebnis durch Autor Andreas Michel, Professor für Musikinstrumentenkunde und Musikgeschichte in Markneukirchen und Leiter des Studiengangs, auch in gedruckter Form vor.

Das Werk beeindruckt einerseits durch Illustration und Druckqualität, zum anderen durch eine Unmenge an Details über ein Forschungsfeld, das besonders schwierig zu beackern war. "Es gab bisher keine Publikation zu dem Thema", betont Michel daher auch - und er nimmt den Mund nicht zu voll. Liegen speziell zum Geigenbau ältere und neuere Standardwerke vor - neben den oft zitierten von Lütgendorff oder Jalovec für die Region vor allem von dem Markneukirchner Bernhard Zoebisch - bildete der Gitarrenbau demgegenüber vor allem für die ältere Zeit einen weißen Fleck. Konnte in jüngerer Zeit vor allem über Richard Jacob Weißgerber (1877 bis 1960), den Markneukirchner Gitarrenbauer des 20. Jahrhunderts von Weltgeltung, wichtiges publiziert werden, so wird nun deutlich, wie verbreitet der Gitarrenbau in der Region auch schon im Jahrhundert zuvor war. Der Untertitel "Quellen, Dokumentationen, Kommentare" für "Gitarren in Sachsen und Thüringen bis 1850" (468 Seiten, 48,80 Euro) ist nur zu berechtigt: Denn das Buch beschreibt detailliert einzelne Instrumente aus verschiedenen Sammlungen, aber auch die Aussagen zum Gitarrenbau aus der Literatur des 19. Jahrhunderts, versehen mit einer Einordnung nach dem heutigen Stand der Forschung. Damit gibt es einen Einblick in die Arbeit von bedeutenden Vertretern der Zunft wie den Thüringer Meister Jacob August Otto oder Christian Friedrich Goram aus Untersachsenberg, der laut Michel "zu den besten Meistern des vogtländischen Gitarrenbaus vor 1850" gezählt werden darf. Ein elementarer Teil des neuen Buches und eine Fundgrube für viele Forscher ist ein alphabetisches Verzeichnis von Gitarrenbauern in Sachsen und Thüringen bis 1850 - es sind mehr als 200 Biografien.

Das Festkonzert zum 30-jährigen Bestehen des Studiengangs Musikinstrumentenbau findet heute, 19 Uhr in der Villa Merz, Adorfer Straße 38, in Markneukirchen statt. Es musizieren Marianne Rônez (Barockgeige) und Ernst Kubitschek (Cembalo). Eintritt: 10 Euro.

www.studia-instrumentorum.de

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