Im Sägewerk mit Seele gibt's was auf die Ohren

Im Vogtland existieren spannende Orte, über die in Führungen Bemerkenswertes erzählt wird - die "Freie Presse" nimmt ihre Leser mit auf Entdeckungstour. Heute: Das historische Sägewerk in Markneukirchen.

Markneukirchen.

Ginge es wie in diesem Fall nicht um Holz, dann wäre die Bezeichnung "Urgestein" durchaus angebracht, zumal sie auf Christian Kollmus auch zutrifft. Wie kaum ein anderer kennt er sich aus im Sägewerk Markneukirchen, denn von 1985 bis 1991 war der 73-Jährige dort Vorarbeiter.

Er ist in seinem Element, wenn er den Riesenfuchsschwanz einschaltet, der in gleichförmigen Bewegungen bis zu einem Meter dicke Baumstämme zerteilt, wenn er die Trenngattersäge das Holz vierteln lässt, am Ende der Sägestrecke minimal anderthalb Millimeter schwaches Furnierholz für den Instrumentenbau und zu Demonstrationszwecken geschnitten wird. Sein Rat an Besucher: Wer empfindliche Ohren hat, halte sie sich besser zu. Denn die Transmissionen und Maschinen machen einen Heidenlärm, wenn die Späne fliegen. "Stellt euch mal vor, unter welchen Bedingungen die Leute hier gearbeitet haben." Christian Kollmus blüht förmlich auf, wenn er regelmäßig mit der Ölkanne zu den Maschinen läuft, um sie zu schmieren, damit sie auch noch nach weit über 100 Jahren flutschen, als seien sie fabrikneu.

Es sind nicht nur die technischen Grob- und Feinheiten des Sägewerkes, von denen Christian Kollmus bei einem Rundgang zu erzählen weiß. Er kennt sich mit allem aus, beispielsweise aus welchen Teilen ein Streichinstrument besteht, welches Holz für ein bestimmtes Bestandteil gebraucht wird und wie lange es abgelagert sein muss, bevor es verarbeitet werden kann. Bei "Meister Sägewerk" erfahren Besucher darüber hinaus in einem Schnellkurs viel Interessantes zur 350-jährigen Geschichte des Musikinstrumentenbaus in Markneukirchen und Umgebung, über die Rolle der Heimarbeiter und der Händler, auch "Fortschicker" genannt.

Im Mittelpunkt eines Rundgangs steht aber das Sägewerk. Es hat eine bewegte Geschichte. In einer Dampflohmühle waren hier schon vor 1878 die pflanzlichen Gerbemittel zerkleinert worden. Seit 1884 diente der von Carl August Schuster errichtete Teil des Gerber-Hans-Hauses als Sägewerk und Holzhandlung. Gesägt wurde hier in ungewöhnlichen Dimensionen. Christian Kollmus berichtet: "Hier entstanden neben Griffbrettern, Bestandteilen und Zubehör für Streich- und Zupfinstrumente bereits um das Jahr 1900 hauchdünne, anderthalb Millimeter starke Furniere aus Ahorn, Fichte, Ebenholz, Palisander und Mahagoni. Das Sägewerk hat bis zum Ende der DDR nahezu unverändert gearbeitet." Da eine Übernahme durch die Tochter nicht genehmigt wurde, hatte es der letzte Besitzer Erich Schuster bis zu seinem Tode im Alter von 87 Jahren betrieben. Christian Kollmus: "Danach waren der VEB Sinfonia, der VEB Blechblas- und Signalinstrumentenfabrik und schließlich 1985 die Musima gefolgt. 1991 kam mit der Einstellung der Produktion das Aus."

Allerdings war das nicht das Ende des Sägewerkes. Dem Heimatverein Markneukirchen und vor allem seinem Vorsitzenden Gerhard Kraubmann war es zu verdanken, dass es gelang, Furniersägen, Fuchsschwanz, Trenngatter samt der historischen, von Riemen getrieben Transmission im Jahr mehrfach laufen zu lassen. Und ein lange gehegter Wunsch ging in Erfüllung: Das Sägewerk wurde umfangreich saniert und rekonstruiert. Ohne Mittel und Unterstützung der Stadt Markneukirchen, ohne Fördermittel des Freistaates, ohne die finanzielle Hilfe der Deutschen Stiftung Denkmalschutz durch eine Spende der Hamburger "Engelbert und Hertha- Albers-Stiftung" und anderer Sponsoren wäre es nicht möglich gewesen, dass seit 2010 regelmäßige Schauvorführungen stattfinden.


Was man vor einer Führung durch das Sägewerk wissen sollte

Wann? Führungen gibt's monatlich an zwei Samstagen und einem Mittwoch, jeweils um 13.30 Uhr. Im Juli am 14. und 28., im August am 8., 18. und 26., weitere Termine können im Tourismusbüro erfragt werden. Gruppenführungen ab 10 Personen sind nach Voranmeldung (mindestens 48 Stunden vorher) auch täglich möglich.

Wie? Anmeldung und Ticketkauf erfolgen im Tourismusbüro gegenüber dem historischen Sägewerk. Es gibt keine Altersbeschränkung. Eine Führung dauert etwa 1,5 Stunden.

Kosten? Erwachsene 3 Euro, Kinder ab 6 Jahre und Studenten 2 Euro. Schulklassen einschließlich Lehrer und Begleitpersonen 2 Euro. Teilnehmer mit Sozialpass der Stadt Markneukirchen haben freien Eintritt.

Kontakt? Standort Trobitzschen 14, Telefon 037422 40775 oder E-Mail:

tourismusbuero@markneukirchen.de

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