Keil gibt Mühlentaler Räten einen Korb

Der Landrat lehnt ebenso wie Kommunalaufsicht und Schulbehörde ab, dass die Gemeinde die Schul-Ehe mit Eichigt aufkündigt. Das sorgt für Ärger.

Mühlental.

Landrat Rolf Keil (CDU) hat sich persönlich mit dem Wunsch aus Mühlental beschäftigt, dass künftig ein Teil der Kinder die Grundschule Schöneck statt wie bisher die Eichigter besucht. Wie die Pressestelle des Kreises auf Anfrage mitteilte, hat er sich Anfang August des Themas angenommen. Das Ergebnis war ein Nein des Kreises zum Beschluss der Ratsmehrheit, die seit 20 Jahren bestehende Schulvereinbarung mit Eichigt zu kündigen.

Diesen Beschluss hatte der Rat Ende Mai gefasst und so auf eine Aktion mit mehr als 140 Unterschriften pro Schule Schöneck reagiert. Diese hatte Mandy Baumgärtel aus Marieney gestartet, nachdem die Schulbehörde im Vorjahr Eltern verwehrte, ihre Kinder per Ausnahme nach Schöneck zu schicken. Knirpse aus fünf Orten nach Eichigt, aus fünf anderen nach Schöneck, so stellte sich Mühlentals Ratsmehrheit die Zukunft vor. Der Kreis geht da nicht mit. Die Schul-Ehe mit Eichigt zu kündigen, gefährde den Schulstandort in Eichigt, schätzte er ein. Dazu habe der Kreis die Individualinteressen der Eltern aus Mühlental mit dem allgemeinen Interesse der Bürger von Eichigt, Triebel und Mühlental am Erhalt der Grundschule Eichigt abgewogen. Ergebnis: Nein zu Mühlentals Ratsbeschluss.

Das nehmen die Abgeordneten aber nicht hin. Per einstimmigem Beschluss erteilten sie dem Kreis eine Abfuhr und kamen überein, einen Fachanwalt mit der Sache zu betrauen. "Wir sollen 140 Unterschriften in die Tonne treten. Wieder ist es das Landratsamt, das einen Beschluss des Gemeinderates für absurd erklärt", erregte sich Thomas Baumgärtel (CDU) mit Hinweis auf Debatten über ein Ratsmandat - und er sieht im vorläufigen Bescheid des Kreises genug "Munition" für einen Widerspruch. Einen "Formfehler" erkennt Kai Peter im Einschalten des Landesamtes für Schule und Bildung in das Verfahren. Mit der Antwort des Kreises hadert er. "Hier fühle ich mich als Gemeinderat verarscht. Die Meinung eines Großteils der Bürger wird mit Füßen getreten", empörte sich der Abgeordnete. Vier der sechs Mühlentaler Schulanfänger 2019 wollen nach Schöneck gehen, teilte Mandy Baumgärtel mit.

Die Schulbehörde ist formell in der Sache Mühlental nicht tätig geworden, betont Sprecher Arndt Schubert. "Das hat mit der Änderung des Schulgesetzes am 1. August nichts zu tun", erklärt er. Als Fachaufsicht sei man im Zuge der Meinungsbildung durch das Landratsamt verwaltungsintern befragt worden. "Der Wunsch der Eltern ist ein nachvollziehbarer Grund für einzelne. Aber wir müssen das Gemeinwohl im Blick haben. Was passiert, wenn das so eintritt? Es können möglicherweise andere Schulen das Nachsehen haben", sagt Schubert.


Kommentar: Nicht bisvor Gericht

Dass Mühlentaler Eltern ihre Kinder voriges Jahr nicht in die Schule schicken durften, in die sie wollten, ist nicht das Ergebnis der Schul-Ehe mit Eichigt. Es ist eher die Folge einer gerade auf dem Land alles andere als vorbildlichen, CDU-geführten Schulpolitik, in deren Ergebnis Lehrer fehlen. Es deshalb in Mühlental zum Schulsprengel auf einen Rechtsstreit mit dem Vogtlandkreis vor Gericht ankommen zu lassen, wäre aus meiner Sicht der falsche Schritt. Ein monatelange Gezerre auf dem Rücken der Kinder kann keiner wollen.

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