Kirmes-Stück politisch wie nie

Bei der Kirmes in Schöneck wurde gestern die Tragikomödie "Die weiße Fahne über Schöneck" aufgeführt. Ein Stück zum Lachen und zum Zusammenzucken - weil es darin ums Heute geht.

Schöneck.

Bei den bisherigen 16 Theaterstücken, die Ralf Edler geschrieben hat, nahm er nie ein Blatt vor den Mund. Trotz der historischen Bezüge zur Schönecker Stadtgeschichte ließ er immer vor allem lokalpolitische Kuriositäten und Widersinnigkeiten in die Handlung und Dialoge einfließen. Vielleicht ausgenommen die Querschläger in Richtung der Nachbarn in Klingenthal und Markneukirchen, sorgte das stets für Schenkelkopfen und Erheiterung des Publikums mit einem kräftigen Schuss Schadenfreude auch für die Schönecker Stadtoberen. Diesmal allerdings tippte er das nur stellenweise an. Beispielsweise, wenn zur Sprache kam, dass Bürgermeisterin Isa Suplie in den Vorstand der Vogtland-Arena zu gehen beabsichtigt, wohl mit dem Hintergedanken, die Klingenthaler eingemeinden zu wollen, die auch nicht besser sind als Mühlentaler. Oder dass das "Schützenhaus" nicht mehr zu haben ist, weil der Gläß schon drin ist. Oder dass es zur Kirmes kein Freibier gibt, weil schließlich keine Wahlen anstehen.

Trotzdem strotzte "Die weiße Fahne über Schöneck" in anderer Hinsicht doch nur so vor Lokalkolorit und trotz Ernsthaftigkeit vor Humor. Ralf Edler ließ das Heute in das Gestern von Schöneck einfließen. 1805 marschierte Napoleon durch Europa, hinterließ eine Blutspur, es kam zu Flüchtlingsströmen von Hugenotten - auch nach Schöneck. Wie umgehen mit ihnen - ein Strang in dem Stück. Ralf Edler verriet: "Wir haben lange überlegt, ob wir das in dieser Form umsetzen können und haben uns dann dazu entschlossen. Auch mir persönlich war das ein sehr wichtiges Anliegen, für Schöneck." Ralf Edler als Autor hat sich damit sehr weit aus dem Fenster gelehnt, die Problematik Flüchtlinge zur Sprache zu bringen, die das Gemeinwesen in Deutschland in den letzten Jahren, Monaten, Wochen und ganz aktuell Tagen doch so gespalten hat. Ein gewagter Spagat, gerade weil Textsequenzen wie "Wollt ihr den totalen Krieg?", "Der Kurfürst von Sachsen ist eine Weichpflaume" oder die vermeintliche Notwendigkeit von einem "Ankerzentrum in Plauen" grenzwertig waren und das Lachen nur wenige Sätze zuvor im Halse stecken ließen. Die Theatermacher forderten damit zum Nachdenken auf. Dafür gebührt ihnen Anerkennung.

Am Ende gab es viel Beifall für die Mitwirkenden, von denen jeder 40 Stunden ihrer Freizeit für die Proben gerne opferten. Beifall auch für die Saaliger Gitarrenmädels, die erstmals bei einer Aufführung der Theatergruppe Schöneck auftraten und das mit Bravour meisterten.

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