Klingenthal: Der Kantor als Schwimmmeister

Matthias Sandner spielt nicht nur Orgel. An Wochenenden schiebt er Dienst im Dürrenbach-Freibad. Wie er zu diesem Ehrenamt gekommen ist.

Klingenthal.

Doch, doch, er ist es tatsächlich, auch wenn mancher auf den ersten Blick stutzt und sich die Augen reibt: Matthias Sandner, der Kantor, steht am Beckenrand. Ganz anders, als man ihn gemeinhin kennt als Gottesdiener: statt im schwarzen Festanzug bekleidet mit weißem T-Shirt und roter Kniehose, dazu barfuß oder in Schlappen. "Sie hätte ich hier nicht erwartet. Was machen Sie denn hier? Haben Sie als Kantor aufgehört?" - solche und ähnliche verwunderte Reaktionen kennt Matthias Sandner zur Genüge. Dann lächelt er und klärt auf: "Ich bin der Schwimmmeister. Das ist doch nicht ungewöhnlich!"

Doch, ein wenig schon, denn der Kantor kümmert sich schließlich nicht in der Kirche oder im Gemeindehaus um seine "Schäfchen", sondern im Freibad Dürrenbach. Warum? "Ich bin seit 1999 Mitglied in der Wasserwacht, seit dem letzten Jahr in der von Klingenthal. Deshalb habe ich alle zwei Wochenenden im Monat an einem Tag Dienst. Der Wasserwacht bin ich damals beigetreten, weil wir mit Kindergruppen im Bad Brunn zum Baden gehen konnten. Es musste jemand dabei sein, der sie betreut. Also habe ich gleichzeitig die Prüfung als Rettungsschwimmer abgelegt." Immer nach Brunn ins Bad zu fahren, das wurde Matthias Sandner aber zeitlich zu viel. Deshalb entschloss er sich, die Wasserwacht in Klingenthal zu verstärken.


Zwar könnte der Schwimmmeister-Kantor kleinen Wasserratten die Seepferdchen-Prüfung abnehmen, er selbst jedoch hatte als Kind solch ein Zertifikat nicht. "Ich bin an der Zschopau aufgewachsen, da lernt man das Schwimmen von ganz allein. Man konnte das einfach. Bei mir war es mit fünf Jahren." Dafür muss er jetzt regelmäßig eine Prüfung ablegen: alle zwei Jahre zur Wiederholung als Rettungsschwimmer und jedes Jahr für das DRK.

Für Matthias Sandner ist das nicht nur eine Pflicht, sondern eine Notwendigkeit, die er gerne in Kauf nimmt, denn: "Ich arbeite zweimal im Monat gerne hier im Freibad. Nach der Sanierung ist es doch wunderschön geworden und wenn das Wetter danach ist, dann herrscht Hochbetrieb." Man kann sich also noch bis zum Saisonende daran gewöhnen, dass der Kantor weißes T-Shirt und rote Kniehosen trägt, dazu barfuß oder in Schlappen ein waches Auge hat, damit im Wasser und am Beckenrand alles seine Ordnung hat, niemand zu übermütig mit A...bomben abtaucht. Matthias Sandner: "Ernsthafte Probleme hatte ich bisher noch nicht und musste auch keine klären. Ich finde es gut, für andere Verantwortung zu übernehmen. Und es ist doch auch schön, dass ich mal anders als der Kantor erlebt werde."

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