Klöpplerinnen hören auf

Nach 40 Jahren ist für die Frauen aus Oelsnitz und Umgebung am Jahresende Schluss - ein Abschied mit sehr gemischten Gefühlen.

Oelsnitz.

Die Finger von Christa Richter fliegen fast über den Klöppelsack. Sechs Paar ungewohnt kleine Klöppel in der Hand, dazu die Arbeit erklärend, zugleich Fragen beantwortend. Ein Bild, das es so zumindest öffentlich nicht mehr geben wird: Nach 40 Jahren macht die Klöppelgruppe Oelsnitz Ende 2019 Schluss. "Es fällt mir sauschwer", sagt Gruppenchefin Christa Richter.

Sauschwer. Dass das dreifach gilt, weiß die 85-jährige Oelsnitzerin, die 1938 in ihrer erzgebirgischen Heimat mit dem Klöppeln begann. Sauschwer, weil es die Gesundheit ist, die anraten lässt, kürzer zu treten als wie bisher zwei dutzend Mal im Jahr Gleichgesinnte um sich zu scharen. Aber auch sauschwer, weil damit das wegfällt, was die Frauen besonders schätzten: Schauen, was jede daheim für Kunstwerke gefertigt hat, sich Tipps geben, Anregungen holen oder sich einfach nur freuen, weil sich alle in gemütlicher Runde wiedersehen. Dass mit Christa Richters Entscheidung, aufzuhören, sich keine neue Leiterin findet, war keine Überraschung. Denn sauschwer ist noch etwas Drittes: "Viele können klöppeln, aber sie können es nicht weitergeben. Aber du musst es erklären können", erzählt die Oelsnitzerin, worauf es ankommt. Es fand sich keine, die die Aufgabe der Leiterin von ihr übernehmen wollte.

In der DDR gab es zeitweise drei Klöppelzirkel in Oelsnitz. Derzeit ist es ein Dutzend Frauen zwischen 56 und 85, das sich 14-tägig im Zoephelschen Haus trifft. Die Weihnachtsfeier am 4. Dezember ist das Finale der Gruppe der Frauen aus Oelsnitz, Plauen oder Bösenbrunn. Was sagen sie dazu? "Es ist traurig. Wir können das aber auch verstehen und akzeptieren es", heißt es unisono. Nach vielen harmonischen Jahren - "bei Streit hätte ich das auch nicht ausgehalten" - soll kein Trauermarsch die Abschiedsmelodie sein, so Christa Richter. "Wenn jemand nicht weiter weiß, weiß doch jeder, wo ich wohne. Und wir können uns ja trotzdem im Sommer mal treffen."

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