Landwirte leeren Sack voller Probleme aus

Wahlen 2019 Bauern sehen sich als Sündenbock, an allen Umweltproblemen sollen sie schuld sein. Von Agrarpolitikern wollten sie jetzt wissen, was sie nach der Wahl zu erwarten haben.

Theuma.

Gleich einen ganzen Sack voller Probleme schütteten Landwirte am Montag während einer Diskussionsrunde mit Agrarpolitikern von fünf Parteien aus. Die Interessengemeinschaft Heimat braucht Bauern und der Verband Deutscher Milcherzeugern hatten in die Agrargenossenschaft Theuma eingeladen, damit sich die Landwirte und Bürger vor der Landtagswahl über die Ziele der Politiker von CDU, Linke, SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP informieren, um eine Wahlentscheidung treffen zu können, so das erklärte Ziel der Veranstaltung. Die AfD war nicht eingeladen.

Das Freihandelsabkommen mit Südamerika brachte die Landwirte auf die Palme. Sie befürchten Preisverfall durch billiges Importfleisch, das in Ländern ohne Düngemittelverordnung, ohne Verzicht auf genmanipuliertes Futter und ohne Antibiotika- und Tierwohl-Diskussion erzeugt wird. Beim Thema Tierwohl und Umweltauflagen fragte Landwirt Gerald Seitz aus Treuen: "Wer soll das bezahlen?" Landwirte seien durchaus bereit, Forderungen der Gesellschaft zu erfüllen, aber: "Wir können diesen Forderungen nicht aus eigener Kraft nachkommen." Antonia Mertsching (Die Linke) lieferte eine klare Antwort: "Die öffentliche Hand soll dabei helfen." Wolfram Günther (Bündnis 90/Die Grünen) würde gern an den Stellschrauben Lebensmittelpreise und höheres Einkommen der Landwirte drehen, denn Fördermittel bekäme die Landwirtschaft schon sehr viele.


Friedhelm Taubert aus Obermylau warf der Politik vor, die Landwirtschaft für die Autoindustrie zu opfern. Thomas Kunz (FDP) hatte mit seinen Argumenten, dass Deutschland ein Exportland sei und man den Handel nicht regulieren könne, einen schweren Stand. An dieser und anderen Diskussionspunkten, die sich um zu geringe Lebensmittelpreise drehten, forderte Günther: "Transportkosten müssen einen Einfluss auf den Preis haben."

Der Grünen-Politiker redete sich im Laufe des Abends in Rage, als er das Wort Ackergift in den Mund nahm und ihm der Chor der Zuhörer belehrte, dass Pflanzenschutzmittel die richtige Bezeichnung sei. "Ein Insektizid ist für Insekten giftig und ein Herbizid ist für Pflanzen giftig. Wenn es nicht giftig ist, können sie doch einen Becher davon trinken", hielt er an seiner Wortwahl fest. Er forderte die Landwirte auf, die Probleme nicht zu verneinen, sondern anzupacken. Manfred Uhlemann, Hauptgeschäftsführer des Landesbauernverbandes, wehrte sich: "Die Landwirtschaft für alles verantwortlich machen, ist zu kurz. Erst waren wir am Bienensterben schuld, bis wir vorgerechnet haben, dass die Anzahl der Völker zugenommen hat". Es gebe nicht nur die eine wissenschaftliche Studie, sondern verschiedene Sichtweisen.

Offenbar völlig entspannt lief der Abend für den CDU-Mann Andreas Heinz. "Wir sind eher die Bremser, wenn es um immer mehr Forderungen zum Tierwohl geht", sah er sich auf der Seite der Bauern. Auch setze er sich für den Stopp des immensen Flächenverbrauchs durch Bau- und Ausgleichsmaßnahmen ein. Die höhere Förderung der Schafhalter im Zuge des Wolfsschutzes führte er gleich noch mit ins Feld. Einen schwierigen Stand hatte Juliane Pfeil-Zabel von der SPD, deren Fachgebiet Familie und Soziales ist und die als Stellvertreterin gekommen war. Sie hielt ein Plädoyer für den Wolf, der den Wildbestand reguliere. Kein gutes Thema bei Landwirten, die ihr Eigentum in Gefahr sehen und sich mehrheitlich keine Koexistenz von Wölfen und Weidetierhaltung vorstellen können.

"Das Ziel, meine Wahlentscheidung zu erleichtern, ist für mich nur teilweise erreicht. Wichtig war mir vor allem der Austausch und zu hören, wie Politiker denken", sagte Landwirt Gerald Seitz nach drei Stunden Diskussion.

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