Maisfelder gleichen Kraterlandschaften

Metertiefe Gräben sind die Hinterlassenschaften der Unwetter. Keine Versicherung kommt für diese Schäden auf. Das Befahren der Felder mit Erntefahrzeugen ist nicht einfach.

Markneukirchen/Eichigt.

Die Starkniederschläge vom Frühsommer mit bis zu 200 Litern pro Quadratmeter an einem Tag sind Geschichte. Die Folgen indes beschäftigen die Landwirte im oberen Vogtland noch heute. Besonders die Maisfelder waren betroffen. Der viele Regen spülte den Mutterboden einfach weg. Die Pflanzen waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht weit genug entwickelt, um mit ihrem Wurzelsystem den Boden vor Abschwemmungen schützen zu können. Mais ist eine späte Kultur.

Betroffen von den Ausspülungen auf dem Acker waren unter anderem die Gegenden um Markneu- kirchen, Oberhermsgrün, Ebersbach, Schönlind und Bad Brambach. In Nähe des Kurortes schwemmte es Erdreich auch auf Grünlandflächen, berichtet Michael Kilian, der Geschäftsführer der Agro Dienst Marktfrucht GmbH.

Drei Starkniederschläge mit Abschwemmungen suchten die Gegend um Markneukirchen heim. Kilian kennt die Daten aus dem Kopf: "Das erste Mal regnete es so stark am 24. Mai, dann genau eine Woche später. Das war ein Donnerstag. In 90 Minuten kamen da 65 Liter pro Quadratmeter runter. Das dritte große Unwetter folgte dann am 8. Juni."

Gleich beim ersten Mal, Ende Mai, schoss das Wasser den Neun- eichenweg hinunter. Auch das benachbarte Maisfeld war ein einziger reißender Strom. Es spülte metertiefe Gräben ins Feld. Was die Flut mitgenommen hatte, lag später als Schlamm und Geröll teilweise auf dem Betriebsgelände der Agro Dienst Marktfrucht GmbH Markneukirchen. "Unsere erst 2016 neu gebaute Halle war voll Schlamm und Geröll. Wir mussten die Halle ausräumen und den Schlamm rausschieben. Was sich unten am Fuße des Hanges angesammelt hatte, schafften wir wieder rauf", hat Michael Kilian die Bilder noch gut vor Augen. Kaum waren die Arbeiten so recht und schlecht abgeschlossen, kam das nächste Unwetter, mit den gleichen Folgen. Alles wieder auf Anfang: Halle beräumen, Geröll und Erde wieder dorthin, wo sie herkamen. Die Arbeit hätten sich die Landwirte sparen können. Das wussten sie zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht. Ein paar Tage vergingen und es bot sich den Mitarbeitern ein ähnliches Bild. "Ein drittes Mal haben wir den Schlamm nicht wieder raufgeschafft. Der bleibt jetzt liegen bis zum Herbst. Wer weiß, was noch alles passiert", ist Geschäftsführer Kilian erst einmal von den Launen der Natur bedient.

Die Wassermassen hatten zudem den Asphalt auf der Zufahrt zum Betriebsgelände unterspült und einen Meter hoch angehoben. Als nach kurzer Zeit das Wasser abgeflossen war, sackte die Schwarzdecke wieder zusammen, schwer beschädigt. Ein Teil der Straße ist bis heute mit Warnbaken markiert.

Einen Baum hatte der Blitz in zwei Hälften geteilt. Ihn musste Kilian fällen lassen. In die Elektrik des Betriebes hatte ebenfalls der Blitz eingeschlagen.

Während für solche Schäden die Versicherung aufkommt, bleiben die Markneukirchner und andere Landwirte auf den Schäden auf dem Feld sitzen. "Das ist höhere Gewalt. Da hilft einem niemand", ist auch Mario Vogt, der im Hofgut Eichigt, einem Bio-Betrieb, mit für den Feldbau verantwortlich ist, immer noch frustriert. "Wochenlang waren wir damit beschäftigt, den Mutterboden wieder zurück aufs Feld zu schaffen. Wir mussten die geschädigten Privatgrundstücke aufräumen", berichtet der Landwirt. Die Schäden auf den Feldern seien immens. "Es hat die gesamte Entwässerung zerstört, die Drainagerohre herausgerissen. Das müssen wir im Herbst alles wieder herstellen", blickt Vogt voraus. Etwa 200 Hektar des Betriebes bekamen die Unwetter zu spüren. "Von außen sieht man die Schäden gar nicht. Der verbliebene Mais ist inzwischen hochgewachsen. Drinnen in den Feldern sind metertiefe Gräben. Wie wir dort mit dem Häcksler reinfahren und ernten sollen, weiß ich noch nicht", berichtet Vogt über die noch längst nicht ausgestandenen Spätfolgen der Unwetter.

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3Kommentare
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    0
    SaschE
    13.08.2018

    Vielleicht muss mal grundsätzlich über den Maisanbau in Hanglagen nachgedacht werden. Auch kleinere Parzellen in Verbindung mit Grün- oder Heckenstreifen, intelligent angelegt, wären eine Möglichkeit. Das geht woanders auch. Wir werden die Probleme mit den Maisfeldern absehbar wohl immer wieder haben.

  • 3
    2
    voigtsberger
    06.08.2018

    Am Ende ist es doch die veränderten Bodenbearbeitungsmethoden und der Monoanbau von Feldfrüchten und nun wird nach finanziellen Hilfen gerufen, um die fehlenden Futtermittel zu zukaufen. Aber wozu werden die Monokulturen meist angebaut, zur Gewinnung von Energie aus Biomasse und das bringt richtig Geld, mit geringeren Arbeitsaufwand und am Ende einer Wetterkapriole fehlt es dann am Futter und an der Ernte von Feldfrüchten für die Lebensmittelindustrie!
    Ohne Umdenken in der LW und in der Politik, werden wir immer wieder in solche misslichen Lagen kommen, ob es regnet oder die Sonne scheint. Da hilft nur die Rückbesinnung auf Mischkulturen und regionale Anbaumethoden und deren Feldfrüchte!

  • 5
    2
    mariog
    05.08.2018

    Zu meiner Kinder- und Jugendzeit wurden die Felder noch nicht mit Unkrautmitteln besprüht. Dadurch gab es am Boden immer einen leichten grünen "Filz", der meist die Wassertropfen abfing und verteilte. Aber heute muss ja für die halbe Welt in Deutschland produziert werden, Futtermittel und auch Schlachtvieh, auf Teufel komm raus. Und dann reden uns noch welche ein, das wir weniger Fleisch essen sollen.



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