Mühlentals Bürgermeister Kracke erklärt seinen Rücktritt

Das ehrenamtliche Gemeindeoberhaupt will zum 15. November sein Amt niederlegen. Was wird nun mit dem drei Tage später geplanten Bürgerentscheid zum Abwahlverfahren?

Mühlental.

Paukenschlag gestern Abend im Bürgerhaus Marieney: Mühlentals ehrenamtlicher Bürgermeister Andreas Kracke (Mühlentalfreunde) hat zu Beginn der öffentlichen Ratssitzung seinen Rücktritt erklärt. Der Oberwürschnitzer teilte den Abgeordneten, Einwohnern und Gästen mit, dass er zuvor "einen Antrag auf Entlassung aus dem Ehrenwahlbeamtenverhältnis... bei der zuständigen Stelle zum 15. November gestellt" habe. Kracke geht davon aus, dass diesem Antrag entsprochen wird. Damit könne der am 18. November geplante Bürgerentscheid über das vom Gemeinderat beschlossene Abwahlverfahren gegen ihn ausfallen, meinte er.

Diese Erklärung des seit 2015 amtierenden ehrenamtlichen Bürgermeisters überraschte die Anwesenden sichtlich. Kracke kündigte an, sofort alle Amtsgeschäfte an seinen Stellvertreter Karli Staer (Wählervereinigung Tirschendorf) abgeben zu wollen - per Übergabe im Nebenraum und folgender "großer" Übergabe nächste Woche. Doch so gehe es nicht, erklärte Silke Zimmer, die Ordnungsamtschefin der Stadtverwaltung Schöneck. Der Rücktritt sei zwar erklärt. "Inwieweit er zum 15. November wirksam wird, würde ich heute ausklammern", sagte sie. Auch was mit dem Bürgerentscheid am 18. November werde, könne aus ihrer Sicht nicht sofort geklärt werden. Möglicherweise muss der Gemeinderat am 9. November zu einer Sondersitzung zusammenkommen.

Die Ratssitzung gestern ging ohne Kracke unter der Leitung von Staer weiter - Kracke packte seine Sachen, verabschiedete sich und ging. Er habe aus gesundheitlichen Gründen den Saal verlassen, teilte Karli Staer zur Erklärung mit. "Das habe ich jetzt nicht erwartet. Darauf war ich auch nicht vorbereitet. Wir müssen nun schauen, wie wir jetzt zu Rande kommen", versucht er, das Beste aus der Situation zu machen.

Kracke hatte kurz nach Eröffnung der Ratssitzung eine "größere Information" angekündigt. Ursprünglich wollte er die kompletten sechs Seiten vorlesen, beließ es aber dann bei Auszügen. "Von Anfang meiner Dienstzeit an, nicht erst seit einem halben oder einem oder zwei Jahren wurde versucht, mich zur Aufgabe des Amtes zu zwingen. Es wurde schon kurz nach der Wahl - da hatte ich das Amt noch gar nicht angetreten - unter meinen Gegnern geäußert: ,Den machen wir fertig, der ist von den Mühlentalfreunden, länger als bis Weihnachten 2015 hält der sowieso nicht aus. Dann haben wir den wieder los'", erklärte Kracke. Solche Worte speisten sich aus persönlicher Abneigung gegen ihn, nicht aus Kritik aus seiner Arbeit als Bürgermeister - denn er sei da noch gar nicht im Amt gewesen. Als "oberste Krönung" der Aktionen gegen ihn sieht Kracke das Abwahlverfahren. In dessen Vorfeld seien in de Gemeinde "Zettel mit verleumderischem Inhalt verteilt worden, die nicht der Wahrheit entsprechen. Es wird in unseren eigentlich schönen Dörfern Unfrieden gesät. Das ist nicht gut", so Kracke. Mit dem Stellen der Weichen für die Beseitigung der Unwetterschäden "ist jetzt meine Pflichterfüllung als Bürgermeister in Mühlental getan", erklärte er. Für die Zukunft wolle er "Mühlental, den Mühlentalfreunden, dem Team Mühlentalzukunft und natürlich allen friedliebenden Einwohnerinnen und Einwohnern weiterhin mit Rat und Tat nach meinen Möglichkeiten zur Verfügung stehen" - so endet Krackes Erklärung.

Kracke trat am 1. August 2015 sein Amt als ehrenamtlicher Bürgermeister an. In den vergangenen Jahren prägten Konflikte mit Ratsmehrheit, Feuerwehren, Stadtverwaltung Schöneck und dem Landratsamt seine Amtsführung. Ende September hatte der Rat ein Abwahlverfahren gegen ihn eingeleitet. Zuletzt gründete sich im Vorfeld des am 18. November geplanten Bürgerentscheids eine Bürgerinitiative. Sie hatte die Abwahl Krackes zum Ziel und ließ dazu mehrere Informationsschreiben den Bürgern zukommen.

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