Musik- und Berufsausbildung seit 175 Jahren: Fest geplant

Die Klingenthaler Einrichtung ist deutschlandweit einmalig. Das Gründungsjubiläum soll am 1. September unkonventionell begangen werden.

Klingenthal.

Ekkehard der Barde ist am 1. September mit dabei, ebenso die Gruppe Spillfolk, das Stadt- orchester Klingenthal, das Akkordeonorchester und auch die Kleinen Harmonisten. Seit 175 Jahren hat Klingenthal eine Musik- und Berufsschule. Das Jubiläum wird mit einem "Folk's-Fest" am Musikpavillon begangen - mit Markttreiben und einem musikalischen Flohmarkt. "Wir wollten weg von Festkonzert und Grußworten", sagte Yvonne Deglau. Sie ist die Bereichsleiterin Klingenthal beim Förderverein der Musikschule Vogtland.

1843 war es, als der aus Oelsnitz stammende Kantor Christian Friedrich Weber unter Verschmelzung der damals üblichen Sonntagsschulen die Musikschule Klingenthal gründete. Das Ziel sah er darin, durch eine solide Ausbildung in Theorie und Praxis die Klingenthaler zu befähigen, im Instrumentenbau eine gute Arbeit zu leisten und sich damit eine Existenz zu sichern. Die Regierung in Dresden unterstützte das Vorhaben mit 100 Talern für den Kauf von Instrumenten und gab zudem jährlich einen Zuschuss von 60 Talern.

Die Verbindung von Musik und Gewerbe wurde 1952 getrennt. Heute wäre es vielleicht sinnvoll, beides wieder zu vereinen. Mit der Berufs- und Berufsfachschule für Musikinstrumentenbau hat Klingenthal eine Ausbildungsstätte, von der es deutschlandweit nur noch zwei weitere gibt. Die im gleichen Gebäude untergebrachte Musikschule ist eine Außenstelle der Musikschule Vogtland. Der langjährige Stadtrat Manfred Gäbler hatte vor dem 160-jährigen Jubiläum den Versuch unternommen, Musik und Gewerbe wieder zu vereinen. Er kam mit seinem Vorschlag bis in den Bildungsausschuss des Sächsischen Landtages. Dort gab es eine Ablehnung. "Schade, es hätte ein Pilotprojekt sein können", sagte Gäbler später.

Wie viele namhafte Musiker aus der Klingenthaler Musikschule hervorgingen, lässt sich nur schätzen. Es gab sie über Jahrzehnte hinweg in jeder Generation. Man kann zurückgehen bis zu Walter Scheffler, in den 1920er Jahren Konzertmeister am Stadttheater Nürnberg.

Günter Glaß war 2. Konzertmeister am Gewandhaus in Leipzig. Gerhard Eßbach, Soloposaunist der Staatskapelle Dresden, lernte einst bei Max Poppa und Alfred Wolf, ebenso sein Freund Günter Weidlich, der 2011 an der Hochschule für Musik und Theater Rostock das traditionsreiche Nonett neu gründete.

Als 2005 in der Rundkirche "Zum Friedefürsten" ein Konzert stattfand unter dem Titel "Von Klingenthal ging alles aus ...", da waren unter anderem die Sopranistin Friederike Meinel vom Opernhaus Köln, Elisabeth Glaß (Violine) von der Deutschen Oper Berlin, Michael Meinel (Klarinette und Bassetthorn) vom Theater am Gärtnerplatz in München, Jan Seifert (Klarinette und Bassetthorn) von der Staatskapelle Dresden sowie Winfried Thoß (Trompete) von der Musikschule Leipzig gekommen.

Undenkbar ohne die Musikschule wären auch die Klingenthaler Orchester. Diese Kooperation baute Stadtmusikdirektor Ernst Uebel (1882 bis 1959) auf, Musikdirektor Ernst Ubel (1899 bis 1960) setzte sie ebenso fort, wie der 2015 verstorbene Stadtmusikdirektor Herbert Fischbach.

"Eine Stadt ist kulturell das, was ihre Bürger aus ihr machen", sagte 2003 Gertraud Baum, damals die Vorsitzende des 1993 gegründeten Fördervereins. Und der kann im Rahmen des 175-jährigen Musikschuljubiläums auf sein 25-jähriges Bestehen blicken.

Termin Das "Folk's-Fest" am 1. September am Musikpavillon findet von 15 bis 18 Uhr statt. Kontakt wegen des musikalischen Flohmarkts (Instrumente, Noten, Musikbücher) ist möglich unter 0170 7430952.

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