Netzwerk Adorf kreativ entsteht

In der Stadt und ihrem Umfeld ist seit 2015 einiges angepackt worden. Das wird nun unter einer neuen Dachmarke gebündelt. Die ersten Partner stellten sich am Mittwoch vor.

Adorf.

Adorf hat einen Antreiber im Chefsessel. "Adorf ist keine Stadt, in der es Stillstand gibt", will Bürgermeister Rico Schmidt (SPD) sich auf den Projekten der vergangenen fünf Jahre in der Demografiewerkstatt Kommunen (DWK) nicht ausruhen. Wenn die DWK, ein Förderprogramm des Bundesbildungsministeriums, voraussichtlich Ende 2020 ausläuft, soll die neue Dachmarke Adorf kreativ die Initiativen bündeln. "Wenn jeder vor sich hinwursteln würde, gäbe das keinen Mehrwert", so DWK-Berater Klaus Zeitler.

Im Rathskeller wurde das Netzwerk kreativ am gestrigen Mittwoch aus der Taufe gehoben - offen für alle aus der Region, nicht nur aus Adorf. Ein Ansatz, der Martin Rutha von der DWK-Geschäftsstelle aus Bielefeld gefällt. "Wir können Adorf nur loben", sagte er, "gute Strategie, sinnvolle Bausteine, spannende Projekte" wie die Arzt-Sommerakademie Oberes Vogtland (erlebt 2020 eine zweite Auflage). Das Risiko des Ministeriums, für die DWK keine inhaltlichen Auflagen zu machen, habe sich bezahlt gemacht. Unter anderem mit diesen Partnern will Adorf die Stadt-Zukunft gestalten:

Die Netzwerkerin: Seit gut einem Jahr laufen bei Bianca Jahn in der alten Ambulanz am Markt viele Fäden zusammen. Die Möglichmacherei hilft Ideen in der Stadt umzusetzen und mitzugestalten. Eindrucksvollstes Beispiel: Die Idee Adorfer Frauen eines Kürbisleuchtens auf dem herbstlich geschmückten Markt fand Riesenresonanz bei Teilnehmern und noch mehr Schaulustige auch aus den Nachbarorten.

Der Firmenchef: Der Gewerbeverein Adorf hat nach den Worten seines Vorsitzenden Michael Schneider enorm vom Miteinander von Vereinen und Aktionen in Adorf profitiert. Der Verein konnte seine Mitgliederzahl fast verdoppeln, wurde im Stadtbild wieder viel sichtbarer - und weiß, wie wichtig Partner sind. "Gerade bei der Digitalisierung. Für mich fast ein Unwort - etwas, was wir im Alltag vor uns herschieben. Aber wir müssen diese Schwelle überwinden", sagt Schneider, dass es ohne Digital-Einsatz nicht geht.

Der Vermieter: Kay Burmeister träumt digital schon weiter. Er wäre gerne smart - ein komplett durchdigitalisiertes Wohnumfeld ist durch aus ein Wunsch des Chefs der Wohnungsgesellschaft Adorf. Der Vermieter ist Arbeitgeber, Wohnungsanbieter und Besitzer von Gewerberäumen - drei Säulen, auf denen Adorfs Zukunft ruht. Für Burmeister ist digital zwar nicht die Lösung von allem, aber ein nützliches Hilfsmittel. Jüngere würden das eh als selbstverständlich sehen. "Meine zweijährige Tochter weiß ganz genau, wie etwas funktioniert", sagt er stolz.

Die Digitalexperten: Justine Riedel und Norbert Eder vom Verein Südwestsachsen Digital begrüßen das Netzwerk sehr. Im Ansatz des Vereins, Firmen bei der Digitalisierung zu helfen, gäbe es viele Schnittmengen mit Adorf, sagt Eder, der wie Riedel bei GK Software in Schöneck arbeitet - Firmengründer Rainer Gläß ist auch der Initiator der Digital-Initiative. In Adorf sieht die Hilfe so aus: Lehrerstammtisch zu digitaler Fortbildung, Sprechstunde für klein- und mittelständischen Unternehmen für den Digital-Einstieg, Wertschöpfungs-Workshop für digital fortgeschrittene Firmen. "Kluge Köpfe gibt es überall, auch im ländlichen Raum", nennt Eder zum Beispiel ein Adorfer Geschwisterpaar, das einen 3 D-Drucker konstruierte.

Die Sprachlehrerin: Liane Lamprecht macht in Adorf Menschen mit Migrationshintergrund fit in Deutsch. 2015 begann es mit Flüchtlingen, inzwischen sind es dienstags und donnerstags den ganzen Tag über Sprachkurse, in deren Zeit die Kinderbetreuung abgesichert wird - was oft ein Haken war. Adorfer Firmen wie Gewa, Paracelsus, Lebensgarten oder Pension Nadia schicken Mitarbeiter zur Deutsch-Schulung.

Konkret um die neue Nutzung des früheren Gefängnisses als Kultur-Ort geht es am Montag, 13. Juli, 19 Uhr im Ratssaal. Dann wird in öffentlicher Ratssitzung das Projekt vorgestellt, mit dem Adorf vor wenigen Wochen 300.000 Euro Förderung aus einem Landesideenwettbewerb Ländlicher Raum abräumte.

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