Paracelsus-Geschäftsführer redet Klartext

"Destruktive Vorfälle" räumt der Osnabrücker Konzern in seinen sächsischen Häusern ein. Die Gefahr einer erneuten Insolvenz bestehe jedoch nicht.

Adorf/Schöneck.

Gut zwei Jahre nach Insolvenz der Paracelsus-Klinikkette und Neustart mit Schweizer Investoren drücken erneut finanzielle Probleme. Für die seit dem Frühjahr unter dem Dach des "Paracelsus-Klinikums Sachsen" vereinten vier Krankenhäuser in Zwickau, Reichenbach, Adorf und Schöneck haben diese Schwierigkeiten nicht nur mit Mindereinnahmen infolge der Coronakrise, mit gesundheitspolitischen Versäumnissen und der ländlichen Lage einiger Häuser zu tun, sondern auch mit organisatorischen Defiziten und internen Querelen.

In den sächsischen Kliniken sei es wiederholt zu "destruktiven Vorfällen und Affektionen" gekommen, räumt Martin F. Siebert, Vorsitzender der Geschäftsführung des Osnabrücker Klinikkonzerns, offen ein. Vor diesem Hintergrund gab es mehrere personelle Veränderungen, um das Klinik-Quartett auf Kurs zu bringen. "Teilweise waren sich unsere Klinikmanager selbst ein wenig im Wege", übt Siebert Kritik.

Aufkommenden Befürchtungen, Paracelsus könnte erneut in eine Insolvenz rutschen, tritt er entgegen: "Die Gefahr besteht nicht." Mit der Porterhouse Group AG habe man einen "finanzkräftigen, verlässlichen, langfristig orientierten Eigentümer". Belegschaften und Patienten verspricht der Geschäftsführer "ein standortübergreifendes regionales Versorgungskonzept" sowie eine Perspektive für das Paracelsus-Klinikum Sachsen insgesamt und für jeden der vier Standorte.

Der starke Konsolidierungsdruck der Branche erfordere zugleich neue Wege. "Es hilft nichts, nur über die einschlägigen Strukturprobleme zu lamentieren." Krankenhäuser in vergleichbarer Lage und Verfassung seien daher gut beraten, "nach gleichberechtigten und sinnvollen Partnerschaften Ausschau zu halten", ohne allerdings die Eigenständigkeit in Frage zu stellen. Am Ziel einer "wettbewerbsfähigen Expansion" halte Paracelsus fest, auch wenn der Vorsprung der Klinik-Marktführer im Moment "einfach zu groß ist".

Mit seiner Forderung nach innen und dem Appell nach außen trifft der Vorsitzender der Paracelsus-Geschäftsführung den Nerv vieler Ärzte und Klinikmitarbeiter. Der Gynäkologe Ulrich Köhler, bis 2014 in der Paracelsus-Klinik Reichenbach und seither im kommunalen Kreiskrankenhaus Greiz in Thüringen tätig, hat schon vor Jahren für Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Häusern und Trägern plädiert. "Nur so können sich die kleinen Kliniken gegen die Großen der Branche behaupten", meint Köhler.

Ein Kurs, auf den auch Kommunal- und Landespolitiker jetzt einschwenken. Nach dem plötzlichen Ausscheiden des als Hoffnungsträger geltenden Reichenbacher Klinikmanagers Sven Hendel und aufkommenden Turbulenzen in den sächsischen Paracelsus-Häusern gab es Anfang Juli im Vogtland ein Krisentreffen. Beim Besuch von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) am 20. Juli in Rodewisch wurden sogar Möglichkeiten zum Rückkauf privatisierter Ex-Kreiskrankenhäuser ausgelotet.

Ist die "Rekommunalisierung" einer oder mehrerer Paracelsus-Kliniken angestrebt? Offiziell nicht. Laut Landrat Rolf Keil (CDU) schade eine Trägerwechsel-Debatte nachhaltig.

In Osnabrück sei man sich des "bundesweit populär werdenden Trends" zur Rekommunalisierung bewusst, sagt Paracelsus-Geschäftsführer Siebert. Diesbezügliche Aktivitäten oder ein Vertrauensverlust im Vogtland seien ihm nicht bekannt.

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