Pro Bahn: ICE-Wunsch ist unrealistisch

Der Fahrgastverband setzt auf den rascher möglichen Ausbau der vorhandenen Trassen. Neubaustrecken brauchen indes Jahrzehnte.

Plauen.

Die von Sachsens Linken erhobenen Forderungen zum Neubau von ICE-Strecken haben ein lebhaftes Echo ausgelöst. Der Fahrgastverband Pro Bahn lobt prinzipiell attraktive Vorschläge für hochwertigen Bahnverkehr, jedoch seien die vom Landesparteitag der Linken bestätigten Vorschläge des Plaueners Ulrich Neef für Sachsen, speziell für Westsachsen und das Vogtland, "fernab einer Realisierungschance", widerspricht Bertram Zetzsche von Pro Bahn Mitteldeutschland. "Sie bringen kurz- und mittelfristig keine Verbesserung der Situation."

Neef hatte den Neubau der ICE-Schnellfahrstrecken Nürnberg-Plauen-Leipzig/Dresden sowie Dresden-Leipzig und Plauen-Cheb/Eger gefordert. Dem am 30. Oktober in Erfurt beginnenden Bundesparteitag der Linken wird das vom Landesparteitag mehrheitlich befürwortete Papier zum Beschluss vorgelegt.

"Bis solche Neubaustrecken umgesetzt sind, gehen Jahrzehnte ins Land", betont hingegen Bertram Zetzsche. Doch weitere Jahrzehnte ohne Fernverkehrsanbindung seien den Bürgern nicht zuzumuten. Pro Bahn fordert daher schnellere und realistische Lösungen - und in diesem Zusammenhang den Ausbau von teils schon seit langem beschlossenen Trassen. Auch gehöre mehr Fernverkehr auf die Schiene.

Einiges sei im Bundesverkehrswegeplan berücksichtigt, anderes noch nicht. Mit Einführung des Deutschlandtaktes gebe es kürzere Reise- und abgestimmte Umsteigezeiten, argumentiert Pro Bahn und verweist auf "gute Anzeichen der Politik", die Franken-Sachsen-Magistrale Dresden-Nürnberg auszubauen und damit das Vogtland besser anzubinden. Ein Neubau wäre, trotz deutlicher kürzerer Fahrzeit, immens teuer, nur mit hohen Fahrgastzahlen rentabel und "aktuell unrealistisch". Für eine Neubaustrecke Plauen-Cheb/Eger mit Anbindung nach Karlovy Vary/Karlsbad gelte das ebenso, allein schon wegen der zu geringen Bevölkerungsdichte.

Ein reges Echo fand der Bahn-Vorstoß der Linken auch auf der Homepage der "Freien Presse". Von Wunschdenken und Realitätsferne ist dort die Rede. Auch gibt es erhebliche Widerstände im Obervogtland gegen einen Ausbau der Bestandsstrecke Plauen-Cheb/Eger. In der Diskussion kommen praktikable Möglichkeiten zur Sprache wie eine durchgehende Verbindung Hof-Leipzig, da die Strecke ausgebaut und elektrifiziert ist. Auch an den Flop des Diesel-ICE wird erinnert, der die ersten und bislang letzten ICE-Züge ins Vogtland gebracht hatte. Als Ursachen fürs Aus hat die Diskussion die damalige Fixierung der DB AG auf den Börsengang ausgemacht - und unausgereifte Technik. Am 10. Juni 2001 ging der Diesel-ICE zwischen Dresden und Nürnberg an den Start, am 24. Juli 2003 entzog das Eisenbahn-Bundesamt den Zügen die Betriebszulassung.

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