Schule selbst gestalten: Oelsnitzer in Sachsen vorn dabei

Das Julius-Mosen-Gymnasium ist als erste Schule im Vogtland Teil eines Mitbestimmungs-Projekts. Der Schülerrat hat dafür erfolgreich gewirbelt. Das zahlt sich dieses Jahr aus.

Oelsnitz.

Schule fürs Leben: Wer mitbestimmen will, muss sich drehen - und die Schüler des Oelsnitzer Julius-Mosen-Gymnasiums erleben das ganz praktisch. Sie durften entscheiden, wofür 1500 Euro von der Sächsischen Jugendstiftung an ihrer Schule verwendet werden. Das Geld kommt aus dem Projekt "Deine Idee. Deine Schule. Deine Entscheidung", in dem die Oelsnitzer seit Herbst als erste Schule im Vogtland dabei sind. Inzwischen steht fest: Das Grüne Klassenzimmer im Schulgelände, nur eine Bank und in die Jahre gekommen, wird damit aufgemöbelt.

Bis das feststand, gab es viel Arbeit. Die lag vor allem beim neuen Schülerratsvorstand, der das Projekt von seinen Vorgängern "erbte": Ideen sammeln, Wahlkampf machen, abstimmen lassen, umsetzen - ganz so, wie es in der großen Politik sein soll. "Wir haben vor den Herbstferien eine Infoveranstaltung gemacht, erklärt, was das Projekt ist. Es soll damit etwas umgesetzt werden, was allen zu Gute kommt", sagt Emma Krause aus der Klasse 8c. Damit flog raus, was sich jemand nur für sich wünschte, genauso wie Bauarbeiten am Haus. Denn dafür ist die ab Sommer geplante Sanierung da.

Die Resonanz war riesig: Gut 100 Vorschläge der Schüler gingen ein. Drei kamen in die Wahl. "Die Finalisten waren das Grüne Klassenzimmer, mehr Sitzgelegenheiten für den Pausenhof und brandschutzsichere Sofas für die Gänge. Die, die jetzt da stehen, dürfen das nach der Sanierung nicht mehr", erklärt Schülerratssprecher Luis Scherzer, Klasse 9b. Die Wahl selbst fand dann in jeder Klasse statt. "Die Wahlbeteiligung lag bei 94 Prozent", informiert Luis. Mit 51 Prozent war das Grüne Klassenzimmer eindeutiger Favorit.

Ans Umsetzen der Idee mit neuen Bänken und Tischen geht es im zweiten Schulhalbjahr. "Einheimische Firmen dürfen sich gern melden. Sonst durchforsten die Schüler das Internet", erklärt Lehrerin Lydia Solondz-Lorenz, die wie ihre Kollegin Janet Forster zur Steuerungsgruppe des Projekts gehört. "Wir haben auch die Idee, dass wir die Untergestelle selbst bauen und nur noch Bretter drauf brauchen", meint Luis Scherzer. Geld bunkern und 2020 nicht bauen, geht nicht. Auch wenn das Gymnasium drei Jahre in dem schulart-übergreifenden Projekt ist - ansparen kann es das Geld nicht. Schon im Herbst startet die zweite, neue Mitbestimmungsrunde. Dann wird wohl der eine oder andere Vorschlag aus diesem Schuljahr wieder dabei sein, schätzt Maria Burkhardt aus der 10c - sie ist neben Luis Scherzer Schülerratssprecherin.

Direktor Frank-Rainer Richter ist sehr froh über seine engagierten Schüler. "Das reiht sich in viele positiven Entwicklungen des Schülerrats ein", sagt er. Dazu gehören auch die dreitägigen Klausurtagungen in Dresden, in denen die Gymnasiasten vor Schuljahresbeginn den Fahrplan für den Schülerrat ausbrüten. "Das verbinden sie mit einem Besuch des Landtags und können für die Tagung dann in Räume im Kultusministerium oder der Landeszentrale für politische Bildung gehen", erklärt Janet Forster. Für Direktor Richter ist der Mitbestimmungs-Ansatz eine viel wirkungsvollere Form der Demokratie als manch anderes Projekt. "Die Schüler lernen so, dass man sich einbringen kann, sich aber auch einer Mehrheit beugen muss, wenn die etwas anders sieht."

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