"Sogar in Prag und Dresden ist man aufmerksam geworden"

Nach der Aufführung der Kinderoper "Brundibár": Yvonne Deglau über das Stück und den Weg dahin

Schüler aus Klingenthal und Graslitz haben in der Aula des Schulzentrums Am Amtsberg und im Kulturhaus der Nachbarstadt mit großem Erfolg die Kinderoper "Brundibár" aufgeführt. Verantwortlich für die schauspielerische Einstudierung und Inszenierung war Yvonne Deglau. Mit ihr sprach Eckhard Sommer.

Freie Presse: Wie entstand die Idee für dieses Projekt?

Yvonne Deglau: Ich bin vor ungefähr drei Jahren durch einen Bericht im MDR auf diese Kinderoper aufmerksam geworden. Seitdem habe ich überlegt, wie man sie bei uns auf die Bühne bringen könnte. Der deutsch-tschechische Kinderchor Tirili wird von Zlatka Sellinger und mir geleitet. Sie war anfangs etwas skeptisch, weil es ein anspruchsvolles Thema ist, hat dann aber zwischendurch zu mir gesagt, dass sie durch die Arbeit an der Oper erwachsen geworden ist.

Was ist der geschichtliche Hintergrund von "Brundibár?"

Die Musik für die Oper schrieb Hans Krása, der Text stammt von Adolf Hoffmeister. Krása wurde 1942 ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Dort wurde "Brundibár" über 50-mal von Kindern für Kinder gespielt. Die Oper war ihnen eine Überlebenshilfe und soll heute ein Mahnmal sein, das Leid der Kinder nicht zu vergessen. Viele mussten auf einen Transport nach Osten und nur wenige blieben am Leben. Hans Krása kam 1944 nach Auschwitz und wurde dort ermordet.

Warum war es Ihnen auch persönlich wichtig, dieses schwierige Thema mit Kindern auf die Bühne zu bringen?

Weil es wichtig ist, sich daran zu erinnern, auch wenn das nicht leicht ist. Wir haben mit den Kindern über die schreckliche Zeit gesprochen. Aber wir wollten nicht, dass es eine düstere Aufführung wird, sondern die Kinder mit der Musik begeistern, so wie damals, trotz der Situation im Ghetto. Am Ende der Oper wird das Böse besiegt und wir singen gemeinsam "Ihr müsst auf Freundschaft bau'n, den Weg gemeinsam geh'n, auf Eure Kraft vertrau'n und zueinander steh'n. Nehmt Euch bei der Hand und knüpft das Freundschaftsband!" Genau darauf ist es uns angekommen. Sogar in Prag und Dresden ist man auf unser kleines Projekt aufmerksam geworden. Unser Kinderchor Tirili wurde für Juni zu einem Konzert nach Prag eingeladen. Das freut uns natürlich und macht uns stolz. So viel ich weiß, wurde "Brundibár" mit so kleinen Kindern noch nicht aufgeführt und mit deutschen und tschechischen Kindern nur selten.

Wie lange wurde für "Brundibár" geprobt?

Seit Herbst haben wir uns regelmäßig getroffen. Die Graslitzer immer montags, wir Klingenthaler dienstags, alle zusammen einmal im Monat. Gesungen und gespielt wurde abwechselnd in Deutsch und Tschechisch. Das hat uns miteinander verbunden, trotz der anderen Sprachen. Kinder sind Kinder, egal wo sie leben. Wir hatten viel anstrengende Arbeit, aber auch viel Spaß.

Wer war an der Erarbeitung und Aufführung von "Brundibár" beteiligt?

Schüler der Musikschule Vogtland und der Musikschule aus Graslitz, die Theatergruppe Theatrelli, der Kinderchor Tirili, die Theater-AG des Gymnasiums und das Akkordeontrio Klingenthal mit Richard Wunderlich, Samuel Horn und Constantin Tannhäuser, Regina und Katerina Rokovi, Zlatka Sellinger und ich. Die Kulissen haben Bára Brunnerová und Kinder der Kunstabteilung der Musikschule Graslitz gebaut. Die Technik betreuten Jerome Seidel und Erik Becher.

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