Speisemohn gedeiht im oberen Vogtland

Einzigartig im Vogtland: Auf Markneukirchner Feldern wächst, wovon andere lieber die Finger lassen: Speisemohn, eine empfindliche Kultur.

Markneukirchen.

Die einzigen Mohnfelder des Vogtlandes stehen in Erlbach und Landwüst. Die Agro-Dienst-Marktfrucht GmbH mit Sitz in Markneukirchen baut diese Sonderkultur im zweiten Jahr in Folge an. Auf 30 Hektar wächst in Landwüst Wintermohn und auf 15 Hektar gedeiht in Erlbach Sommermohn. Die Rohware geht über einen Zwischenhändler in Westsachsen, der den Mohn reinigt und an den Bäckereigroßhandel vermarktet.

Auf den Speisemohnanbau lassen sich nur ganz wenige Landwirte ein. Spezialisiert haben sich unter anderem österreichische und tschechische Landwirte auf diese anspruchsvolle Sonderkultur. Michael Kilian, promovierter Geschäftsführer des Markneukirchner Unternehmens, liebt die Herausforderung. Schon immer war seine Devise, anzubauen, was ungewöhnlich ist. Die Wildpflanzenvermehrung, ein wichtiges Standbein des Betriebes, geht in dieselbe Richtung. "Mohn ist nicht ganz so kompliziert wie die Wildpflanzen, aber wesentlich anspruchsvoller als Getreideanbau", sagt Kilian. Voriges Jahr versuchte sich Kilian das erste Mal auf drei Hektar im Mohnanbau. "Dafür, dass über den Feldern drei Unwetter niedergegangen sind, gefolgt von Hitze und Trockenheit, war ich fürs erste Mal ganz zufrieden. Zwar waren die Erlöse nicht unbedingt besser als bei Getreide, aber das lässt sich steigern", ist sich Kilian sicher und blickt schon auf das nächste Jahr: "2020 werden wir 75 Hektar Mohn anbauen." Doch bevor auch nur ein einziger Mohnsamen in die Erde rollt, braucht der Geschäftsführer eine Genehmigung von der Bundesopiumstelle, und das, obwohl der Gehalt an berauschenden Substanzen in den grünen Kapseln des Backmohns marginal ist. "Ein polizeiliches Führungszeugnis und meinen kompletten Lebenslauf muss ich vorlegen und zwar jedes Jahr neu", berichtet der Landwirt.


Die größte Herausforderung beim Mohnanbau ist es, das Jungpflanzenstadium heil zu überstehen und einen geschlossenen Bestand zu etablieren. Schiefgehen kann dabei vieles. Mohn keimt unter ungünstigen Bedingungen erst nach vier bis acht Wochen. "Da ist das Feld schon grün vom vielen Unkraut. Die Beikräuter wachsen einfach schneller." Mit chemischen Pflanzenschutzmitteln einzugreifen will wohl überlegt sein. Nur wenige Mittel sind per Sonderzulassung erlaubt. "Spritze ich, wenn die Mohnpflanzen noch zu klein sind, der Wildwuchs aber schon sehr groß ist, kann es sein, dass ich auch die Mohnpflanzen schädige oder im schlimmsten Fall vernichte. Warte ich zu lang, wirkt das Mittel beim Unkraut nicht mehr", erklärt Kilian die auftretenden Probleme. Mit der Trockenheit wiederum kommt der Mohn, der seine Pfahlwurzeln tief in die Erde schiebt, dagegen gut zurecht, ein Vorteil seiner Herkunft aus dem mediterranen Raum.

Im Juni, zur Blütezeit, schaukeln tausende lila Blütenköpfe im Wind und verbreiten südländisches Flair auf den Bergen des oberen Vogtlandes. Für Kilian zwar ein Höhepunkt im Mohnanbau, aber nicht der entscheidende. Der Moment, der über Erfolg oder Misserfolg im Mohnanbau entscheidet, steht erst in ein paar Tagen an, wenn die Mähdrescher die wertvolle Fracht auf die Hänger der Traktoren geladen haben und auf der Waage stehen. Kilian weiß, wie groß die Spanne bei der Erntemenge sein kann. "Von null bis 1300 Kilogramm pro Hektar ist alles möglich." Doch selbst im Falle eines Misserfolges wäre das für Kilian kein Grund, die sprichwörtliche Flinte ins Korn zu werfen. "Beim Weizen sieht es dieses Jahr auch schlecht aus. Wir dachten voriges Jahr alle, dass es nicht noch schlechter kommen kann, doch genau das ist jetzt eingetreten. Deswegen käme aber niemand auf die Idee, den Weizenanbau infrage zu stellen", sagt der Landwirt.

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