Stadt verliert Publikumsmagnet: Schlossfest fällt 2019 aus

Tausende erklimmen jedes Jahr zu Pfingsten in Oelsnitz den Aufstieg zur Voigtsberger Burg. Warum das nächstes Jahr nicht geschieht - und wie es überhaupt weitergehen soll.

Oelsnitz.

Jetzt ist die Katze aus dem Sack: Nächstes Jahr gibt es kein Historisches Schlossfest zu Pfingsten auf Schloss Voigtsberg. Überbringer der schlechten Nachricht, die längst als Gerücht waberte, war gestern Oberbürgermeister Mario Horn (CDU). "Der Aufsichtsrat der Oelsnitzer Kultur GmbH hat beschlossen, dass das Schlossfest in städtischer Trägerschaft weitergeführt wird", teilte das Stadtoberhaupt auf Anfrage mit. Aber eben nicht 2019. Offizielle Begründung: Pfingsten ist sehr spät am 8. bis 10. Juni - und eine Woche später steigt bereits das Sperkenfest, welches um eine Woche vorgezogen wurde, um nicht mit dem 60. Plauener Spitzenfest zu kollidieren.

Horn bestätigte auch, dass die bisherigen Schlossfest-Organisatoren Jörg Müller und Dennie Ittner das Fest nicht mehr weiter organisieren wollen. Vom endgültigen Aus für den Publikumsmagneten, der jährlich Tausende auch von weiter her anlockte, will er nichts wissen. "Ab 2020 geht es logischerweise weiter, wieder mit einem ganz vernünftigen Schlossfest - und dann im jährliche Rhythmus", sagte Horn. "Das Fest ist ganz wichtig für Oelsnitz, es zieht Bürger in die Stadt, sodass man es nicht weglassen sollte", erklärt der OB. Zur Übernahme des Festes in Stadt-Regie - durch die kommunale Kultur GmbH - besteht laut Horn aber noch Klärungsbedarf mit dem Fördermittelgeber. Auf die Frage, ob das Thema nicht im Stadtrat behandelt werden sollte, stutzt der OB. "Es war erst mal im Aufsichtsrat der GmbH." Dieser tagt nichtöffentlich.

"Es waren viele Gründe, durch die wir beschlossen haben, es nicht weiter zu organisieren", erklärt Bäckermeister Jörg Müller. Der Oelsnitzer will keine schmutzige Wäsche waschen, lässt aber durchblicken, als privater Veranstalter zusammen mit seinem Mitstreiter Dennie Ittner aus Hundsgrün in der Zusammenarbeit mit der Stadt nicht so vorwärts gekommen sei, wie sich die Organisatoren dies vorgestellt haben. Die Veranstaltung abzugeben, sei eine sehr schwer Entscheidung gewesen, die lange reifte. "Es ist ein lachendes und ein weinendes Auge. Auf der einen Seite sind wir einen Haufen Verantwortung los, auf der anderen Seite haben wir sehr daran gehangen", sagt Jörg Müller.

Verwunderung macht sich bei Händlern breit, die immer in Voigtsberg dabei waren, bisher aber auf Anfrage an die Kultur GmbH keine Antwort erhielten, was wird, so eine Händlerin (Name der Redaktion bekannt), die sich über die fehlende Kommunikation ärgert. Die bisherigen Veranstalter hätten früh gesagt, dass sie nicht weitermachen wollen und ihre Hilfe angeboten - etwa durch die Vermittlung von Kontakten zu Darstellern und Händlern, sagt Müller. Er wisse selbst, wie aufwändig es sei, qualitativ gute Leute aus der Mittelalterszene ins Vogtland zu holen. "Die Stadt hatte genug Zeit. Es ist für mich unverständlich, dass der Ball, der gerollt ist, nicht weitergeschoben wird", sagt er und hegt Zweifel, ob 2020 der von Horn propagierte nahtlose Übergang gelingt. Ob einige Quotenbringer des Festes nach einem Jahr Pause wieder auf Voigtsberg sind, da sei er sich gar nicht sicher. "Wenn die erst mal fort sind, sieht man die hier nicht mehr wieder", befürchtet er.

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