Steimles Feinkost: Nicht magenschonend

Der Dresdner Kabarettist gastierte im ausverkauften König-Albert-Theater. Zwischen Ostalgie und Jetzt-Kritik - der Ehrenkünstler des Hauses polarisierte.

Bad Elster.

Planänderung in Bad Elster: Die Grippesaison ist offensichtlich eröffnet und auch Michael Seidel erwischte es über Nacht. So kam es, dass Uwe Steimle ohne Dialogpartner auf der Bühne stand und das gemeinsame Programm "Feinkost" kurzfristig ummodeln musste. "Was könnte ich Ihnen bieten, dass Sie ausrasten? Ich denke, wir werden das schon schaffen!"

Er versuchte es mit "Fein(k)Ost", einem Streifzug durch 30 Jahre seines kabarettistischen Schaffens. Auf die Bühne kam er im Dunkeln, in der Hand eine Laterne wie anno dazumal Willi Schwabe in der Rumpelkammer. Das allein deutete an, wohin die Reise gehen sollte. Steimle kommt ohne großen Aufwand aus. Er braucht nur sich selbst, ein paar stimmige Requisiten und sein flottes sächsisches Mundwerk, um einen Abend zu einem kurzweilig-kritischen Erlebnis werden zu lassen. Nicht zum ersten Mal hielt er in Bad Elster damit nicht hinterm Berg, ein Ostalgiker zu sein und zog Publikum an. Lohn dafür: die bereits erfolgte Aufnahme als Ehrenkünstler in die "Straße der Besten" im Theater.

Uwe Steimle verhehlte nicht in seinem Programm, was einst gut war, ohne dem in jedem Fall nachzutrauern. Sang mit dem Publikum lauthals das Pionierlied "Unsere Heimat". Setzte ein schon abgegriffenes Hütchen auf und parodierte E.H. als Ornithologen stimmlich und optisch so gelungen, dass man bei geschlossenen Augen hätte meinen können, der Generalsekretär säße im Saal. Mehr noch aber regte er sich darüber auf, wozu es nach der "Kehre" hierzulande gekommen ist. Dass er damit nicht allein stand, belegten die Beifallsreaktionen aus dem Saal.

Nein, Uwe Steimle ist vordergründig wohl nicht daran gelegen, zwischen West und Ost einen Keil zu treiben. Er legt mit spitzer Zunge, mitunter naiver Ehrlichkeit und Offenheit, klarem Standpunkt wie ein Agitator - auf die Dauer nervend - den Finger auf Wunden, sieht sich als Putin-Versteher auf der Seite von "Michi Kretschmer". Mit dem "Was darf Satire? Alles!" nach Kurt Tucholsky polarisiert er, schlägt dabei bewusst über die Stränge. Erst kürzlich bezog er wegen der Nicki-Aufschrift in kyrillischen Buchstaben "Kraft durch Freunde" und die dadurch nicht zu übersehender Nähe zu einer Parole aus brauner Zeit mächtig mediale Schelte. Das "Kraft durch Freunde" verkniff er sich in Bad Elster, trug dafür in Anlehnung an den FC Bayern einen "Mir san Mir"-Schriftzug nebst weißer Friedenstaube auf hellblauem Grund.


Steimles Gedanken

"Ich wäre damals nicht auf die Straße gegangen, wenn ich gewusst hätte, dass ich es noch 40 Jahre aushalte."

"Diese GroKo gibt es nun schon seit zwei Jahren und ich sage immer Großes Kotzen."

"Mittlerweile kann man Kabinett & Kabarett nicht mehr unterscheiden."

"Gauck hat immer von einem dunklen und hellen Deutschland gesprochen. Ich weiß gar nicht, was er gemeint hat: Im Osten geht die Sonne auf."

"Wir verblöden am offenen Gehirn."

"Manchmal bin ich richtig froh, dass sie uns 89 die Waffen abgenommen haben."

"In anderen Ländern bewachen Soldaten die Grenze, bei uns jagen sie Borkenkäfer."

"Die Wessis wissen nichts, und das erklären sie uns seit 30 Jahren. Ich habe fast den Verdacht, dass nicht wir damals pleite waren."

"Derjenige, der auf den Dreck hinweist, ist mittlerweile gefährlicher als der, der den Dreck macht."

"Merkel sagte: 'Auch wenn ich nichts tue, heißt das nicht, dass nichts passiert'. Besser kann man seine Überflüssigkeit nicht erklären." (eso)

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