Tanne aus Gunzen für Leipzig: Mehr Weihnachtsbaum geht nicht

Ein prächtiger Baum aus dem Schönecker Ortsteil schmückt dieses Jahr den Weihnachtsmarkt der Messestadt. Die Leipziger heben den Daumen - und damit auch den Dorfstolz im oberen Vogtland.

Leipzig/Gunzen.

Gestern Mittag kurz vor 12 Uhr ist es geschafft: Der Leipziger Weihnachtsbaum steht. Ronny Jacob atmet durch. Zehn Stunden mit nächtlichem Transport und Aufstellen stecken dem Chef der gleichnamigen Waldwirtschaft in Wohlhausen in diesem Moment in den Gliedern. Trotz einer gewissen Routine weicht jetzt die Anspannung. "Es ist jedes Jahr Aufregung pur", sagt Jacob. "Jeder Baum ist neu und anders." Die Tanne, die am Mittwochnachmittag in Gunzen gefällt worden war, sei noch dazu ein ganz besonderes Exemplar - mit einer Höhe von 22 Metern, einem Stammdurchmesser von 60 Zentimetern und ausladenden Ästen. "Es ist die obere Grenze des Machbaren", sagt Ronny Jacob. Das gilt sowohl für den Transport, bei dem das eine oder andere Platzproblem gemeistert werden musste, als auch für die Möglichkeiten des Leipziger Marktes. Dickere Bäume als jener aus Gunzen passen nicht in den Aufstellschacht. Mehr Weihnachtsbaum geht also nicht.

Die Aktion "Ein Baum für Leipzig" beginnt bereits am Mittwochnachmittag. Auf dem Grundstück der Familie von Sebastian Schneider in Gunzen knattert die Motorsäge, um die 46 Jahre alte Tanne zu fällen. Reiner Dölling, sein Großvater, hat den Baum einst gepflanzt. Er habe auch im Oktober die Zeitungsanzeige der Waldwirtschaft gesehen, die damit nach einem stattlichen Weihnachtsbaum suchte. "Wir wollten den Baum eh wegmachen", sagt Sebastian Schneider. Deshalb meldet sich die Familie. Und nachdem der Chef des Leipziger Marktamtes nach der Begutachtung vor Ort höchstpersönlich den Daumen gehoben hat, steigt die Spannung.

Etliche Schaulustige sind beim Fällen und Verladen mit dabei - und mächtig stolz, dass "ein Gunzener" jetzt auf dem Leipziger Weihnachtsmarkt steht. "Das gab es noch nie", frohlockt Ortsvorsteher Ingo Penzel. "Schon das Fällen war ein Highlight. Nur Bierbänke haben gefehlt ..." Penzel ist einer, der den Stolz des 200-Einwohner-Dorfes gerne pflegt. "Ein gesunder Baum aus einem gesunden Dorf für eine schöne Stadt", jubelt er. Und natürlich wollen die Gunzener "ihren" Baum auch noch besuchen. Am dritten Advent planen die Obervogtländer den Besuch des Leipziger Weihnachtsmarktes, um die Tanne im Festkleid zu bewundern - mit 3000 Lichtern und 600 Kugeln. Sollte die Delegation größer ausfallen, werden die Vogtländer gebührend empfangen. Dieses Versprechen gab gestern Alexander Gruß vom Leipziger Marktamt gegenüber der "Freien Presse" ab. Denn auch er habe mitbekommen, dass es sich bei den Gunzenern um ein besonderes Völkchen handelt - hatte man doch zuerst Schöneck als Ursprungsorts des Baumes angegeben. Aber Gunzen sei nicht Schöneck, das wisse er jetzt, sagt Gruß augenzwinkernd und lobt den Baum. "Wir haben jeden Jahr schöne Bäume. Aber dieses Jahr ist er besonders schön."

Die Waldwirtschaft Jacob hat neben den Baum für den Leipziger Weihnachtsmarkt auch einen auf den Zwickauer gebracht. Die 17 Meter hohe Colorado-Tanne stand in Markneukirchen. Ein weiterer Auftrag steht für den 23. Dezember im Kalender. Dann liefert Ronny Jacob die acht Meter hohen Zwillingsbäume für die Dresdner Frauenkirche. Auch wieder so ein Auftrag, der alles außer gewöhnlich ist.

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