Tannenbergsthaler Zeitreise zum Jubiläum 300 Jahre Herrenhaus

Vor einer Woche die Oper "Don Giovanni", nun ein buntes Programm mit Musik, historischer Modenschau und Rundfahrten mit der Erlbacher Postkutsche. Für die vielen Besucher wurden die Geschichte lebendig.

Tannenbergsthal.

So oder ähnlich könnte es seit 1718 bis in die 1920er Jahre gewesen sein: Über den Platz vor dem Herrenhaus flanierten neben Gräfin Cosel hochherrschaftliche Damen in Spitzenkleidern und Reifröcken, Herrschaften aus dem Biedermeier, mit Sonnenschirmen zum Schutz der blassen Haut, verspielten Hüten und Handtäschen. Die Männer kamen in feinem Zwirn, Zylinder und blitzblanken Lackschuhen daher. Welch ein wunderbarer Anblick! Die historische Modenschau gestern war zweifelsohne ein Höhepunkt im Programm zum 300-jährigen Jubiläum des Tannenbergsthaler Herrenhauses.

Veranstaltet wurde die Modenschau vom Verein Vetos Civitas aus Gelenau. Woher die zum Täuschen authentische Garderobe stammt? "Zum Teil schneidern wir selbst nach historischen Vorlagen, oder wir leihen Kostüme aus dem Fundus des Annaberger Theaters", erzählte Vereinschefin Jacqueline Beyer

Während die Vergangenheit sich auf dem Platz vor dem Herrenhaus zeigte, konnten sich die Blaskapelle der Freiwilligen Feuerwehr Carlsfeld ebenso ein Päuschen gönnen, wie auch ein Zeuge aus einer anderen Epoche: Tino Leonhardt, der Mann auf dem Bock der Erlbacher Postkutsche, wischte sich kurz den Schweiß von der Stirn und schlürfte schnell einen Kaffee - um zur nächsten Rundfahrt zu starten. Auch das Erlbacher Gastspiel war eine gelungene Idee zum Festwochenende, das vom Team um Regina Rosenbaum organisiert worden war.

Im Herrenhaus selbst führte Karla Dunger vom Heimatverein Topas am Samstag und gestern neugierige Besucher durch das Gebäude und wusste neben einer Vielzahl an historischen Fakten auch so manche Episode aus der wechsel- vollen Geschichte des Hauses und seiner Bewohner zu erzählen.

1718 hatte der damalige Hammerwerksbesitzer Johann Baumann (1670 bis 1726) das Herrenhaus errichten lassen. Von der Akustik des Gebäudes waren schon vor Wochenfrist die Besucher der Oper "Don Giovanni" beeindruckt gewesen. "Man verstand schon damals zu bauen", kann Bürgermeister Jürgen Mann (Freie Wähler) bestätigen, der sein Büro in dem 2005 sanierten Haus hat: "Im Sommer ist es angenehm kühl, im Winter dagegen warm". Das Herrenhaus ist für ihn ein Alleinstellungsmerkmal für Tannenbergsthal: "Es gibt in Sachsen nur noch wenige solcher Sachzeugen aus der Montanzeit". Mehr als eine Million Euro hatte die 2004/05 die damals selbstständige Gemeinde Tannenbergsthal in die Sanierung investiert.

Dass zum Fest im einstigen Pferdestall eine Mineralienausstellung gezeigt wurde, war kein Zufall. "Das Herrenhaus ist das Tor zum Schneckenstein mit seinem Topasfelsen", hatte Landrat Rolf Keil (CDU) am Samstag auf der Festveranstaltung betont - und zwar mit Blick auf das Projekt des in Arbeit befindlichen ersten vogtländischen Geoparks.

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