Tierheim-Pauschale: Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel

Die Umlage von 30 Cent je Einwohner und Jahr für die Unterbringung von Fundtieren reicht kaum für das Nötigste. Das Erzgebirge macht vor, wie es besser geht.

Plauen.

Die Unterbringung und Betreuung von Fundtieren ist eine Pflichtaufgabe der Kommunen. Zumeist werden die Tiere einem Tierheim übergeben und die Aufwendungen erstattet. Dafür gibt es zwei Modelle. Entweder die Gemeinde rechnet fallbezogen mit dem Tierheim ab, oder sie zahlt dem Tierheim eine Pauschale pro Einwohner und Jahr. Derzeit zahlen 24 vogtländische Kommunen eine Pauschale an einen Tierschutzverein. Andere zahlen fallbezogen. Der Tierschutzverein Plauen und Umgebung, der das Tierheim Kandelhof betreibt, praktiziert beide Varianten. Der Tierschutzverein Vogtland, der für das Tierheim Plauen zuständig ist, rechnet detailliert je Tier und Tag ab.

Im östlichen und nördlichen Vogtland aber, sprich in den Tierheimen Limbach, Treuen und Falkenstein, gilt seit über zehn Jahren eine Pauschale. Sie haben sich damit den Aufwand der Einzelabrechnung vom Hals geschafft, zugleich aber finanzielle Probleme programmiert. Vereinbart ist in den Verträgen mit den Kommunen eine jährliche Zahlung von 0,30 Euro je Einwohner an die jeweiligen Tierschutzvereine. Das Veterinäramt des Vogtlandkreises hatte 2006 entsprechende Musterverträge verteilt. Erhöht wurde die Pauschale nie. Die Kosten schossen indes in die Höhe, während die Einwohnerzahlen sanken.

"Wir leben von der Hand in den Mund, machen alles ehrenamtlich und beuten uns selber aus. Unsere Altbausubstanz verfällt. Eine Sanierung muss dringend her", sagt Karin Slogsnat vom Vorstand des Tierschutzvereins Treuen und Umgebung. 30 Cent pro Einwohner von Treuen und Neuensalz bringen rund 3000 Euro im Jahr. Allein pro Monat habe das Tierheim aber Ausgaben in Höhe von 2000 Euro, darunter für Futter, Heizung und Tierarztkosten. "Wir hatten schon 2017 einen Antrag an Bürgermeisterin Jedzig gestellt. 2018 haben wir 3999 Euro Zuschuss für den Tierheimanbau bekommen", so Slogsnat.

Die Stadtverwaltung bestätigt das. Was die Pauschale angeht, schreibt Pressesprecher Philipp Kober aber: "Eine höhere Zahlung ist hinsichtlich des Vertragszweckes, der sich lediglich auf Fundtiere bezieht, nicht zwingend notwendig." Karin Slogsnat widerspricht: "Ein Euro pro Einwohner wäre gut. Es ist beschämend, dass für den Tierschutz kein Geld da ist. Immerhin geht es um Lebewesen."

Adelheid Friedrich, die das Tierheim Limbach des Tierschutzvereins Reichenbach und Umgebung leitet, sieht das genauso: "30 Cent pro Einwohner und Jahr reichen hinten und vorn nicht mehr. Alles ist teurer geworden, teils drastisch, wie beim Benzin." Die Öffnungszeiten im Ehrenamt abzusichern, falle schwer. Dabei habe die Anzahl ausgesetzter Tiere 2018 drastisch zugenommen. Der Verein wolle daher Reichenbach, Netzschkau, Lengenfeld und Pöhl wegen einer Erhöhung der Umlage anschreiben. Reichenbachs OB Raphael Kürzinger (CDU) verweist darauf, dass 2018 der mit 1370 Euro dotierte Bürgerpreis an den Tierschutzverein gegangen sei. Über die Pauschale müsse man in der Haushaltsberatung reden.

Der Tierschutzverein Auerbach und Umgebung, der das Tierschutzzentrum in Falkenstein betreibt, hat seit 2007 Verträge mit den umliegenden Kommunen. Die Stadt Falkenstein stellt dem Verein zudem das Objekt mietfrei zur Verfügung und trägt Betriebskosten. Auf der jüngsten Sitzung des Strategieausschusses des Mittelzentralen Städteverbundes Göltzschtal im September hat sich Vereinsvorsitzende Ursula Reinhold für eine Erhöhung der Pauschale ausgesprochen. Sie hofft, dass sich 2019 etwas tut.

"2006 ist man wahrscheinlich davon ausgegangen, dass 0,30 Euro je Einwohner für die Tierschutzvereine kostendeckend sind. Heute wissen wir, dass es nicht ausreicht", sagt Bettina Thoß, Sachgebietsleiterin Tierseuchenbekämpfung und Tierschutz im Landratsamt. Die Arbeitsgemeinschaft "Fundtiere" habe bereits 2013 ein Muster für einen "Fundtierkostenpauschalvertrag" ausgereicht. Darin wird von einer Pauschale in Höhe von 1 Euro je Einwohner ausgegangen.

Ein Blick zum Nachbarn lohnt: Das Erzgebirge macht vor, wie es geht. Der Tierschutzverein Stollberg, der die Pflichtaufgabe der Unterbringung von Fund- und Verwahrtieren übernimmt, erhält von den Kommunen des Altkreises Stollberg seit 1. Januar 80 Cent pro Einwohner und ab 2020 einen Euro. Im Altkreis Annaberg gilt für das Gros der Kommunen seit 2015 eine Umlage von 70 Cent pro Einwohner.

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