Tourismus: Viele Puzzle, kein Gesamtbild

Das obere Vogtland besitzt neben seiner Natur interessante Angebote für Gäste. Doch es gibt Defizite. Vier Beispiele.

Klingenthal/Schöneck/Muldenhammer.

Die touristische Entwicklung wird derzeit in vielen Orten im der Region aufgerufen. Sind die Problemfelder auch unterschiedlich, so eint doch alle der Wunsch nach Vernetzung.

Beispiel Gunzen: Im Dorf hat der Förderverein Obervogtländische Eisenbahnen (OVEB) seinen Sitz. Der betreibt die Bahnlinie zwischen Adorf und Zwotental. Christoph Kopp, Vorsitzender des OVEB, sieht ein ausreichendes Potenzial für eine touristische Nutzung. Die einzelnen Angebote müssten aus seiner Sicht nur vernetzt werden. Die Bahnstrecke liegt mitten im Musikwinkel - quasi im Schnittpunkt von Adorf, Markneukirchen, Schöneck und Klingenthal, die Fahrtage mit dem Schienentaxi sind gut frequentiert. Konkrete Reaktionen auf das Angebot des OVEB gab es bislang nicht.


2009 haben die Gunzener zur 600-Jahr-Feier des Dorfes die Tradition der Pechsiederei wiederbelebt. Inzwischen zeigten sie das alte Gewerbe in Muldenberg, Markneukirchen, nun sind sie auch in Landwüst dabei. "Wir haben schon immer regional über den Tellerrand geschaut", sagte Ortsvorsteher Ingo Penzel (Freie Wähler), als Gunzen als einziger Ort im oberen Vogtland am Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" teilnahm.

Beispiel Klingenthal: Im Zuge der Diskussion um eine höhere Kurtaxe für Klingenthal hatte Bettina Baumgärtel vom Landgasthof Zwota auf einer Zusammenkunft der Vermieter erneut auf das Thema Radwege aufmerksam gemacht. Durch die E-Bikes besteht nach ihren Worten die Möglichkeit, den Rad-Tourismus auch im Aschberggebiet noch einmal für eine größere Zielgruppe ins Blickfeld zu rücken. Die Idee grenzüberschreitender Radwege verfolgt auch Vladimir Vorm, der neue Bürgermeister von Schönbach/Luby. Doch wer packt das Thema Rad- tourismus als Ganzes neu an?

Beispiel Schöneck: Touristische Themen spielen auch mit Blick auf die Kommunalwahlen am 26. Mai eine Rolle. In Schöneck fordern die Freien Wähler die chancengleiche Förderung aller touristischen Projekte neben den Großprojekten Ski- und Bikewelt. Zudem sollen touristische Angebote in Stadtkernnähe angesiedelt werden. Dabei hat man vor allem den Jugend- und Stadtpark im Blick.

Beispiel Muldenhammer: In Muldenhammer will sich die Linke einsetzen für die Umsetzung des schon seit Monaten diskutierten Geopark-Projekts "Sagenhaftes Vogtland". Eine Studie der TU Freiberg zum Geopark liegt vor. Zentrum soll der Schneckenstein mit dem Schaubergwerk "Grube Tannenberg" und dem Mineralienzentrum sein. Projektpartner sind Falkenstein, Ellefeld, Neustadt, Grünbach, Bergen, Werda sowie die Ortsteile Tannenbergsthal und Hammerbrücke von Muldenhammer. Von der Idee, auch die Nachbarstädte Klingenthal und Schöneck mit einzubinden, scheint man sich verabschiedet zu haben.


Kommentar: Potenzialverschenkt

Eine Überarbeitung der Marketingstrategie für die Region war angeregt worden, als im März in Klingenthal über die Erhöhung der Kurtaxe beraten wurde. Angesprochen hatten das Thema Vermieter. Sie sind in der Regel der erste Ansprechpartner für Lob oder Kritik der Gäste. Dass ein neues Marketing für das obere Vogtland nötig ist, merkt jeder, der die Entwicklung verfolgt. Den vielen lokalen Angeboten fehlt die Vernetzung, zu viel bleibt dem Zufall überlassen. Die vom Fremdenverkehrsverband Vogtland verfolgte Strategie, dass zunächst die Kommunen gemeinsam Angebote erarbeiten, die dann der Verband auf Messen präsentiert, kann nicht funktionieren, solange es keine Zusammenarbeit zwischen den Kommunen gibt. Gerade die könnte und müsste aber der Tourismusverband fördern. Potenzial ist da. Doch es wird zu oft verschenkt. Das beste Beispiel ist der Schneckenstein, für den es schon 2011 Ideen für die Aufnahme ins Weltkulturerbe gab. Er schaffte es bis auf die sächsische Kandidatenliste. Dann war Schluss - auch weil Steffen Gerisch als damaliger Macher in der Region ziemlich allein dastand.

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