Vereinschef hat den Schlüssel griffbereit

Seit dem Vorjahr besitzt Klingenthal einen der schönsten Sportplätze im Vogtland. Aber zum einjährigen Jubiläum präsentiert er sich menschenleer. Das Coronavirus legt derzeit alles lahm. Dabei gibt es noch zu tun.

Klingenthal.

Rico Dörfel hat den Schlüssel schnell bei der Hand, auch das Schloss klemmt noch nicht. Wenige Schritte später steht er fast verloren auf dem Kunstrasen des Dürrenbach-Sportplatzes. Seit einigen Wochen ist hier sonst maximal Platzwart Jörg Leistner anzutreffen.

Knapp ein Jahr ist es her, dass rund 250 Klingenthaler die Einweihung der Anlage erlebten, mit Gästen wie der Bundestagsabgeordneten Yvonne Magwas (CDU), und Helge Leonhardt, dem Chef des FC Erzgebirge Aue.

Aus dem zuvor traurigsten Sportplatz des Oberlandes war einer der schönsten im ganzen Vogtland geworden. Neben dem Kunstrasenplatz gibt es eine moderne Laufbahn, Anlagen für Kugelstoßen, Weit- und Hochsprung, einen öffentlich nutzbaren Bolzplatz sowie ein Basketballfeld. LED-Scheinwerfer sorgen in der dunklen Jahreszeit für Licht. 1,3 Millionen Euro staatliche Zuschüsse flossen in den Sportkomplex und deckten damit 90 Prozent der Kosten.

"Für uns war die Sanierung der Anlage eine Wende um 180 Grad", konstatiert Rico Dörfel im Rückblick. Sportlich hat der FSV Klingenthal auf dem neuen Platz bislang noch kein Pflichtspiel verloren!

Eng wird es aber, wenn - wie beim Derby gegen Schöneck - auch viele auswärtige Zuschauer kommen. Dann sind Parkmöglichkeiten vor dem Sportplatz knapp, der Linienbus bekommt Probleme an der Wendestelle. "Da müssen wir uns noch einmal zusammensetzen", sagt Oberbürgermeister Thomas Hennig (CDU). Die Stadt hat die Fläche zwischen der Sportanlage und dem Wald mit Aushubmaterial, das bei Erweiterung des Kanülenherstellers Injecta angefallen ist, auffüllen und planieren lassen. Diese Fläche soll laut Hennig für Veranstaltungen des Vereins oder zum Parken bei Topspielen genutzt werden: "Dazu müssen aber noch einige Verkehrsschilder umgesetzt werden".

Es schmerzt , dass die Anlage derzeit nicht genutzt werden kann. "Wir haben ja auch viele Kinder und Jugendliche im Verein. Ich bekomme fast täglich Anfragen, wann es wieder los geht. Ich muss sie vertrösten", sagt Dörfel. Selbst der beliebte Bolzplatz ist gesperrt.

Der sportliche Teil ist nur eines der aktuellen Probleme. Das traditionelle Besenbrennen am 30. April, eine der Haupteinnahmequellen für den Verein, kann nicht stattfinden. Thorsten Voigt wollte im Mai sein 20-jähriges Jubiläum als Sportlerwirt feiern, das Akkordeonorchester Klingenthal sollte dazu spielen. Daraus wird vorerst nichts.

Im Juli werden es 30 Jahre, dass die beiden Klingenthaler Vereine Aufbau und Dynamo zum FSV 90 fusionierten. Dazu wollte man ein Blitzturnier mit Mannschaften aus der Region durchführen. Der Landtagsabgeordnete Sören Voigt (CDU) gab den Tipp, dafür erst für den September zu planen. "Auch die Turniere mit den Kindergärten und der Grundschule werden wir wohl nicht durchführen können", zeigt sich Rico Dörfel realistisch.

Der sanierte Dürrenbach-Sportplatz stand bislang nicht nur den Fußballern vom FSV und dem Schulzentrum auf dem Amtsberg zur Verfügung. Auch andere Vereine der Stadt nutzen die Anlage, ebenso die Bundespolizei. "Die Schlüssel dazu holte man sich bislang bei uns. Nutzungsverträge durch die Stadt gibt es nach meinem Wissen noch nicht", zeigt Dörfel auf.

Ergänzen wollte der FSV die Anlage in diesem Jahr mit einem Trakt mit Umkleidekabinen und vier Duschen, vor allem für die Gästemannschaften, aber auch für den Schulbetrieb. Rico Dörfel ist derzeit zurückhaltend: "Wir haben zwar schon verschiedene Zusagen, aber ich bin mir noch nicht sicher, ob wir das Vorhaben in diesem Jahr tatsächlich umsetzen können".

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