Vogtländer hat die Rettung revolutioniert

Siegfried Steiger ist am Sonntag in seinem Geburtsort Schönberg mit einer Gedenktafel geehrt worden. Anlass ist sein 90. Geburtstag.

Schönberg.

Die Dunkelheit senkte sich am Sonntag langsam über den südlichsten Ort Sachsens, als die Signale der Feuerwehrautos aufheulten. Nicht, weil sie zu einem Einsatz ausrücken mussten: Es waren Signale der Hochachtung für einen am 15. Dezember 1929 in Schönberg geborenen Mann, der wie kaum ein anderer Vogtländer eine solche Würdigung verdient hat. Für ihn wurde gegenüber des Feuerwehrgebäudes eine Gedenktafel enthüllt, entworfen von der Björn-Steiger-Stiftung in Winnenden (Baden-Württemberg), gefasst auf Bad Brambacher Granit.

Was war, ist und bleibt das Verdienst von Siegfried Steiger? Das stand im Mittelpunkt einer Festveranstaltung im Schönberger Schloss. Siegfried Steiger und seine Frau Ute verloren am 3. Mai 1969 ihren achtjährigen Sohn Björn durch einen tragischen Unfall, bei dem er von einem Auto erfasst wurde. Dass ihm nicht mehr geholfen werden konnte, lag daran: Es dauerte eine Stunde, bis der Krankenwagen am Unglücksort eintraf. Ein für die Eltern schmerzhafter Verlust, wie er für Eltern schmerzhafter und tragischer nicht sein kann. Sie entschlossen sich, am 7. Juli 1969 die Björn-Steiger-Stiftung ins Leben zu rufen, mit dem Ziel, die deutsche Notfallhilfe entscheidend zu verbessern, ja, zu revolutionieren. Ihr Ziel und Anspruch ist "Wir helfen Leben retten". Präsident der Stiftung ist heute der zweite Sohn Pierre-Enric Steiger.

Im Beisein von Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr, des Deutschen Roten Kreuzes und der Bergwacht umriss Pierre-Enric Steiger die Verdienste seines Vaters: "Schritt für Schritt und unter vielen Mühen brachten er und meine Mutter einschneidende Veränderungen auf den Weg: bundesweite Notrufnummern 112 und 110, Notrufsäulen am Straßenrand, 24-Stunden-Notarztsystem, Rettungswagen rund um die Uhr, Sprechfunkstandard im Rettungsdienst, das Berufsbild Rettungssanitäter, Baby-Notarztwagen. Meinem Vater bedeutet es deshalb sehr viel, dass ihn die Heimat heute in einem so würdigen Rahmen in Erinnerung hält." Auch Siegfried Steiger selbst zeigte sich in einer Videobotschaft sehr gerührt und bedankte sich herzlich. Aus gesundheitlichen Gründen konnte er nicht anwesend sein.

Bis heute fühlt sich Siegfried Steiger seinem Geburtsort Schönberg und der Region Vogtland verbunden. Nach der Wende beispielsweise lieferten sie hierher erste Notruftelefone und auf Betreiben der Stiftung bekam Zwickau einen der ersten Rettungshubschrauber in den neuen Bundesländern. Pierre-Enric Steiger überreichte am Sonntag der neuen Bad Brambacher Allgemeinmedizinerin Jana Wiesnerová und Bürgermeister Schüller einen Defibrillator und erhielt als Gegengeschenk einen vogtländischen Lichterbogen - zur Erinnerung an die Heimat.

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