Vogtländer schreibt Posaunen-Geschichte

Vor 200 Jahren wurde in Grün bei Bad Elster der Instrumentenbau-Pionier Johann Christoph Penzel geboren. Ab dem 6. Mai wird eine Sonderausstellung in Markneukirchen auch an ihn erinnern.

Grün/Markneukirchen.

Von der Peripherie des Musikwinkels in die Messestadt: Das ist die Geschichte von Johann Christoph Penzel (1817 bis 1879) aus Grün bei Bad Elster, dessen Name für Leipziger Posaunen mit vogtländischen Wurzeln steht. Im Jahr des 200. Geburtstages von Penzel gibt es ab 6. Mai eine Sonderausstellung in Markneukirchen. Sie steht unter dem Titel "Die Deutsche Posaune im Vogtland" und verrät im Untertitel, dass es um den "Vogtländischen und Leipziger Posaunenbau vom Beginn um 1800 bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts" geht.

Fachleute wissen, dass im 19. Jahrhundert in Leipzig eine Form der Posaune entwickelt wurde, die mit ihrer weiten Mensur den Ansprüchen romantischer Komponisten besonders entsprach und bis heute das Klangbild deutscher Orchester prägt. Zu ihren äußeren Besonderheiten gehört oft ein "Schlangenkamm", das ist ein besonders fein und in Form sich windender Reptilien gestalteter Abschluss des oberen und unteren Bügels der Posaune. Für diese Instrumente hat man Bezeichnungen wie "Deutsche Posaune", "Leipziger Posaune" oder "Penzel-Posaune" geprägt. Hier sollte der Vogtländer aufmerken: Penzel, ist das nicht ein Name aus unserer Region? Wie kommt dieser zur Posaune und nach Leipzig?

In der Messestadt wirkte zunächst der bekannte Meister Christian Friedrich Sattler (1778 bis 1842). Er ist nicht nur der Erfinder des heute allgemein üblichen Quartventils der Posaune, sondern stand auch an der Wiege des bereits erwähnten Leipziger Modells. Allerdings wäre seine Entwicklung auf halbem Wege stehen geblieben, hätte nicht ein Vogtländer die Werkstatt fortgesetzt. Denn Sattler hatte keinen männlichen Nachfolger, aber einen wackeren Gesellen. Dieser übernahm 1842 die Firma und heiratete drei Jahre später Pauline, die Tochter des verstorbenen Meisters. In Zeiten des Zunfthandwerks war das nicht unüblich, weibliche Nachfahren des Meisters blieben versorgt und das Geschäft ging in gute Hände.

Mit dem wackeren Gesellen ist Johann Christoph Gottlieb Penzel gemeint, von dem bisher folgendes bekannt ist: Am 15. März 1817 wurde er als Kind einer eilig geschlossenen sächsisch-böhmischen Grenz-Ehe geboren. Sein Vater, von Beruf Müller und Zimmermann, stammte aus der unteren Mühle zu Elster - seine Mutter war in Grün in Böhmen aufgewachsen, wo das junge Paar 1817 dann auch ansässig war. So steht es im Kirchenbuch von St. Trinitatis, das seinerzeit auch kirchliche Amtshandlungen dokumentiert hat, die bis ins Ascher Ländchen reichten. Tauftag war der 17. März, die Fachliteratur hat ihn bisher fälschlich als Penzels Geburtstag ausgegeben. Elster als Geburtsort zu bezeichnen, ist ebenfalls nicht korrekt, aber man kann annehmen, dass er nach dem frühen Tod der Mutter dorthin zurückkehrte.

Wie J. C. Penzel zum Metallblasinstrumentenbau kam, lässt sich nur vermuten. Da er in Akten der Markneukirchner Blasinstrumentenmacher-Gesellschaft nicht verzeichnet ist, nimmt man an, dass er in Adorf lernte. Denn dort gab es im 19. Jahrhundert etliche fähige Metallblasinstrumentenmacher, von denen heute noch das eine oder andere Instrument erhalten ist. Nach der Lehre schloss sich die Gesellenwanderschaft an. Diese muss Penzel nach Leipzig geführt haben, und erst dort wird sein Wirken greifbar. Zum einen gibt es Instrumente, die seine Gravur tragen und als Prototypen der deutschen Posaune gelten können. Zum anderen haben nach seinem Tod viele Werkstätten seine Bauweise übernommen und Posaunen in ihren Angeboten als "Leipziger- oder Penzel-Modell" bezeichnet. Penzel war am 5. Mai 1879 in Leipzig verstorben, sein Sohn Robert 1880.

Interessanterweise waren es zwei aus Adorf stammende "Landsleute" Penzels, die sich in Leipzig für seinen Nachfolger ausgaben, obwohl sie erst neun beziehungsweise 23 Jahre später eigene Werkstätten eröffneten. Zu nennen ist Hermann Robert Schopper (1859 bis 1938). Er hatte noch 1878 bei Penzel in Leipzig gearbeitet. Nach einer längeren Gesellenwanderschaft mit Aufenthalten in Berlin, der Schweiz, in Mailand sowie bei Heckel in Dresden kehrte er 1888/89 nach Leipzig zurück. Als dessen Konkurrenten gelten Gustav Ullmann (1845 bis 1915), offenbar zeitweise Mitarbeiter Penzels, und Reinhold Oskar Ullmann (1875 bis 1938), der sich 1902 in Leipzig selbstständig machte. Auf den Posaunen von Vater und Sohn Ullmann steht nicht nur ihr Name, sondern der Hinweis "J. C. Penzel's Nachf." sowie das Gründungsjahr 1763, mit dem man sich auf den frühesten Beginn der Sattler'schen Firma unter Carl Leo Sattler bezog.

Der heute in Washington ansässige Musikwissenschaftler Herbert Heyde vermutet, dass sich der in Annoncen, Signaturen und Adressbucheinträgen formulierte Nachfolgeanspruch auf den (teilweisen) Erwerb des Werkstattinventars von J. C. Penzel gründet. Aus heutiger Sicht könnte man behaupten, dass man die Penzel-Posaune um 1900 zu einer Marke entwickelt hat.

Noch viele Zusammenhänge werden zu klären sein, aber klar ist, dass die Entwicklung des bekannten Leipziger Posaunenmodells ohne vogtländische Gesellen und Werkstattnachfolger nicht so verlaufen wäre, wie man es ab Mai im Markneukirchner Museum sehen kann.

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