Vogtlandfirmen suchen intensiv nach Lehrlingen

Immer mehr junge Leute gehen mit dem Ziel aufs Gymnasium, später zu studieren. Ein Trend, der sich verstärken wird.

Plauen.

"Die Wirtschaft bekommt nicht die Leute, die sie braucht, um ihre Lehrstellen zu besetzen", sagt Herbert Pscherer. Der Geschäftsführer des gleichnamigen Lengenfelder Bildungsinstitutes ist auch Präsidiumsmitglied der IHK-Regionalkammer Plauen. Die Industrie- und Handelskammer hatte gestern zum Jahrespressegespräch geladen.

Laut IHK-Geschäftsführer Michael Barth dürfen etwa 1000 der 14.000 Mitgliedsunternehmen der Kammer ausbilden. Aktiv bilden davon derzeit etwa 400 Firmen über 1500 Jugendliche in drei Lehrjahren aus. Die IHK unterstützt die Firmen bei der Lehrlingssuche unter anderem mit einer großen Ausbildungsmesse in Plauen. Das Besetzen der Lehrstellen wird immer schwieriger. Ursachen sind laut Pscherer neben dem Rückgang der Geburtenzahlen, dass 60 Prozent der Schüler studieren und nur 40 Prozent einen Beruf erlernen. "Vor 20 Jahren war das umgedreht." Dabei werde sich der Trend, dass immer mehr junge Leute das Gymnasium besuchen, verstärken. Hintergrund ist, dass die Bildungsempfehlung für Schüler der vierten Klasse nur noch beratenden Charakter hat. Die Eltern entscheiden heute darüber, ob ihre Kinder aufs Gymnasium wechseln.

"Dabei haben wir so ein tolles Bildungssystem, wonach bei uns Oberschüler nach einer Ausbildung noch an die Berufsakademie (BA) gehen und später an einer Hochschule studieren können", sagt Theodor Kiessling, Präsident der IHK-Regionalkammer Plauen. Der Bildungsweg habe den Vorteil, dass die jungen Leute im Alter von 25 Jahren Berufsausbildung und den Abschluss eines BA-Studiums vorweisen können. "Die bekommen immer einen Job."

Dass das Lohnniveau im Vogtland eine Ursache dafür ist, dass sich viele junge Leute für eine Ausbildung in anderen Regionen entscheiden, wollte Barth nicht gelten lassen: "Der Ansatz der allermeisten Unternehmer ist ja nicht: ,Wie beute ich meine Leute am besten aus.'" Nach Ansicht von IHK-Präsidiumsmitglied und Goldbeck-Geschäftsführers Lars Luderer ziehen junge Leute weg, "weil die Ballungsräume eine große Anziehungskraft ausüben". Seiner Meinung nach stieg das Lohnniveau im Vogtland seit dem Jahr 2000 um 15 bis 20 Prozent.

Insgesamt gibt es im Vogtlandkreis rund 21.000 Unternehmen. Neben den Firmen der IHK sind das noch etwa 4000 Handwerksbetriebe, 1800 Freiberufler wie Künstler sowie rund 1200 Landwirtschaftsbetriebe.

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