Was August der Starke den Falkensteinern erlaubte

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Das Stadtarchiv Falkenstein birgt noch Schätze zur Geschichte des Bergbaus in der Region am Schneckenstein. Jetzt werden sie gehoben.

Falkenstein/Schneckenstein.

Das Gebiet um den Schneckenstein ist eine geschichtsträchtige Region. "Der Commun-Stollen, der Vorläufer der Grube Tannenberg, ist 1507 erstmals urkundlich erwähnt", sagt Steffen Gerisch, der Chef des Besucherbergwerks am Schneckenstein. Noch vier Jahre früher datiert nach seinen Informationen die Erst- erwähnung des Schneckensteins - was die Frage aufwirft, ob dessen begehrte Topase wirklich erst 200 Jahre später durch den Auerbacher Tuchmacher Kraut entdeckt wurden oder ob die Fundstelle schon viel früher einmal bekannt war.

Betrieben wurde der Bergbau am Schneckenstein von Falkenstein aus, das 1448 Stadtrecht erhalten hatte und ab 1469 die scheinbar einzige Freie Bergstadt im Vogtland war. Durch den Bergbau genossen die Falkensteiner Bürger eine Reihe von Privilegien. So mussten sie nur die Hälfte der landesweit üblichen Land- und auch Tranksteuer bezahlen. In einem Dekret von 1624 sind deshalb auch extra die brauberechtigten Einwohner erwähnt.

Besagtes Dokument befindet sich im Falkensteiner Stadtarchiv. Es ist das bislang älteste bekannte Schreiben, in dem die Rechte der Stadt in Verbindung mit dem Bergwerk verbrieft sind. Entdeckt wurde es in Verbindung mit den Nachforschungen in Bezug auf den geplanten Geopark "Sagenhaftes Vogtland", dessen Zentrum der Schneckenstein mit Schaubergwerk, Topaswelt und dem Felsen werden soll.

Verlängert wurde das besagte Dekret demnach in den Jahren 1671 durch Kurfürst Johann Georg I., dann 1724 durch Friedrich August I. (August der Starke), nachdem die in Falkenstein ansässige Familie von Trützschler ein entsprechendes Ersuchen gestellt hatte. Die wahrscheinlich letzte Befreiung der Falkensteiner von der Hälfte der Land- und Tranksteuer durch den Bergbau erfolgte 1770 durch Friedrich August III., Kurfürst und König von Sachsen.

Übersetzt, wenn man das so sagen kann, wurden die Dokumente von Irmgard Meisel aus Zwota, die historische deutsche Schrift noch weitgehend lesen kann. Schließlich tauchen darin oft Begriffe auf, die längst außer Gebrauch sind. So ist "indebite" eine veraltete Kaufmannssprache für irrtümlich geleistete Zahlungen, während "exigible" ein französischer Begriff ist, der ursprünglich für das Einklagen von Steuern verwendet wurde.

Im Falkensteiner Archiv finden sich auch Auflistungen aus den Jahren 1578 und 1582 über Steuern, die die Stadt von den Bürgern eingenommen hat. Daraus geht hervor, dass mehrere Bürger Abgaben auf sogenannte "Bachpfannen" leisteten. Laut dem Frühneuhochdeutschem Wörterbuch scheint damit die spätere Backpfanne gemeint, wobei aber die genaue Verwendung aus den bisher bekannten Belegen nicht erkennbar ist. Die ursprüngliche Annahme, dass die Bachpfanne eventuell mit der ab 1564 bekannten Goldgewinnung aus der Göltzsch zu tun haben könnte, lässt sich daher nicht belegen.

Steffen Gerisch freut sich jedenfalls, dass mit den Urkunden eine weitere Lücke in der Geschichte geschlossen werden kann. Und der Tannenbergsthaler Heimatverein Topas, der in seiner neu gestalteten Ausstellung im Herrenhaus auch an die Bergbaugeschichte des Schneckensteins erinnert, hat Geopark-Geschäftsführer Denis Loos eine enge Zusammenarbeit angeboten.

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