Welche Akzente die neue Chefin im Freilichtmuseum setzen will

In Landwüst und Eubabrunn sieht Uta Karrer viel Potenzial. Als Leiterin wurde sie ins kalte Wasser geworfen. Aber da fühlt sich die 35-Jährige wohl.

Landwüst/Eubabrunn.

Abwarten ist ihre Sache nicht, sie geht lieber in die Vollen: Uta Karrer, die neue Leiterin des Freilichtmuseums Landwüst/Eubabrunn, hat klare Vorstellungen, wie sich die Schauanlage entwickeln kann. "Ich finde beide Standorte spannend und finde super, wie motiviert die Mitarbeiter sind - sie haben eine starke emotionale Bildung zu den Standorten", betont die Chefin, die seit Anfang April im Amt ist. Handwerk, Kartoffelanbau, Musik im Alltag heißen die Themen, mit denen die Kulturantrophologin das Museum profilieren will - und hier Anknüpfungspunkte mit vielen Akteuren im oberen Vogtland sieht. Zugleich, sagt die 35-Jährige, sollen die ab diesem Jahr fusionierenden beiden Museumsstandorte als eine Einheit auftreten.

Einarbeitungszeit, Herantasten, Hineinschnuppern, dies alles waren für die gebürtige Nürnbergerin in ihren ersten Wochen Fremdworte. Der Prozess des Zusammenführens beider Museumsstandorte, das große Festwochenende 700 Jahre Landwüst - für Uta Karrer viel Arbeit und Gelegenheit, Mitarbeiter wie Ehrenamtliche kennenzulernen. "Es hat ganz viel Spaß gemacht", resümierte sie zum Beispiel das Ortsjubiläum, das mehr als 1400 Gäste nach Landwüst lockte. In Zusammenarbeit mit der Vogtland-Kulturgesellschaft als Träger des Museums - Geschäftsführer Helmut Meißner ist ebenfalls erst seit Januar im Amt - und mit Begleitung der Stadt Markneukirchen sind zudem bereits Weichen für die Entwicklung gestellt. Es gibt zwei Projektstellen, gefördert durch Kulturraum und Sachsens Wissenschaftsministerium. Frank Rentzsch wird zunächst auf ein Jahr befristet die Bestände in Landwüst und Eubabrunn erfassen. Zudem wird eine zweite Museumspädagogin eingestellt. Bislang deckt Annegret Thalwitzer alles allein ab. "Mit 25 Stunden in der Woche an beiden Standorten, das reicht überhaupt nicht", schätzt die Museumsleiterin ein.

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An ihren bisherigen Stationen ist Uta Karrer vielfach mit Alltagskultur, ländlicher Lebenswelt sowie Osteuropa in Berührung gekommen. Studiert hat die Museumsleiterin im Rheinland, war zwei Jahre in Mexiko und schrieb ihre Magisterarbeit über Keramik in Peru. Ihr Doktorat absolvierte Uta Karrer in München und Basel - verteidigt hat sie ihre Doktorarbeit über Kunstobjekte in Polen aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bereits, an der Publikation sitzt sie gerade. Zweieinhalb Jahre arbeitete sie in Basel für die Schweizerische Gesellschaft für Volkskunde, war am Alten Schloss Schleißheim in München, am Völkerkundemuseum Herrnhut und voriges Jahr ganz kurz als Museumsleiterin in Löbau tätig - und ist nun im Vogtland. "Gereizt hat mich die Stelle, weil ich hier viel einbringen und gestalten kann", betont die in Markneukirchen wohnende Mittdreißigerin. Für die Sammlungen des Museums brauche es eine klare Strategie - abgestimmt auf Auftrag und Ziel des Museums. Dazu gehören auch exemplarisch Sachzeugen, denn die könnten bäuerliches Leben anschaulicher dokumentieren als jede Schriftquelle, sagt Uta Karrer.

Markneukirchens Bürgermeister Andreas Rubner (parteilos) hofft, dass die neue Chefin von 17 Mitarbeitern (viele in Teilzeit) und 37 historischen Gebäuden kein Zugvogel ist, sondern viele Jahre im oberen Vogtland wirken wird. Kontinuität sei wichtig, pflichtet da Helmut Meißner bei: "Für uns ist das Freilichtmuseum ein Kleinod im oberen Vogtland, das wir nicht nur erhalten, sondern dessen Standorte wir noch attraktiver machen wollen."

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