Wirbel um Unterricht und Aktionen am Gymnasium

Vorwurf der Beeinflussung von Schülern wird laut - Direktor widerspricht

Markneukirchen.

Schwere Vorwürfe zum Unterricht am Gymnasium Markneukirchen sind zur Stadtratssitzung laut geworden. Udo Fuchs, Ortschaftsratsvorsitzender von Siebenbrunn und AfD-Kreisrat, bezog sich auf ein theaterpädagogisches Stück an der Schule. Dabei sollten sich Schüler vorstellen, in Folge des Auseinanderbrechens der EU sei ein Krieg in Europa ausgebrochen, die Kinder müssten mit ihren Familien fliehen. "Wiederholt, alle paar Wochen, immer von der CDU" käme so etwas an der Schule vor, erregte sich Fuchs. Auf Schüler werde massiv eingewirkt, schilderte eine Mutter. So seien Unterschriften von Minderjährigen unter Vorspiegelung falscher Tatsachen gesammelt und ins Ausland geschickt worden. Wie sich das damit vertrage, dass bis Klasse 8 kein politischer Unterricht stattfinde, wurde gefragt. Die Beeinflussung komme von der CDU. Bundestagsabgeordnete Yvonne Magwas ist Patin des Projekts "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" am Gymnasium.

Der Direktor des Gymnasiums Markneukirchen, Norbert Hildebrand, widerspricht der Kritik: "Ich bin 1990 aus der CDU ausgetreten und denke nicht daran, wieder einzutreten", sagte der Pädagoge zum Vorwurf, die CDU steuere den Unterricht an der Schule. Aus seiner Sicht werden mehrere Sachen vermengt. Zum Theaterprojekt mit Schauspielern des Plauener Theaters steht Hildebrand. Sich in die Lage anderer zu versetzen, sei für das Leben eine sinnvolle Zurüstung.

Um den Titel "Schule mit Courage" zu verteidigen, brauche es Aktionen, erklärt Hildebrand. Eine davon: der Briefmarathon "Schreib für Freiheit" von Amnesty International. Schüler schreiben an Regierende im Ausland und setzen sich für Menschenrechte ein. Es sei kein Kind genötigt worden, solch einen Brief zu schreiben, so Hildebrand. Nach seinen Worten wurden 2017 200 Briefe von Markneukirchner Gymnasiasten versandt, 2018 waren es 809.

Eins räumt der Direktor ein: Auf den Briefen 2017 waren die Anschriften der Schüler vermerkt. "Da haben wir nicht gut genug darauf geachtet", sagt er. 2018 stand die Anschrift des Gymnasiums als Absender auf den Briefen. Hildebrand erklärte, er habe am 4. Dezember im Elternbrief auf die Aktion verwiesen - mit dem Hinweis, sie sei freiwillig. Drei Tage später hab es dann eine als Offener Brief adressierte Reaktion von Eltern gegeben, in dem sie begründeten, warum sie die Aktion ablehnen, ihre Kinder nicht teilnehmen - und was aus ihrer Sicht in Deutschland falsch laufe. "Ich habe mich dann hingesetzt und anderthalb Seiten Fakten geliefert", erklärt Hildebrand. "Ich habe auch ein persönliches Gespräch angeboten." Stattdessen hätten Eltern Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) am 5. Februar einen Ordner mit 80 Fragen übergeben, als Hildebrand das Bürgerforum bereits verlassen habe, so der Direktor.

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...