Wo der Teamchef der Feuerwehr zum Einzelkämpfer wird

Die Tischlerei von Jens Jacob feiert in diesem Jahr Jubiläum. Er führt den Betrieb allein - und sieht darin viele Vorteile.

Oelsnitz.

Kleines Jubiläum in Oelsnitz: Die Tischlerei Jacob am Rudolf-Breitscheid-Platz existiert an diesem Standort seit dem Jahr 1845, wird also in diesem Jahr 175 Jahre alt. Heute wird sie von Jens Jacob, dem Stadtwehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr, in sechster Generation geführt.

Im Jahr 2005 hat der Oelsnitzer den Betrieb von seinem Vater Dieter Jacob übernommen und führt ihn als Einzelkämpfer in Eigenregie. Wie er sagt, hatte jede Generation in seiner Familie berufliche Höhen und Tiefen erlebt. Sei es beispielsweise im Zweiten Weltkrieg oder auch zu DDR-Zeiten, in denen der Staat private Unternehmen das Leben nicht leicht machte. "Die volkseigenen Betriebe in der Handwerksbranche wurden oft mit Material zuerst beliefert. Für die nicht systemkonformen Betriebe hingegen war es wesentlich schwieriger, da gab es oft Engpässe", erzählt Jens Jacob. Dafür habe die Branche heute wieder andere Probleme - und diese liegen am fehlenden Nachwuchs. Um diesen sei es schlecht bestellt. Das Handwerk sei generell für junge Menschen nicht interessant genug. Für viele stimme das Verhältnis zwischen Arbeit und Verdienst nicht. Deshalb müsse den Jugendlichen diese Tätigkeit erlebbarer gemacht werden. "Man muss ihnen vor Augen zu führen, dass es ein zufriedenstellendes Gefühl sein kann, wenn man etwas mit seinen eigenen Händen geschaffen hat, das auch einen Wert hat", meint der 51-Jährige. Auf der anderen Seite würden sich es sich viele privaten Betriebe dreimal überlegen, ob sie einen Lehrling einstellen können oder nicht. "Man muss ja auch soviel erwirtschaften, um sie bezahlen zu können. Für mich als Einzelkämpfer beispielsweise ist das fast unmöglich", sagt Jens Jacob.

Dass er seine Tischlerei ganz alleine betreibt, hat aus seiner Sicht Vorteile - insbesondere im Zusammenspiel mit seiner Tätigkeit bei der Oelsnitzer Feuerwehr. "Ich kann dadurch besser Entscheidungen treffen und auch mal beruhigt meine Werkstatt zuschließen, wenn ein Notruf eingeht." Aber auch im geschäftlichen Bereich fühlt er sich alleine wohl. Mit seinem breit aufgestellten Portfolio hat er sich seit vielen Jahren einen festen Kundenstamm erarbeitet. Von der Herstellung von individuellen Einbaumöbeln über Fußböden bis hin zu Reparaturaufträgen für private Kunden und Firmen reicht sein Spektrum. "Zu 95 Prozent habe ich Aufträge in Oelsnitz, der Rest ist in naher Umgebung, mehr brauche ich nicht", so Jens Jacob. "Ich schätze die Nähe zu meinen Kunden, denen ich auf kurzem Wege zur Verfügung stehen kann."

Durch die Doppelfunktion als Selbstständiger und Feuerwehrchef habe er so viel zu tun, sodass er das kleine Firmenjubiläum gar nicht richtig auf dem Schirm hatte. "Erst nach einem Hinweis bin ich darauf gekommen", sagt Jens Jacob. Seitdem hat er sich die Zeit genommen und etwas tiefer in die Geschichte seines Unternehmens geblickt.

Der Betrieb wurde von Christoph-Friedrich-Ernst Simon 1845 gegründet. Dessen Tochter, Frederike Louise, heiratete später Albert Jacob. Seitdem wird das Unternehmen in dieser Familienlinie über Generationen hinweg weitergeführt. Der Oelsnitzer vermutet jedoch, dass die Familientradition der Tischlerei wahrscheinlich mit ihm enden wird. "Meine beiden Töchter gehen beruflich andere Wege. Deshalb denke ich nicht, dass der Betrieb später einmal in der Familie gehalten werden kann", so Jens Jacob.

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