Agrargenossenschaft trennt sich von Mitarbeitern und Milchkühen

Ein Viertel aller Erzeuger im Vogtland reduziert die Milchmengen. Die Preise steigen leicht, doch es gibt jetzt erste Einschnitte, besonders in Coschütz.

Plauen/Coschütz.

Die vogtländische Landwirtschaft ist im Umbruch begriffen. Einige Betriebe steigen angesichts anhaltender Niedrigpreise ganz aus der Milchproduktion aus, etwa ein Viertel der 110 hiesigen Milcherzeuger reduziert ihren Tierbestand. Diese Zahlen nennt Michael Eckl, Leiter der Plauener Außenstelle des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und Geologie.

Zu den Aussteigern gehören kleinere Betriebe, einer in Hauptmannsgrün, einer in Landwüst, aber auch ein großes Unternehmen: die Agrargenossenschaft Am Kuhberg in Coschütz, deren Milchkuhbestand derzeit noch bei 550 Tieren liegt. Vorige Woche beschloss die Mitgliederversammlung den Ausstieg aus der Milchproduktion. "Wir werden die Tiere, soweit uns das gelingt, an andere Betriebe verkaufen oder schlachten", sagt Vorstandsmitglied Sabine Rinau. Und weiter: "Diese Entscheidung ist uns sehr schwer gefallen, ist aber aus wirtschaftlichen Gründen notwendig."

20 Mitarbeiter wurden entlassen. Sabine Rinau: "Es gab etliche Anfragen aus landwirtschaftlichen Betrieben, die gern unsere Mitarbeiter einstellen würden. Ich gehe also davon aus, dass diejenigen, die auch weiterhin in der Landwirtschaft arbeiten wollen, eine Stelle finden."

Trotz guter beruflicher Perspektiven hat die Entlassungswelle die Mitarbeiter hart getroffen. Viele arbeiten schon lange im Unternehmen. Eine Betroffene, die namentlich nicht genannt werden möchte, sagt: "Wir hingen schon seit Langem in der Schwebe. Das Arbeitsklima hatte sich verschlechtert. Richtig wohl gefühlt habe ich mich zuletzt nicht mehr, obwohl ich meine Arbeit gern mache und mich gut mit den Kollegen verstehe." Die Landwirtin hat noch nicht entschieden, ob sie in der Branche bleibt oder aussteigt. Sie sagt: "Das Wichtigste ist für mich nicht die Höhe des Lohns, sondern das Arbeitsklima."

Der Betrieb in Coschütz steht indes vor einer umfassenden Umstrukturierung. "Wir wollen die Mutterkuhhaltung ausbauen. Für die Ställe in Coschütz wollen wir uns eine andere Nutzung überlegen. Leer stehen sollen sie nicht", kündigt Sabine Rinau an. Der Grünlandanteil sei niedrig, die Wiesen werden künftig extensiv genutzt. Das heißt: drei statt wie bisher vier Schnitte pro Jahr und weniger Dünger. Das kommt auch der Artenvielfalt zugute. Nach außen hin sollen kaum Veränderungen zu sehen sein, so Sabine Rinau: "Höchstens, dass auf unseren Flächen künftig mehr Kühe grasen als bisher. Die Mutterkuhhaltung findet im Sommerhalbjahr im Freien statt."

In den letzten Wochen ist etwas Bewegung auf den Milchmarkt gekommen. Die Anliefermengen in den Molkereien gehen deutschlandweit zurück, die Erzeugerpreise sind wieder um einige Cent nach oben geklettert, berichtet Michael Eckl. Das sei aber nur ein kleiner Hoffnungsschimmer. Selbst wenn die Preise wieder steigen würden, brauchen die Milcherzeuger mindestens ein Jahr, um sich vom Tief zu erholen, schätzt er.

Die Entwicklung hänge nicht zuletzt mit dem Eingreifen der EU zusammen. Sie startete im Sommer ein Milchprogramm. Landwirtschaftsbetriebe erhalten für jeden Liter Milch, den sie weniger liefern, 14 Cent. Noch bis Mitte nächster Woche bleibt den Betrieben Zeit, Anträge zu stellen. "Wir haben bis jetzt 25 Antragsteller", erklärt der Außenstellenleiter der Landwirtschaftsbehörde. Das Spektrum reiche von Betrieben, die ihre Milchproduktion nur um einige Prozent senken, bis hin zu den Aussteigern, die sich ganz von ihren Tieren trennen. Es gibt aber auch viele Betriebe, die gar nicht ans Aussteigen denken. Dazu gehört die Agrargenossenschaft Reichenbach. Geschäftsführer Lars Bittermann sagt: "Für uns ist Aussteigen keine Option. Das war auch nie ein Thema." Die Milchkuhhaltung sei für das Vogtland als Grünlandstandort sehr wichtig. "Wir müssen über jeden Betrieb froh sein, der durchhält."

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