Alkohol und illegale Drogen: Verbotene Substanzen holen auf

In der Drogenberatung in Plauen sprechen jedes Jahr rund 1800 Suchtkranke vor. Die Hauptprobleme: Alkohol, Crystal und der Versuch, ein neues Leben zu beginnen.

Plauen.

Bekommt man illegale Drogen aufgeschwatzt? Susan Rödel arbeitet als Suchtberaterin in Plauen. In mehr als 15 Jahren Berufspraxis hat sie andere Erfahrungen gesammelt. Ihre Klienten hätten sich bewusst jemanden gesucht, der ihnen Drogen besorgt. "Alle, deren Geschichte ich kenne, sind selbst aktiv geworden", sagt die Leiterin der Suchtberatung an der Marktstraße.

Die Möglichkeit, an Crystal Meth und Gras zu kommen, habe sich seit 2002 nicht verändert. Damals gründete die Suchtberatungsstelle den Drogenhilfekeller Flashpoint. "Wer Drogen braucht, hatte noch nie ein Problem damit, welche zu bekommen", sagt Rödel. Über die Bezugsquellen ihrer Klienten gibt sie keine Auskunft. Ihr Job ist es nicht, sie zu kriminalisieren, sondern ihnen zu helfen, ohne Drogen zu leben.


Vergangenes Jahr haben sich 1789 Männer, Frauen und Jugendliche bei der Drogenberatung vorgestellt. Die größte Gruppe sind die Alkoholiker, aber die illegalen Drogen holen auf. Vor fünf Jahren kamen fast zweieinhalb mal so viele Trinker wie Konsumenten illegaler Drogen. Seitdem schrumpft der Abstand dazwischen. Auf einen Drogenabhängigen kommen in der Beratung heute eineinhalb Alkoholiker.

Viele sind politox, sie nehmen alles, hängen an der Flasche und am Crystal. Das künstlich hergestellte Aufputschmittel aus den tschechischen Giftküchen ist die illegale Droge, die Susan Rödel die meisten Sorgen macht. Das sei schon 2002 so gewesen. Was anders ist: Die nächste Generation sitzt auf dem Stuhl, junge Erwachsene, die sich mit demselben Stoff zudröhnen wie ihre Eltern. "Wir betreuen Mütter und Schwangere", sagt die Sozialarbeiterin. Sie versucht, an die Familienhebamme zu vermitteln.

Rödel will nicht den Eindruck hinterlassen, dass nur Problemfamilien bei ihr sitzen. Ein großer Teil der Eltern ihrer Klienten arbeite in sozial "sehr" anerkannten Berufen. Dafür brauche es nicht zwingend Eltern, die Druck ausüben. "Wir haben alle ein Gespür für die Erwartungshaltung", sagt Susan Rödel.

Eine dieser Drogenkarrieren wurde im Frühjahr am Plauener Amtsgericht ausgewertet. Auf der Anklagebank: ein junger Mann, der Vater Professor. Der junge Mann hatte wegen Prüfungsangst sein Studium verhauen, wurde depressiv und begann, sich in seiner Wohnung Cannabis zu züchten. Eines Tages stand die Polizei vor seiner Tür.

Die Polizei hält sich zurück, wenn es darum geht, Zahlen zur Drogenstatistik zu werten. Je mehr man nach illegalen Drogen fahndet, desto höher die Fallzahlen am Ende des Jahres. Wer sucht, der findet. In den Amtsgerichten der Region gehören Verhandlungen im Zusammenhang mit Drogen zum Tagesgeschäft. Sachsen ist das größte Einfallstor für Crystal. Tonnenweise wird es in tschechischen Laboren hergestellt und gelangt über die Grenzgürtel.

Die meisten Konsumenten kommen freiwillig in den Flashpoint. Nach der Reha brauchen sie Hilfe dabei, ein neues Leben zu beginnen. "Die Kontakte in ihrem Handy können sie komplett löschen", sagt Susan Rödel. Wer wirklich loskommen will, braucht neue Freunde, neue Wohnung, neue Hobbys. Mit 30 ist das schwer. Im Flashpoint gibt es zweimal pro Woche Treffs für die, die clean sind. Sie lernen Tagesstruktur, fahren zum Bowling, kochen, reden. Für diese Arbeit fehlt das Geld, sagt Susan Rödel, die bei der Diakonie angestellt ist: "In jeder Therapie gibt es einen Fitnessraum, damit die Leute Sport treiben können. Dann kommen sie nach Hause und haben kein Geld fürs Fitnessstudio."

Von Spendengeld will die Diakonie als Betreiber des Drogenhilfekellers Fitnessgeräte kaufen. Neulich gab es 10.000 Euro aus einem Nothilfe-Fonds des MAN-Konzerns. Hartmut Denkewitz, Geschäftsführer der Diakonie Vogtland, würde sich Patenschaften wünschen. "Vielleicht findet sich jemand, der jemandem von den Klienten einen Fitnessgutschein sponsern will", sagt er.

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