Als Plauen einer Festung glich

Auflösung Fotorätsel 1099: Der Nonnenturm ist der einzige erhaltene Eckturm der früheren Plauener Stadtbefestigung. Sein Name leitet sich aber nicht von den Nonnen ab.

Plauen.

Mitten in der Stadt steht rank und schlank ein Bauwerk, das vor 635 Jahren erstmals urkundlich Erwähnung fand. Es ist der Nonnenturm, dessen Name sich allerdings nicht von Nonnen ableitet, sondern von "Schwestern der dritten Regel zur Buße des heiligen Dominikus". So hat es Walther Ludwig in seinem Buch "Ein Gang durch Alt-Plauen" (Museumshefte 6 und 60) beschrieben. Konkret führte er aus: "Diese Bußeschwestern waren keine Nonnen, sondern nach mittelalterlicher Bezeichnung 'Beginen', die sich weder von Familie noch Beruf zu lösen brauchten, aber ein von der Welt zurückgezogenes Leben der Buße und der Enthaltsamkeit führten." Das Haus dieser Schwestern stand nicht weit von diesem mittelalterlichen Turm entfernt - man nannte es allerdings Nonnenhaus, was sich auch auf den Turm übertrug. Im Jahre 1563 ist er urkundlich unter dieser Bezeichnung erwähnt.

Er ist der einzige erhaltene Eckturm der früheren Stadtbefestigung. Damals wirkte er bedeutend schlanker, denn er reichte bis hinunter zum Syra-Bach (siehe Zeichnung). Die heutige Fläche etwa zwischen Nonnenturm und Stadt-Galerie liegt zehn Meter über dem Bachbett. Um dieses damalige Tal zu überbrücken, wurde um 1845/46 eine zwölf Meter breite Brücke angelegt. Es war aber auch möglich, unter den Bogen dieser Bücke zu laufen. So ist im Volksmund der Name "Tunnel" entstanden und hat sich gehalten bis in die heutige Zeit, obwohl weit und breit keine Brückenbogen mehr zu sehen sind. Den Fremden in unserer Stadt, aber auch manchen Einheimischen ist das immer wieder ein Rätsel. Diese Brücke mit ihren Bogen gibt es immer noch. Man kann sie nicht mehr wahrnehmen, weil Anfang der 1950er begonnen wurde, entlang vom Brücken-Geländer Erde und Trümmerreste aus Kriegstagen in einer Höhe von zwei und zehn Meter aufzufüllen, sodass die heute bekannte breite Fläche entstanden ist. Dafür musste der Syrabach in diesem Gebiet auf einer Strecke von 257 Meter überwölbt werden. Insgesamt sind es im Stadtgebiet 1100 Meter, in denen die Syra unsichtbar durch das Zentrum fließt.

Gewonnen hat Christel Seidl aus Plauen. Sie erhältdas Buch "Wer mordet schon im Erzgebirge".

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