Berufsakademie zieht um und meldet weiteren Platzbedarf an

14 Millionen Euro steckte der Freistaat bisher ins alte Plauener Amtsgericht. Bleibt die BA innovativ, dürfte sie weiter wachsen.

Plauen.

Modern ausgestattete Büros, Seminar- und Laborräume, helle Flure und eine gelungene Symbiose aus historischer Bausubstanz und moderner Architektur: Zur offiziellen Eröffnung des neuen Standortes der Staatlichen Studienakademie auf dem Plauener Amtsberg gab es am späten Freitagnachmittag viel Lob und freundliche Worte zu hören. Doch die Enge des überfüllten Raumes, in dem Lutz Neumann, Direktor der Berufsakademie (BA), den symbolischen Schlüssel in die Hand gedrückt bekam, verdeutlichte zugleich: Das ist alles noch lange nicht fertig. "Wenn sich die Studentenzahlen so weiterentwickeln", erklärte Neumann, "dann reichen die Räume nicht." Mit nahezu 400 Studierenden stoße die BA schon bald an ihre Kapazitätsgrenzen.

Der BA-Chef sprach von einem "absoluten Freudentag" für Mitarbeiter, Studierende, Plauen und das Vogtland. Der neue Standort sei "eine alte Hütte mit modernem Innenleben" und biete beste Bedingungen. Er bat Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP), die bisher von der Stadt zur Verfügung gestellten Räume weiterhin nutzen zu können. Der Umzug auf den Amtsberg sei übrigens nahezu reibungslos verlaufen.


Der Freistaat investierte in den ersten Abschnitt 14 Millionen Euro. Dreieinhalb Jahre dauerten die Arbeiten. "Das kann sich sehen lassen", meinte Sachsens Finanzminister Matthias Haß (CDU), der den symbolischen Schlüssel für den Hochschulkomplex mit einem launigen Kommentar überreichte. "Herr Neumann hat hier offensichtlich schon vorher ohne Schlüssel Zugang gefunden." Im nächsten Bauabschnitt soll der Campus bis 2022 ein Multifunktionsgebäude mit Audimax, Mensa und Bibliothek erhalten. Besondere Herausforderung sei die Einbeziehung von Teilen des Schlosses - allerdings dürfte das den besonderen Charme ausmachen. Haß ließ durchblicken, dass er von seinem Dresdner Schreibtisch aus angesichts des porösen Mauerwerks Zweifel gehegt hatte. Bei einem Ortstermin in Plauen habe er dann die Notwendigkeit erkannt. "Städtebaulich ist das extrem wichtig", erklärte der Finanzminister.

Aus Sicht des Wissenschaftsministeriums beschrieb Staatssekretär Uwe Gaul die BA Plauen als eine Erfolgsgeschichte, die vor 20 Jahren als Versuch mit knapp 40 Studenten und zwei Lehrkräften begann, aber offenbar noch lange nicht ihr Ende erreicht hat. Die BA habe beispielsweise mit Lebensmittelsicherheit den Nerv der Zeit getroffen. Das "Physician Assistant"-Studium zum sogenannten Arztassistenten sei "der neueste Renner aus Plauen". Wie es weitergeht mit der kleinsten, aber am wohl schönsten Standort ansässigen sächsischen Berufsakademie, das stehe nicht zuletzt mit dem Engagement der Praxispartner in Verbindung. "Die Fähigkeit zur Investition entscheidet unser Schicksal", sagte Uwe Gaul. Wem der Spruch bekannt vorkommt: Der Staatssekretär zitierte damit aus der Berliner Rede des früheren Bundespräsidenten Roman Herzog.

"Manch anfänglich unlösbares Problem wurde gelöst", sagte Diana Weber vom Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB). Das sei aber bei einem derart geschichtsträchtigen Gebäude, einem ehemaligen Gericht und Gefängnis, völlig normal. Ansonsten war für Probleme beim feierlichen Termin kein Platz. Lediglich ließ Finanzminister Haß "Dank für Geduld" anklingen, da manches doch dauerte. Bisher ungelöst ist die Schaffung einer Hausmeister-Stelle. Finanz- und Wissenschaftsministerium schoben sich zuletzt die Verantwortung gegenseitig zu.

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