Bombenfund am Schlosshang lähmt Plauens Stadtzentrum

4000 Menschen müssen am Donnerstagabend ihre Wohnungen wegen eines Blindgängers aus dem Zweiten Weltkrieg verlassen. Es ist die bisher größte Evakuierungsaktion in der Stadt, die sich an derartige Funde fast schon gewöhnt hatte.

Plauen.

Am Dienstag hat die Erkundung des letzten Kellers begonnen, der im Bauch des Plauener Schlossberges entdeckt und bislang noch nicht untersucht wurde. Keine zwei Tage später ist damit erst einmal wieder Schluss: Baggerführer Hans-Jörg Kurze stößt am frühen Donnerstagnachmittag unmittelbar an der Kreuzung Hammerstraße/Syrastraße auf einen Gegenstand, der nicht nur wie eine Bombe aussieht. 14 Uhr riegelt die Polizei den Fundort ab. Alarmierte Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Dresden stellen gut zwei Stunden später eine 50-Kilo-Fliegerbombe amerikanischer Bauart mit Zünder fest. Es muss entschärft werden.

Die 68. Bombe, die seit Beginn der Aufzeichnungen 1979 in Plauen gefunden wird, ist ein eher kleines Exemplar. Doch sie zieht die größte Evakuierungsaktion seit mindestens 20 Jahren nach sich. Die Experten ordnen Räumung im Radius von 500 Meter um die Fundstelle an. Nach Schätzung des Ordnungsamtes der Stadt müssen 4000 Menschen ihre Wohnungen verlassen. Betroffen sind Bewohner des Seniorenheims gegenüber der Fundstelle, Straßenzüge der Altstadt mit ihren Lokalen, das Rathaus, das Landratsamt, die Stadt-Galerie, die "Freie Presse". Auch der Straßenbahnknoten Tunnel liegt in dem Gebiet, der Nahverkehr kommt deshalb zum Erliegen. Am Abend richtet der Straßenbahnbetrieb drei Notbuslinien ein. Mitarbeiter mit orangefarbenen Westen stehen am Tunnel und beraten gestrandete Fahrgäste. Die Stadtverwaltung schaltet für Bürgerfragen Telefonnummern frei.


Die Evakuierung verläuft unaufgeregt. Mehr als 340 Mitarbeiter der Stadt, ihrer Feuerwehren, von Rettungsdiensten und Polizei arbeiten daran. Größte Herausforderung ist das Seniorenheim am Komturhof. 75 Menschen werden dort in Sicherheit gebracht, darunter 32 bettlägerige, acht in Intensivpflege, einer, der beatmet werden muss. Stadtsprecherin Silvia Weck meldet 20.45 Uhr Vollzug. 22.43 Uhr ist die komplette Evakuierung abgeschlossen. Erst nachdem sicher ist, dass sich kein anderer Mensch mehr in der Gefahrenzone befindet, beginnen die Kampfmittelexperten mit der Entschärfung. Viele gute Wünsche begleiten sie. Einer, der von selbst seine Wohnung verlassen hat, hängt ihnen die Nachricht an seine Tür: "Viel Glück!"

Gegen 1.40 Uhr steht fest: Die Fliegerbombe kann nicht vor Ort entschärft werden und muss abtransportiert werden. Im Laufe des Vormittags soll sie laut Polizei kontrolliert gesprengt werden. Kurz nach 2 Uhr werden die Evakuierungen und Straßensperrungen aufgehoben.

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