Das ewige Rätsel um Plauener Stadtteile und ihre Grenzen

So mancher Leser stutzte, als vor wenigen Tagen die Polizei von einem Einbruchsversuch in der Reichenbacher Vorstadt in Plauen berichtete. Der Stadtteil ist nicht der einzige, der unter den Einwohnern selbst ziemlich unbekannt scheint.

Plauen.

In Plauen weiß wohl fast jedes Kind, wo das Westend zu finden ist. Der Name ist griffig und hat sich eingebürgert. Nicht so einfach ist es mit der Reichenbacher Vorstadt. Der Begriff wird kaum verwendet, wenn einer beschreiben will, wo er wohnt. "Am Treffer", heißt es da wohl eher. Wie und wo verlaufen die Stadtteilgrenzen in Plauen? Wer hat sie überhaupt festgelegt? Das sind Fragen, die auch von den zuständigen Stellen nicht so leicht zu beantworten sind.

Insgesamt 39 Stadt- und Ortsteile führt eine offizielle Karte der Stadtverwaltung Plauen auf. Dort sind auch straßengenau Abgrenzungen zu finden. Wer sich darin vertieft, findet noch mehr Überraschendes. Denn den oft umgangssprachlich verwendeten Stadtteil Westend zum Beispiel gibt es in der Darstellung der Stadtverwaltung nicht. Das mit diesem Namen bezeichnete Gebiet trägt die amtliche Bezeichnung Siedlung Neundorf. Der Westbahnhof gehört zur Neundorfer Vorstadt.

Der Kemmler befindet sich zwar nahe Oberlosa, wird amtlich aber dem Stadtteil Stöckigt zugeschlagen. Geht man von dem Berg aber wieder runter auf die Alte Plauensche Straße und überschreitet diese, ist man in Oberlosa. Geht man dagegen vom Kemmler aus in Richtung Waldesruh, ist man in Reinsdorf.

Der Stadtteil Preißelpöhl verläuft auch nicht dort, wo manche ihn vermuten. Er beginnt erst am Mendelssohnplatz, an der Schumann- und der Gluckstraße. Das Gebiet in Richtung Stadtzentrum mit Goetheplatz ist dagegen die Reißiger Vorstadt. Der Name Preißelpöhl kommt von der 415 Meter hohen Bergkuppe an der Bertrand-Roth-Straße.

Die Kleingartensparte Süd-Ost müsste eigentlich in der Ostvorstadt liegen, könnte man meinen. Das tut sie aber nicht. Sie gehört zum Stadtteil Reinsdorf. Der Gartenverein ist im Herbst 1931 entstanden. Damals wurde "von der Rittergutsherrschaft Reinsdorf (Exzellenz von Tümpling in Dresden) im Flur Reinsdorf ein Gelände von 12,53 Hektar gepachtet", heißt es dazu auf der Internetseite der Kleingartensparte. Das ehemalige Rittergut mit zugehörigen Äckern und Wäldern erstreckte sich vom Schwarzen Holz, wo früher ein Familienfriedhof bestand, bis zur Waldesruh und eben bis zur Ost.

Die Hammertorvorstadt hat den Namen vom Hammertor, das unterhalb des Schlosses zu finden war - dort, wo die Hammerstraße beginnt. Der Name Hammer kommt von dem Eisenhammer, der sich zwischen dem ehemaligen Bahnhof Chrieschwitz an der hinteren Hammerstraße nahe dem Stahlbau und der Bahnhofsbrücke dort am linken Elsterufer befunden hat. Er ist um 1400 urkundlich erwähnt.

Auch die Neustadt ist ein Stadtteil, wenn auch ein sehr kleiner. Der Neustadtplatz ist nach der bereits im Jahr 1267 erwähnten Neustadt benannt - damals eine Erweiterung außerhalb der Altstadt. Die Reichenbacher Vorstadt an der damaligen Reichenbacher Straße kam ebenso wie die Hofer Vorstadt an der Hofer Straße ihrer geografischen Lage wegen zu der Bezeichnung.

Namen und Grenzen der Stadtteile sind vor 25 Jahren durch den Stadtrat beschlossen worden. Darauf aufbauend wurde eine kleinräumige Gliederung mit blockweiser Abgrenzung erarbeitet. Diese dient Ämtern und Behörden dazu, vergleichbare statistische Informationen zu ermitteln und Erkenntnisse für die Stadtentwicklung daraus zu gewinnen. Wie und von welchen Stadtteilen die Plauener reden, steht auf einem anderen Blatt.


Die Einwohnerentwicklung

Mit dem Stichtag 30. Juni hat die Stadtverwaltung die neue Einwohnerzahl bekanntgegeben. Auch wenn insgesamt 400 Menschen mehr in der größten Stadt des Vogtlandes leben als ein Jahr zuvor, nämlich 65.771, gibt es in den Ortsteilen mit Ortschaftsrat doch Unterschiede. Manche haben Einwohner gewonnen, andere verloren - und damit auch Geld. Denn das Rathaus zahlt den Ortsteilvertretungen bekanntlich neun Euro pro Bürger.

Einen Verlust von 16 Seelen meldet Neundorf (1473), Großfriesen von neun (665 Einwohner). Das macht im Vergleich zu 2018 ein Minus von 144 und 81 Euro im nächsten Jahr. Kauschwitz hat mit 782 Einwohnern sieben weniger, aber das zugehörige Zwoschwitz hat neun mehr - ergibt 18zusätzliche Euro. Jößnitz (2367), Steinsdorf (168) und Röttis (47) bilden einen Ortsteil. Steinsdorf hat einen Einwohner weniger, Jößnitz aber neun mehr. In Röttis ist alles beim alten geblieben. Die Ortsteilvertreter können nächstes Jahr 72 Euro mehr verteilen. In Oberlosa (640) sind es 27 Euro, in Straßberg 45 Euro (810), die zusätzlich verteilt werden können.

Am bevölkerungsreichsten sind die Bahnhofsvorstadt (8734), die Neundorfer Vorstadt (7184) und Chrieschwitz mit 6633. (pa)

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